2025-12-03T05:51:34.672Z

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Peter Schramm (links außen) hat auf eigenen Wunsch seine Trainertätigkeit beim abstiegsgefährdeten Nord-Kreisligisten FC Vorbach beendet.
Peter Schramm (links außen) hat auf eigenen Wunsch seine Trainertätigkeit beim abstiegsgefährdeten Nord-Kreisligisten FC Vorbach beendet. – Foto: Rainer Rosenau

Vorbach-Coach Peter Schramm zieht selbst die Reißleine

Nach dem 0:3 gegen Erbendorf hat der Trainer des abstiegsbedrohten Nord-Kreisligisten dem FC-Vorstand seinen Rücktritt angeboten, um den Weg für neue Impulse freizumachen

Peter Schramm (56) ist nicht mehr Trainer des Nord-Kreisligisten FC Vorbach. Nachdem am vergangenen Mittwoch das wichtige Nachholspiel gegen den TSV Erbendorf nicht wie erhofft gewonnen wurde und man damit einen kleinen Befreiungsschlag im Abstiegskampf verpasste, machte sich beim Vorbacher Coach eine große Frustration breit, die in ihm die Entscheidung reifen ließ, selbst die Reißleine zu ziehen. "Ich habe noch am Mittwochabend meinen Rücktritt angeboten, am Donnerstag dann hat mich der Vorstand angerufen und mich darüber informiert, dass sie ihn schweren Herzens annehmen. Die letzten Spiele waren trotz der Personalprobleme echt schlecht und ich bin tatsächlich ratlos, wie ich es ändern könnte. Und wenn einen Trainer Ratlosigkeit befällt, dann sollte er nicht weitermachen. Ich hätte tatsächlich nicht mehr gewusst, was ich nun anders machen kann. Ich hoffe nun, dass sie die Kurve bekommen. Aktuell rangieren sie ja noch auf einem Nichtabstiegsplatz, wo man auch bleiben möchte. Aber gerade vor dem Kellerduell in Kohlberg muss was geändert werden", so Peter Schramm in einer ersten Stellungnahme zu FuPa.

Spartenleiter Gerhard Wilterius erzählt in einem fast halbstündigen Telefonat mit FuPa, dass er, wohlwissend um die aktuell unbefriedigende Situation in der sich der FC aktuell befindet, schon überrascht wurde, vom Angebot Schramms, den Weg für einen anderen Trainer freizumachen: "Ich bin ehrlich, für mich ist der Rücktritt von Peter auch eine sehr emotionale Geschichte, denn er war mein absoluter Wunschkandidat, als wir einen Nachfolger für Michael Kaufmann gesucht haben. Wir hatten schon damals, als ich bereits Abteilungsleiter in Vorbach war, gute Erfahrungen mit ihm gemacht. Er brachte viel Erfahrung mit, kannte unser System und unseren Zusammenhalt, ich war mir sicher, dass er uns gut tun würde", sagt Wilterius, dem das Gespräch, welches Schramm am Mittwochabend mit ihm und Vorstand Hans Wiesnet gesucht hatte, nicht mehr aus dem Kopf geht. "Seit dem Donnerstag, als wir dem Rücktritt Peters zustimmten, schlafe ich schlecht, denn neben der Tatsache, dass ich erlebt habe, dass er wirklich alle Register gezogen hat, um den sportlichen Erfolg zurückzuholen, hat sich mit ihm über die Jahre halt auch eine richtige Freundschaft entwickelt", so die Vorbacher Vereinsikone.

Dazu muss man wissen, dass Peter Schramm - bevor er 2024 erneut in Vorbach anheuerte - bereits in der Vergangenheit lange als Trainer beim FCV aktiv war. Ab 2006 zunächst für ein Jahr bei der F-Jugend, ab 2007 dann als Übungsleiter der ersten Mannschaft sowie von mehreren Jugendteams des FCV. Folglich kannte Schramm die Gegebenheiten und handelnden Personen bereits aus dem Effeff. Zudem hatte er eine ganze Reihe der aktuellen Spieler damals schon im Nachwuchsbereich unter seiner Fuchtel gehabt. "Wir haben Peter einiges zu verdanken, so hat er die in den letzten Monaten in den Herrenbereich aufgerückten jungen Spieler geformt und weiterentwickelt. Dass wir nun seit Saisonbeginn von einer noch nie dagewesenen Verletzungsmisere heimgesucht werden - es fehlt uns praktisch eine komplette Mannschaft - dafür kann Peter nichts. Er hat darunter gelitten, hat immer wieder alles gegeben, um am Wochenende mit den zur Verfügung stehenden Spielern eine möglichst konkurrenzfähige Truppe zu stellen. Auch wenn die sich zum Teil sehr gut geschlagen hat, es hat halt nur selten zu Punkten gereicht. Dass er nun nicht mehr weiter weiß, quasi aufgibt, trifft mich persönlich hart, ich leide", so der Fußballabteilungsleiter, für den es in seiner 28-jährigen Zeit als Spartenleiter tatsächlich das erste Mal ist, dass ein FC-Trainer "das Handtuch wirft".

Peter Schramm selbst schildert in einer an FuPa gesendeten Sprachnachricht - wie von ihm gewohnt - ausführlich, warum er sich entschlossen hat, beim FC aufzuhören: "Die letzten vier verlorenen Spiele haben etwas verändert. Waren wir bei den Spielen zuvor, in denen wir zwar auch nichts geholt haben, zumindest auf Augenhöhe, haben wir in den letzten vier Wochen einfach zu viele einfache Fehler gemacht, haben leicht Gegentore bekommen und auch vom Kampf her nicht mehr so dagegengehalten. Dass unser Hauptproblem allerdings die Personallage ist, ist auch klar. Die unendlich vielen Verletzten führen natürlich dazu, dass uns Qualität abgeht. So fehlten uns zuletzt gegen Erbendorf sage und schreibe acht Stammspieler und dann kamen in dieser Partie noch einige dazu. Natürlich ist es unter diesen Umständen schwer, ein Spiel zu gewinnen. Auch mit einer Systemumstellung haben wir es versucht, doch wenn du halt dann Spieler am Platz hast, die lange verletzt waren und noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind, dann ist es einfach schwer, zu punkten.

