
Zehn Tore in einem Spiel und an jedem einzelnen beteiligt: Jan Marpe lieferte beim Sieg eine surreale Quote ab. Im Interview spricht der 24-Jährige über seine Zeit in mehreren NLZ´s, das Abenteuer USA und warum er jetzt für Medimeister aufläuft.
Zehn Torbeteiligungen in einer einzigen Partie − eine Statistik, die man definitiv nicht oft hört. Marpe beschreibt das Gefühl auf dem Platz als einen besonderen Zustand: „Man spielt sich in einen Flow, was das Selbstbewusstsein steigert und die instinktive Entscheidungsfindung verbessert." Trotz der individuellen Gala bleibt der disziplinierte Zweikämpfer, der für seinen „linken Fuß" bekannt ist, bescheiden und stellt den Teamerfolg in den Vordergrund. Die erste Saison der neu gegründeten Mannschaft bewertet er als positiv, auch wenn der Aufstieg dieses Jahr wohl kein Thema mehr ist: „Das muss für die nächste Saison auf jeden Fall das Ziel sein."
Marpes fußballerische Ausbildung kann sich definitiv sehen lassen. Über Schalke 04 ging es zum MSV Duisburg und schließlich zum VfL Bochum. „Die Zeit in den NLZs war prägend für meine persönliche Entwicklung. Ich habe Werte wie Disziplin und Leidenschaft internalisiert", blickt er zurück. Die Reise war jedoch auch von Entbehrungen geprägt. Marpe erinnert sich an Zeiten, in denen er um 6:30 Uhr morgens von Haltern am See nach Duisburg zur Schule fuhr und erst spät abends vom Training zurückkehrte. Der Lohn: Einsätze in der Westfalenauswahl, Reisen nach Namibia und ein Westfalenpokalfinale mit der U17 des VfL Bochum. Auch konnte Marpe lernen, wie man mit Rückschlägen umgeht. Bei Schalke 04 wurde er damals nach vier Jahren aussortiert und kämpfte sich beim MSV dann zurück.
Nach seiner Zeit in der U19 von Rot-Weiß Oberhausen durfte Marpe sogar Regionalliga-Luft schnuppern. „Ein tolles Erlebnis, auch wenn es aufgrund von COVID leider ohne Zuschauer war", so Marpe. Ein Vertragsangebot von RWO lehnte er jedoch ab, um ein Stipendium in den USA anzunehmen. Drei Jahre lang spielte er Division 1 am Saint Mary´s College (Kalifornien) und an der Old Dominion University (Virginia) und studierte Psychologie. „Der Fußball dort hat fitnesstechnisch deutlich mehr abverlangt, mit oft drei Spielen der Woche."
Nach seinem Bachelor-Abschluss kehrte er nach Deutschland zurück, ging zur Bundeswehr und studiert nun Medizin an der RWTH Aachen. Zum Fußball kam er über seine Kommilitonen bei den Medimeistern. Trotz aktueller Angebote aus deutlich höheren Ligen bleibt das Studium prioritär: „Das Studium spannt einen extrem ein, mit Famulaturen und Offizierlehrgängen in den Semesterferien." Dennoch hat der ehrgeizige Offensivmann seine Ziele klar gesteckt. Er will Torschützenkönig werden und schließt einen späteren Angriff in höheren Ligen nicht aus: „Nach dem ersten Staatsexamen könnte ich mir durchaus vorstellen, noch einmal höherklassiger anzugreifen." Wer gegen Florian Wirtz (seinen laut eigenen Angaben stärkster Gegenspieler) bestanden hat, dem ist das zweifellos zuzutrauen.