– Foto: Ralf Seedorff

Enormer Aufwand, kein Ertrag – VSG im Halbfinale

Altglienicke siegt verdient gegen bemühte Sterner

Der Underdog liefert einen leidenschaftlichen Kampf ab, belohnt sich aber nicht, und kann trotz des Ausscheidens mit der Vorstellung zufrieden sein.

Stern 1900
0:2
Altglienicke

Die Vorzeichen der, vom BFV zu Unrecht verlegten (FuPa berichtete), Pokalbegegnung hätten klarer kaum sein können - nicht einmal auf Fanseite der Steglitzer bediente man sich im Vorfeld des gestrigen Abends der hinlänglich bekannten Pokal-Floskel. Gesetzt schien nur ein Sieg der Gäste aus dem Süd-Osten Berlins, die sich in der Regionalliga-Nordost aktuell im gehobenen Mittelfeld bewegen.

Umso überraschender, und beinahe erfrischend, agierten die Sterner in den ersten gut 25 Minuten des Spiels mit einem hochaggressiven Offensivpressing, das die VSG allerdings zu selten vor Probleme stellte. Lediglich drei Mal eroberten die Hausherren den Ball in aussichtsreicher Position, konnten die Ballgewinne allerdings aufgrund zweier (vermeintlichen) Abseitsstellungen und einer Unkonzentriertheit nicht in Torchancen konvertieren.

Anschließend forderte die im Vergleich zum Liga-Alltag doch sehr hohe Schlagzahl im Anlaufverhalten dann phasenweise ihren Tribut. Fast jeder zweite Ball landete bei den in weiß spielenden Gästen, die Simon Slotta mit einem Schuss aus der zweiten Reihe zum ersten Mal prüften (26‘). In der Folge hagelte es Eckbälle für die Altglienicker, die zumeist aber per Kopf vom groß gewachsenen Innenverteidiger-Duo Driemel/Wetzel geklärt werden konnten. Allerdings landete einer dieser Kopfbälle genau auf dem Fuß von Uzan, dessen satter Schuss aus 18 Metern von Slotta nur per Fuß nach vorne abgewehrt werden konnte. Und auch Diesen konnte keiner seiner Mitspieler klären, sodass Belegu keine Probleme hatte zum 0:1 zu verwandeln (30‘).

Dieses Bild setzte sich bis zur Pause fort. Die Sterner, die versuchten über Tempogegenstöße für Entlastung zu sorgen, wurden nur wenig später erneut bestraft. Ehritt ließ sich links hinten im eins gegen eins von Belegu abkochen, dessen Ball in die Mitte auf Uzan zunächst schwer zu kontrollieren ist. Nach kurzer Ablage aufs linke Strafraumeck bringt Häußler den Ball erneut in die Box, wo Derflinger aus ca. elf Metern Torentfernung als Abnehmer fungiert und den Ball mit einem Kontakt ins kurze Eck bugsiert (35‘) – keine Chance für Slotta.

Entschlossen und ohne Wechsel kamen beide Teams aus der Pause. Doch auch nach einem Abschluss von Bokake-Befonge nur knapp nach Wiederanpfiff wechselte der Trend nicht (46‘).

Die Sterner liefen an, ohne den gewünschten Effekt zu erzielen. Yildirims abgefälschter Ball verfehlte den Kasten des SFC nur knapp (52‘).

Mit zunehmender Spieldauer wirkte das Team von Trainer Andreas Thurau immer erschöpfter. Erst als Er versuchte das Spielgeschehen mit mehreren Wechseln kurz vor der Schlussphase noch einmal zu beeinflussen kam sein Team spürbar näher an einen hoffnungserweckenden Anschlusstreffer heran – ohne ihn in letzter Instanz erzielen zu können. Einen „zweiten Ball“ konnte Schrade in zentraler Position nur rund 25 Meter vor dem Tor der Gäste erobern, Fässler aber zielte zu zentral und bereitete Bätge mit seinem Abschluss von der Sechzehner-Kante keine Probleme (79‘). Nur zwei Minuten vor Ende der Partie tauchte erneut der umtriebige Fässler nach einem riskanten, Ballverlust im Dribbling Philipp Zeigers, der im Fallen noch versuchte den Ball mit den Händen aufzuhalten, vor Bätge auf, umkurvte ihn und setzte den Ball dann aus recht spitzem Winkel von links am langen Pfosten vorbei (88‘).

„Spätestens da war klar, dass hier Nichts mehr passiert“ gab VSG-Coach Karsten Heine auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zu Protokoll. Trotzdem hatte auch er, zum Leidwesen seines Gegenübers, ein Mal mehr Lob für die in der Oberliga bisher sieglosen Steglitzer übrig: „Wir haben uns Stern 1900 in den vergangenen Wochen drei Mal angeschaut und können die Eindrücke unserer Trainerkollegen bestätigen, die nicht verstehen warum dieses Team nach wie vor auf dem letzten Tabellenplatz steht. Uns war klar, dass wir diese Partie nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen.“
Für Das Trainerteam Thurau/Slotta ein schwacher Trost nach zuletzt zwei Punkten aus zwei Spielen. „Wir haben heute Alles versucht und gegeben, ich kann den Jungs wirklich keinen Vorwurf machen“, meinte Thurau sichtlich gelassen. „Wir hatten heute von Beginn an keinen Druck, denn wir wussten vor dem Spiel, dass unsere wichtigste Aufgabe am Wochenende auf uns wartet.“

Dann empfängt der SFC am Sonntag um 13:00 Eintracht Mahlsdorf. Die VSG muss schon am Samstag die Reise nach Leipzig zum Spiel gegen „Lok“ antreten, Anpfiff ist um 14:00.

Aufrufe: 024.2.2022, 22:04 Uhr
Paul SchrammAutor