
Der SV Ohlstadt geht mit dem altem Team und neuem Mut die Kreisliga an. Auf der Kommandobrücke gibt es keine Veränderung – Toni Geiger bleibt an Bord.
„Sehr schade für das Oberland.“ Mit diesen Worten kommentierte Bad Heilbrunns Trainer Walter Lang den letztlich erfolglosen Kampf dreier Clubs aus dem Zugspitzkreis in der Abstiegsrelegation. Mit dem SV Ohlstadt, SV Polling und TSV Geiselbullach erwischte es drei Neulinge nach nur einer Spielzeit gleich wieder. Der VfL Denklingen verabschiedete sich indes nach fünf Jahren und einem epischen Elfmeterschießen gegen den TSV Zorneding (17:19) in die Kreisliga. Auffällig: Allesamt sind es Dorfvereine, deren Fußballer keinerlei finanzielle Gegenleistung für ihren Einsatz erhalten. Zufall oder Strategie? Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.
Klar ist, dass die Bezirksliga Süd längst zur Zweiklassengesellschaft mutiert ist. Da gibt es die Teams mit einem luxuriösen Abteil für Akteure mit übergebührlicher Qualifikation und mehreren Fächern im Geldbeutel, aber auch die mit einem ausrangierten Triebwagen und angerosteten Achsen. Dort findet man Sportler, die aus Spaß an der Freud’ Fußball spielen und mehr oder minder zufällig nach oben geschwappt werden, weil gerade das Teamgefüge zusammenpasst.
Der SV Ohlstadt hat eine ordentliche Infrastruktur sowie ein gutes Konzept und ist eine ausgezeichnete Adresse im Oberland. Für den schmucken Waggon mit den bequemen Stühlen reicht es aber nicht. Von Beginn an wähnte sich der SVO in einem Schleudersitz. Die einzige Frage lautete: Entkommt er ihm, ehe er auslöst? Seit vergangenem Samstag steht fest: Dem Aufsteiger ist der rechtzeitige Absprung nicht gelungen, weswegen er unverzüglich zurück in die Kreisliga katapultiert wurde. Eine Spielklasse, die sie aus dem Effeff kennen und wo sie weiter wachsen werden.
Das Ganze weiterhin mit Toni Geiger an der Seitenlinie. Der Cheftrainer geht in seine vierte Spielzeit am Boschet. Auch der Kader wird sich nur marginal verändern. Auf Zugänge verzichtet man bewusst. „Stand jetzt wird es keine Neuen geben“, stellt Florian Müller klar. Es ist das Ergebnis eines Brainstormings zwischen Abteilungsleitung und den sportlich Verantwortlichen. Im Prinzip ist die erste Mannschaft zahlenmäßig wie auch vom Können her hinreichend besetzt.
Der SVO setzt auf die Kombination aus jenen, die nicht in der Lage waren, die höhere Spielklasse zu bestätigen, und den Spielern, die gerne mehr dazu beigetragen hätten, aber aufgrund einiger Verletzungen das Nachsehen hatten. „Der Kader an sich ist nicht zu dünn, uns fehlte in der Breite nur die Erfahrung“, versucht sich Franz Leis in einer Analyse. Der Kapitän attestiert den jungen Akteuren „eine Entwicklung und einen total guten Job“. Das allein hat jedoch nicht ausgereicht. „Es ist ein anderes Niveau, und wir haben oftmals Lehrgeld zahlen müssen.“ Dies habe „vielleicht“ etwas zu lange gedauert.
Das ist im ersten Moment bitter. Aber dieses einjährige Abenteuer ist für Leis fraglos „etwas ganz Besonderes“ gewesen. Allein schon, weil man als Gemeinschaft etwas erreicht habe, das „uns viele Leute nicht zugetraut haben“. Erkenntnisse, zu denen Leis bereits kurz nach Abpfiff in Palzing gelangte. Deutlich länger benötigte Jonas Thümmler, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Der 29-Jährige war in der Relegation der prägende Spieler des Teams. Lange saß er völlig geknickt auf dem Rasen, ehe er sich aufrappelte und zu den Kollegen trottete.
„Wir haben versucht, in beide Spiele alles hineinzuhauen, aber es hat nicht gereicht.“ Der Innenverteidiger blickt gleichwohl mit Realitätssinn auf die komplette Runde. „Wenn du in einer Saison 25 Punkte holst, steigst du normalerweise ab.“ Man habe es über die 30 Punktspiele insoweit „schon ganz gut“ gemacht, deutliche Pleiten hielten sich in Grenzen. So stellt er fest: „Wir können auf diesem Niveau mithalten, haben aber auch noch unsere Themen, an denen wir arbeiten müssen.“
Deshalb geht er mit viel Selbstvertrauen in die kommende Spielzeit. „Wir greifen nächstes Jahr wieder an“, versichert Thümmler. Mit ihm als ruhiger Führungsfigur. Vielleicht künftig ein wenig lauter. „Man lernt nie aus, und selbst mit 29 ist das ein Punkt, wo ich noch besser werden kann.“