2026-03-25T14:09:28.761Z

FuPa Portrait

Von Kapitänen zu Leitfiguren

August 2018, Kreisoberliga: Für den frisch abgestiegenen SV 08 Steinach steht die erste Fahrt zum Erlauer SV Grün-Weiß an.

von André Hofmann · Gestern, 22:00 Uhr · 0 Leser
Florian Hellmich und Kevin Eichhorn-Jeremias-Sohn haben wichtige Schlüsselrollen bei ihren Vereinen.
Florian Hellmich und Kevin Eichhorn-Jeremias-Sohn haben wichtige Schlüsselrollen bei ihren Vereinen. – Foto: Fotocollage mit KI-Support

Zwei Kapitäne prägten das Duell: Florian Hellmich für Erlau, Kevin Eichhorn-Jeremias-Sohn für Steinach. Beide sind auch heute noch für ihren Herzensverein tätig, in neuer Rolle aber mit ebenso viel Engagement wie damals auf dem Feld.

Rückblick: Das erste Aufeinandertreffen 2018

„Ehrlich gesagt nicht mehr ganz so viel“, erinnert sich Florian an das erste Spiel gegen Steinach. „Steinach war damals Absteiger und dementsprechend natürlich auch Favorit. Am Ende war es glaube ich trotzdem ein enges Spiel, das wir knapp verloren hatten. Ich denke, da wäre damals mehr drin gewesen.“

Kevin hingegen hat die Atmosphäre noch genau vor Augen: „Das war der 3. Spieltag der Kreisoberliga-Saison und wir standen schon etwas unter Druck, weil wir vorab in Goßmannsrod verloren hatten. Dann fährt man nach Erlau, wo es immer eklig ist, die Zuschauer nah dran. Und so hat sich auch das Spiel gestaltet. Es war bis zum Schluss eine enge Kiste nach dem 2:3-Anschluss mit viel Kampf, jeder Zuschauer war gegen uns. Aber das sind die Spiele, die mir besonders gelegen haben.“

Auf dem Feld hatten beide schon damals Führungsqualitäten: Florian als zentraler Mittelfeldspieler, der lenkte, koordinierte und voranging, Kevin als Torwart, der die letzte Instanz war. Florian erinnert sich lachend: „Naja, er war ja, ähnlich wie ich, auch mal etwas aufbrausend auf dem Feld (lacht). Deshalb sind wir glaube ich auch hin und wieder mal aneinandergeraten. Aber am Ende hatten wir, auch aufgrund unserer Positionen, nicht so wirklich viele Berührungspunkte. Der allerschlechteste Torwart war er damals sicher nicht.“ Kevin ergänzt: „Er war ein typischer Kapitän, der voranging, seine Mannschaft im Mittelfeld gepusht hat, nie aufgesteckt, immer ein sehr, sehr ehrgeiziger Spieler, ein Lenker.“

Vom Platz hinter die Bande

Heute haben beide ihre Rollen getauscht: Florian ist sportlicher Leiter beim ESV, Kevin auf dem Fellberg in Steinach. Florian über die Umstände: „Um das erstmal richtig zu stellen, offiziell bin ich ja erst seit unserer Mitgliederversammlung vor zwei Wochen in der Position. Nico Herfurth, unser vorheriger Vorstand Sport, hatte seinen Rückzug zum Jahreswechsel bekannt gegeben. Vielen Dank übrigens an dieser Stelle an Nico, der da wirklich über viele Jahre einen hervorragenden Job gemacht hat. Ich habe jetzt interimsmäßig versucht, einige Aufgaben zu übernehmen. Ich freue mich natürlich auf die Aufgabe, aber es ist jetzt auch nicht so, dass ich von Kindheitstagen an davon geträumt habe. Manchmal kommen gewisse Sachen eben doch unverhofft.“ Seine Nähe zum Verein prägt seinen Stil in der neuen Funktionärsrolle: „Ich bin ja mittlerweile seit 31 Jahren Mitglied beim ESV, habe seitdem ich sechs war Fußball gespielt und sonst auch so ziemlich alles im Verein miterlebt. Da ist ja nur logisch, dass der Verein einen großen Platz in meinem Herzen hat. Und auch mit vielen Jungs aus den aktuellen Mannschaften habe ich ja noch selbst zusammengespielt. Da ist man natürlich, denke ich, schon noch sehr nah dran.“