Noch belegen wir keinen Abstiegsplatz, doch leben wir davon, dass die hinter uns ebenfalls keine Punkte holen. Personell wird sich nun nicht viel ändern in der kommenden Zeit, doch braucht es gerade im Sechs-Punkte-Spiel in Kohlberg mal einen neuen Impuls oder eine andere Ansprache. Mein Entschluss, den ich nach dem Erbendorfspiel gefasst habe, hängt nun tatsächlich mit dem Kohlberg-Spiel zusammen. Ich war ratlos, was ich der Mannschaft am Sonntag vor dem Spiel hätte erzählen sollen, damit es anders wird. Und wenn der Trainer seiner Mannschaft im Abstiegskampf nicht mehr helfen kann, dann wäre es fahrlässig, einfach weiter zu machen und das zu erzählen, was immer und immer wieder gesagt wurde.

Ja, die letzen vier Spiele haben mich zweifeln lassen. Kaum Torchancen erarbeitet, gegen Erbendorf trotz Überzahl in der Offensive nichts gerissen, da merkst du die Verunsicherung und das fehlende Selbstvertrauen. Das nagt an Mannschaft und Trainer, da muss man reagieren. Das hat letztlich auch der Verein so gesehen, wir gehen ja auch überhaupt nicht im Streit auseinander. Für mich ist und bleibt der FC Vorbach ein Stück Heimat, ich war ja schon einmal sieben Jahre dort, das Verhältnis wird gut bleiben. Ich hoffe, dem Verein mit meinem Rücktritt zu helfen, was die Verantwortlichen letztlich auch so gesehen haben. Natürlich, irgendwie fühlst du dich, als wärst du gescheitert. Auch wenn man aufgrund der personellen Situation kaum etwas ändern konnte, bist du dennoch dafür verantwortlich, wie die Mannschaft am Platz steht und wie die Ergebnisse sind. So kommt dann die Erkenntnis, den Platz zu räumen, es braucht etwas anderes.

Letztendlich bin ich aber auch ein wenig stolz, auf das, was wir in den eineinhalb Jahren geschafft haben. Wir haben viele junge Spieler weitergebracht, ja einige haben sich wirklich gut entwickelt. Wir mussten sie ja personell bedingt ins kalte Wasser werfen, sie waren auch immer bereits Zweite und Erste zu spielen. Woche für Woche hatten wir ja nur elf oder zwölf Leute beim Warmmachen der Ersten, danach haben sich die Jungen, die zuvor 70 bis 90 Minuten Zweite gespielt hatten, auf die Bank der Ersten gesetzt. Die Verletztenlage ist in Vorbach schon fast dramatisch. Dabei ziehen die Verletzungen nicht eine Pause von ein oder zwei Wochen nach sich, sondern da fehlen Spieler - wie Jonas Heindl oder Eric Fastenmeier beispielsweise - gleich mehrere Monate. Die vielen Ausfälle kannst du nun mit einem kleinen Kader, so wie ihn der FC hat, nicht auffangen. Wir wussten, dass es schwer wird, haben aktuell nur zwölf Punkte, doch bin ich überzeugt davon, dass der FC die Klasse hält. Eminent wichtig ist das Kohlberg-Spiel jetzt, wenn du gewinnst, kannst du dir etwas Luft verschaffen. Dann geht´s nach Haidenaab, auch da ist was drin, deswegen war es jetzt der richtige Zeitpunkt für mich, den Platz zu räumen für einen neuen Impuls. Wichtig wäre noch, dass nach der Winterpause doch der ein oder andere Verletzte zurückkommt, dann kann man als Trainer reagieren, hat mehr Alternativen", so Peter Schramm in seiner doch sehr emotionalen Schilderung der Hintergründe seines Rücktritts.

Am gestrigen Freitag hat sich Schramm nun vor dem Training von der Mannschaft verabschiedet. "Das war nicht einfach, auch vom Gefühl her, denn Trainer beim FC sein zu dürfen, war nicht einfach nur ein Job für mich. Denn ich wohne hier, war vorher schon mal da, mein Sohn spielt in der Zweiten, da entstehen auch Freundschaften. Ich kann das nicht einfach abhaken, da spielen auch Emotionen eine Rolle, es ist mir nicht leicht gefallen, mich zu verabschieden. Auch das lange Telefonat mit Vorstand Hans Wiesnet war nicht ohne, denn wir kennen uns auch schon seit ewigen Zeiten", so der 56-jährige Schlammersdorfer abschließend.

Ob die durch den Rücktritt Schramms erhofften neuen Impulse eine Art Aufbruchstimmung erzeugen können und dazu führen, endlich den Turnaround zu schaffen und den Weg in Richtung ruhiges Fahrwasser anzutreten, darüber wird das schon angesprochene Kellerduell beim SV Kohlberg am morgigen Sonntag einen ersten Fingerzeig geben. Wie der Verein mitteilte, übernehmen ab sofort Torwart- und Co-Trainer Daniel Beer (41), der bisherige Spielertrainer der zweiten Mannschaft Fabian Wiesnet (25) und der langjährige Aktive Marco Lautner (30) das Coaching, bis ein passender Nachfolger gefunden wird.

Aufrufe: 025.10.2025, 15:30 Uhr
Werner SchaupertAutor