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Vom Bayern-Talent zum Landesliga-Macher: Engelmann erklärt Trainer-Aus

Abschied nach zwölf Jahren und Traumstart in die Landesliga-Saison: »Freilich schwingt da Wehmut mit«

von Boris Manz · 30.09.2026, 19:02 Uhr · 0 Leser
– Foto: Mario Wiedel

Beim FC Bayern München spielte er einst an der Seite von Thomas Müller und Holger Badstuber, beim 1. FC Nürnberg stand er mit Mike Frantz und Dominik Maroh auf dem Rasen – doch in den vergangenen zwölf Jahren machte sich Jakob Engelmann vor allem im Amateurfußball einen Namen.

2015 heuerte der deutsche A-Jugendmeister nach Regionalliga-Einsätzen für den 1. FC Nürnberg II und für den VfL Frohnlach und Zwischenstops beim DVV Coburg und in Marktzeuln beim SC Sylvia Ebersdorf an. Als Spieler marschierte Engelmann mit Ebersdorf aus der Kreisliga bis in die Landesliga und führte den Verein als Trainer nach einem Neustart zurück. Aktuell steht der SCSE als Aufsteiger überraschend auf Rang zwei, doch im Sommer 2027 verlässt Engelmann den Verein. Nach über zwölf Jahren – mit gutem Gewissen.

Die Hintergründe sind schnell erklärt: Der 37-Jährige ist seit über einem Jahr Vater und auch beruflich kommt viel zusammen. „Ich bin seit zwölf Jahren im Verein, seit 2021 als Trainer. Jetzt muss ich Prioritäten setzen und wollte keinesfalls gehen, wenn schlechte Stimmung herrscht. Man sollte aufhören, wenn man noch vermisst wird.“

Die Ebersdorfer Landesliga-Rückkehr sind aktuell Festspiele: Als Aufsteiger steht der SCSE auf Rang zwei, steckte nach starkem Start einen Negativtrend weg und holte zuletzt 13 Punkte aus fünf Spielen. „Wie die Mannschaft auf die Niederlagenserie reagiert hat, sagt einiges über sie aus“, sagt Engelmann, bremst aber gleichzeitig die Euphorie. „Der Saisonstart war sensationell, aber auch ein bisschen glücklich, da Teams noch in der Findungsphase oder wir effektiver waren.“

Über den Abschied wussten sie in Ebersdorf bereits frühzeitig Bescheid. Große Unruhe entstand deshalb nicht, so Engelmann: „Manche waren neugierig, aber ich mache mir keine Illusion. Trainer kommen und gehen im Fußball, als Spieler beschäftigt einen das nicht ewig.“ Leicht fällt ihm der Schritt aber nicht, schließlich habe er alle fast Jungs im aktuellen Kader verpflichtet und über drei Jahrzehnte stand der Fußball fast immer im Fokus.

„Freilich schwingt da Wehmut mit“, so Engelmann. „Spätestens seit dem Neustart habe ich zu jedem Einzelnen einen eigenen Bezug.“ Und auch der Verein sei ihm echt ans Herz gewachsen. „Zwölf Jahre bei einem Verein sind sicher nicht mehr alltäglich. Ich bin mega dankbar, dass man mir hier die Chance gegeben hat, einen Landesligisten zu übernehmen und hoffe, ich konnte einiges zurückzahlen.“

Der Abschied aus Ebersdorf bedeutet vorerst auch einen Rückzug vom Fußballfeld. Mindestens ein Jahr Pause will sich Engelmann gönnen. Zeit für die Familie, sein Hobby das Golfen und, um durchzuschnaufen. Zeit auch, um auf eine bewegte Laufbahn zurückzublicken, die den Fußball oft vor das Private stellte.

Als 15-Jähriger verließ er das Elternhaus für das Internat des FC Bayern München, wo er mit späteren Weltmeistern auf dem Platz stand. „Als der Typ vom FC Bayern damals an unserem Küchentisch saß, gab es für mich nur eins: Machen!“, so Engelmann. Der Oberfranke setzte sich durch, wurde Stammkraft und A-Jungendmeister der Bundesliga Süd/Südwest: Es folgte ein Wechsel zum 1. FC Nürnberg, ein Wechsel zum SC Pfullendorf (damals Regionalliga Süd). Der große Durchbruch oder Vertrag blieb aber aus.

In den ersten Jahren habe er noch gehadert, als er gesehen hat, wie aus Teamkollegen plötzlich Bundesliga-Profis wurden. „Inzwischen empfinde ich einfach nur Dankbarkeit und möchte diese sensationelle Zeit nicht vermissen.“ Deshalb lautet sein Rat an Eltern auch: „Wenn ein Kind wirklich Bock aufs NLZ und Internat hat, kann ich es nur empfehlen. Du lernst früh auf eigenen Beinen zu stehen und ich bereue diesen Schritt keine Sekunde.“

Nach all den Jahren im Dauerbetrieb spürt Engelmann aber auch die kräftezehrende Seite: „Du wirst irgendwann einfach müde.“ Ohne Fußball und Ebersdorf wird es für Engelmann in Zukunft aber nicht weitergehen. „Ich schaue sicher bei Heimspielen vorbei und eine Rückkehr als Trainer wird es definitiv irgendwann geben.“ Das Jahr Pause ist aber fest eingeplant – danach gilt: Wie und wo, oder wieder in Ebersdorf? „Da schließe ich nichts aus. Sag niemals nie.“