Kevin beschreibt seine Rolle ähnlich persönlich: „Mir bedeutet es richtig viel, für den Verein in der Verantwortung zu stehen. Es ist mein zweiter Heimatverein nach Lauscha. Auch wenn ich dort das Fußballspielen gelernt habe, bin ich seit nunmehr 21 Jahren in verschiedenen Funktionen in Steinach. Es war mir immer ein Bedürfnis, viel zu machen, viel zu bewegen.“

Die Handschrift der Sportlichen Leiter

Florian betont, dass der Wechsel vom Spieler zum Funktionär nicht schwerfiel: „Ich war ja auch vorher, und auch zu Spielerzeiten, schon viele Jahre im Vereinsvorstand. Es ist also von der Seite her keine große Umstellung, die Aufgaben und auch die Verantwortung werden sich nur ändern.“ Seine ersten Wochen als Sportlicher Leiter waren geprägt von Überblick gewinnen und Nähe zum Team: „Wichtig ist natürlich, irgendwie mit allen ins Gespräch zu kommen. Nicht nur, was den Fußball angeht, denn wir haben ja auch noch einige andere Abteilungen, die ebenso wichtig für uns sind.“

Kevin nutzt seine Erfahrung als Kapitän und Torwart, um Entscheidungen zu treffen: „Ich habe schon in meiner Zeit als Torhüter Verantwortung übernommen. Hast du da einen Fehler gemacht, war der Ball meist im Tor. Das ist jetzt ähnlich: Triffst du eine falsche personelle oder sportliche Entscheidung, kann das auch nach hinten losgehen. Ich war schon damals Kapitän und im Mannschaftsrat und hab auch als Jugendtrainer schon Verantwortung übernommen gehabt. Ich habe immer schon viel im Verein gemacht. Die Rolle als Spieler hat mir für die jetzige Position viel gebracht.“ Seine Handschrift zeigt sich in Nähe und Transparenz: „Ich sehe mich sehr nah an der Mannschaft, versuche bei den Trainings dabei zu sein, trainiere auch noch gerne mit. Bei den Heimspielen bin ich selbstverständlich da und versuche auch auswärts mitzufahren, teilweise auch noch als Notnagel auf der Bank. Zum Glück ohne Einsatz, denn die Fitness geht langsam verloren (lacht).“

Das Derby am Wochenende

Am Sonntag kommt es nun zum siebten Duell zwischen beiden Teams, mittlerweile in dder Landesklasse. Die bisherige Bilanz: Sechs Spiele, sechs Siege für Steinach – doch Florian sieht darin Motivation statt Angst: „Angstgegner würde ich jetzt noch nicht sagen, dazu sind es glaube ich zu wenig Spiele gegeneinander bzw. waren die Spiele auch zeitlich zu weit auseinander. Aber natürlich wissen wir, dass es immer schwer war. Einige Male war es eng, manchmal auch deutlich. Ich glaube schon, dass ein gewisser Ansporn da ist. Sicherlich auch ein bisschen Druck, wir brauchen natürlich jeden Punkt. Und irgendwann reißt bekanntlich jede Serie.“

Kevin bleibt realistisch: „Statistiken helfen einen nur bedingt weiter. In Erlau sind es immer eklige Spiele, das Publikum nah dran. Zudem ist es ein kleines regionales Derby. Erlau ist zu Hause sehr stark, hat viele Punkte zu Hause geholt, u.a. gegen Meiningen, Sonneberg und Gotha. Jedes Spiel ist anders, verschiedene Einflüsse von Außen kommen dazu und in der Klasse kann gefühlt jeder jeden schlagen.“

Beide Teams blicken nun auf das siebte Duell, mittlerweile in der Landesklasse. Florian setzt auf Teamgeist und Willen: „Es wird sicherlich um Zusammenhalt und den absoluten Willen gehen. Denn wenn wir als Team zusammenstehen, gerade in Erlau mit den Fans im Rücken, ist immer einiges möglich. Und natürlich muss Steinach auch unsere Gegenwehr zu spüren bekommen.“ Kevin hofft auf die Rückkehr einiger Spieler: „Wir haben die bessere Spielanlage und die Jungs sind bereits wieder in die Erfolgsspur zu finden und drei Punkte mit nach Steinach zu nehmen.“

So schließt sich der Kreis: Zwei Kapitäne von damals, heute Sportliche Leiter, führen ihre Teams mit Herz, Erfahrung und Leidenschaft. Und eines bleibt wie damals auf dem Platz: Im Derby zählt vor allem, wer bereit ist, alles zu geben.