
„Bergner“ klatscht seine Hände zusammen und ruft „Jaa, schön“. Er trägt ein rotes Trikot mit seinem Spitznamen, an seinen Händen trägt er Torwarthandschuhe. Gerade haben zwei Abwehrspieler vor ihm einen Angriff gut verteidigt, der Ball ist ins Seitenaus gerollt. Wieder greifen drei Spieler an, ein, zwei Pässe, Markus schießt – Tor. Dieses Mal ist der Ball drin.
Es ist ein Donnerstagabend in Herongen. Auf dem Sportplatz des SV Blau-Weiß trainiert die Fußball-Mannschaft „Crocodiles Herongen“. Die Männer und Frauen spielen nicht im offiziellen Ligasystem des DFB, sie wird man wahrscheinlich nie alle zusammen in der Kreisliga oder der Bezirksliga sehen. Dafür treten sie in einer im vergangenen Jahr gegründeten Liga an: Der Übergewichtigen-Fußball-Liga (ÜFL) in NRW. Zu viele Kilos sind hier kein Hindernis, vielmehr sind sie eine Voraussetzung, um überhaupt mitspielen zu dürfen: Wer dabei sein will, muss einen Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 31 haben.
„Vor den Spielen steht eine Waage bereit. Sie wird aber nur genutzt, wenn die Gegner Zweifel am BMI haben“, sagt Mathias Weißköppel. Er hat die „Crocodiles Herongen“ ins Leben gerufen. Selbst gekickt hat er nie im Verein, immer nur hobbymäßig. Als Weißköppel von der Übergewichtigen-Liga erfuhr, machte er sich schlau und spielte eine Saison bei den „Wedau Grizzlys“ in Duisburg mit. Schließlich fand der Wachtendonker dann beim SV Blau-Weiß Herongen einen Platz, auf dem trainiert werden konnte und gründete seine eigene Übergewichtigen-Fußball-Mannschaft.
Weißköppel startete einen Aufruf, allen voran in den Sozialen Medien. Sofort meldeten sich über 20 Leute. „Das Ziel ist, dass die Menschen wieder rauskommen, in den Sport zurückfinden“, sagt er. Bei den „Crocodiles“ seien auch viele dabei, die zuvor lange Zeit bei Kreisligisten in der Region auf der Bank saßen und einfach mal wieder spielen wollen.
Die ÜFL in NRW ist die erste Liga dieser Art in ganz Deutschland, gegründet wurde sie 2023 in Essen. Bei der ersten Saison waren sechs Teams dabei, vergangenes Jahr waren es acht, jetzt sind es schon 16. „Gegründet von leidenschaftlichen Fußballfreunden, entstand die Liga aus dem Wunsch heraus, den klassischen Fußball für alle zugänglich zu machen – unabhängig von Körpergewicht oder Fitnesslevel“, schreibt die Liga auf ihrer Website.
Die 16 Mannschaften sind in ganz NRW verteilt. Aus Bielefeld zum Beispiel gibt es die „Adipositas Allstars“, aus Menden sind die „Pfundskerle“ dabei. Der Meister der vergangenen Saison kommt aus dem Schwerter Stadtteil Westhofen, „Heavyweights Westhofen“ heißen sie.
Unter dem Flutlicht in Herongen haben sich die Männer und Frauen in einem Kreis aufgestellt. Die Übung: Die „Crocodiles“ sollen sich den Ball zuspielen und dann mit der Person, die den Ball angenommen hat, den Platz tauschen. „Keine kurzen Wege“, ruft Timo immer wieder. Er ist der Sohn von Markus und zu leicht, um bei den Crocodiles mitspielen zu dürfen. Dafür trainiert er die Truppe jetzt.
„Die Liga ist noch in den Kinderschuhen“, sagt Weißköppel. Zum ersten Mal wird die Meisterschaft in diesem Jahr in der Hinrunde in einer Ost- und einer Weststaffel ausgespielt. In der Rückrunde spielen jeweils die Best- und Schlechtplatziertesten die endgültige Platzierung aus.
Die „Crocodiles“ in Herongen sind nicht das einzige Team im Gelderland, in dieser Saison ist auch eine Mannschaft aus Vernum mit dabei: der „Dicken-Fußball-Club Blood Pressure“. Das Team spielt auf der Anlage von Grün-Weiß-Vernum.
Doch was passiert, wenn die Spieler durch den ganzen Sport dann tatsächlich abnehmen? Das ist erlaubt, zumindest in Maßen. Während der Saison darf man einen BMI von 28 haben. Wer dünner ist, fliegt. Vor der Saison muss der BMI aber bei 31 liegen. Los geht es im April. Mindestens bis dahin müssen die „Crocodiles“ ihr Gewicht halten.
Vernum Neben den „Crocodiles Herongen“ gibt es auch eine Übergewichtigen-Fußball-Mannschaft in Vernum: Den „Dicken-Fußball-Club Blood Pressure“. Mehr Infos über das Team gibt es auf der jeweiligen Facebook-und Instagram-Seite, zu finden unter: DFC Blood Pressure.
Herongen Kontakt zu den „Crocodiles Herongen“: Crocodiles_Herongen über Instagram, Crocodiles Herongen via Facebook. Mathias Weißköppel ist auch per Mail erreichbar unter mathias.weisskoeppel@googlemail.com.