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„Against all odds“: dies könnte durchaus eine Floskel zum Pokalfinale am Freitagabend zwischen Titelverteidiger Differdingen und dem vermeintlichen Außenseiter Victoria Rosport sein. Die Frage, die sich dabei aber stellt ist, auf welche Mannschaft der Spruch eher angewendet werden muss. Nach dem verlorenen Endspiel um die Meisterschaft in Bissen dürfte Differdingens Trainer Yannick Kakoko unter der Woche mehr als Psychologe denn als sportlicher Übungsleiter gefragt gewesen sein – in wie weit der medial bereits angezählte Saarländer insbesondere einer solchen Rolle noch gerecht werden kann, scheint offen. Natürlich ist der Kader des FCD besser besetzt, auf dem Papier sollte der amtierende Pokalsieger Favorit sein, auch weil man zuletzt vor fünf Jahren gegen Rosport verlor und vor allem in der laufenden Saison zweimal gegen den FC Victoria gewinnen konnte. Hinzu kommen Erfahrungen aus Pokalfinals, aus internationalen KO-Spielen und anderen wichtigen Begegnungen.

Arteu Abreu gegenüber FuPa: „Es war eine große Enttäuschung für uns, die Meisterschaft zu verlieren. Es gibt aber auch eine positive Seite, da wir nach Bissen noch ein Spiel haben, um mit einem Pokalsieg alles besser zu machen, das wäre ja dann doch ein Titelgewinn. Für einen Verein wie Differdingen, der immer um die vorderen Plätze und um Titel mitspielen will, finde ich, dass der Druck immer hoch ist. Spieler, Trainer und Betreuer, die nach Differdingen kommen, wissen, dass ein solcher stets präsent ist. Man ist daran gewöhnt und wir dürfen uns selber nicht noch mehr unter Druck setzen, da dies nicht gut wäre.
Wir sind alle bereit und wollen alle diesen Titel für Differdingen holen. Rosport verfügt über eine solide und kompakte Mannschaft mit einer deutschen Mentalität, über die man nichts zulassen will. Sie sind immer aggressiv. Wir müssen uns auf ein schweres Spiel einstellen. Auch wenn wir als Favorit in das Finale gehen werden, wissen wir, dass es nicht leicht wird. In einem Endspiel, in einem einzigen Spiel, kann alles passieren. Wir müssen den größeren Willen als Rosport zeigen und beweisen, weshalb Differdingen im Finale steht.“
Spielt Differdingen also gegen alle eigenen Widrigkeiten? Denn Gegner Rosports einzige Widrigkeit dürfte „nur“ die Mannschaft des FCD sein, vielleicht noch fehlende Erfahrung mit so großen Spielen und eine damit verbundene Nervosität, wie uns Ben Vogel erklärte (s.u.). Ansonsten spricht dann doch einiges für den Verein von der Untersauer. Man hat eigentlich rein gar nichts zu verlieren, auch wenn man sich das selber so nicht einreden will, und kann völlig befreit aufspielen. Die Moral von der Truppe von Trainer Martin Forkel wurde unter der Saison im Abstiegskampf auf die Probe gestellt, genau wie im Pokalhalbfinale, das man trotz 0:2-rückstandes später im Elfmeterschießen gewann. Kampfgeist war auch nie ein Rosporter Problem. Nach der ersten Teilnahme am Endspiel im Jahr 2008 gegen Ostrivale CSG (1:4) scheint man achtzehn Jahre später nicht chancenlos zu sein.
Ben Vogel vom FC Victoria Rosport: „Ich freue mich einfach, dieses Finale zu spielen, es zu genießen und alles auf dem Platz zu lassen, damit ich mir danach selber nichts vorwerfen kann. Ich freue mich, dass es so weit ist, die Woche zieht sich viel zu sehr in die Länge. Der Mannschaftsgeist ist das, was uns ausmacht. Der harte Kern kennt sich gefühlt schon ewig und spielt schon richtig lange zusammen. Die Spieler, die in den vergangenen Jahren hinzugestoßen sind, haben sich richtig gut integriert und haben dieselbe Freude an der Sache als wir ‚Alteingesessenen‘. Rosport ist das kleine Gallier-Dorf, in dem jeder jeden kennt. Die Menschen werden nicht Differdingen schauen kommen, sondern ‚Steini‘ aus Rosport, Kevin, Michi, Ben – die kommen wegen uns persönlich.
Wir sind die, die nach Spielen als erste mit den Fans in der ‚Buvette‘ etwas zusammen trinken, das macht uns aus. Es geht darum, das Endspiel zu genießen. Ruhe ist ein großes Wort, wenn ich so sehe, was überall los ist. Doch vergleicht man das mit Differdingen, das den Meistertitel vermasselt hat – das muss man so deutlich sagen – dann ist es bei uns definitiv ruhiger. Die Vorfreude ist riesig, das spürt man sehr deutlich. Nichts zu verlieren zu haben ist so eine Sache – Dan Theis sagte einmal, dass man ein Finale nicht spielt, sondern gewinnt. Wir wollen sicher nicht nur Statisten sein, wir wollen Differdingen etwas entgegensetzen und unsere Chancen wittern, um einen taumelnden Boxer umzustoßen.
Es gilt daran zu glauben und das Beste herauszuholen, dann werden wir uns nichts vorwerfen können. Wenn man in einem Finale als Spieler nicht auf Zack ist, dann kann es nur an der Nervosität liegen. Bei mir persönlich hält sie sich in Grenzen, so bin ich einfach. Man muss seine Zweikämpfe führen und gewinnen, spritzig sein und dann kommt der Rest von alleine. Natürlich müssen wir defensiv stabil stehen und dagegenhalten sowie offensiv unsere Chancen sauber ausspielen. Dann können wir Differdingen auch ganz sicher wehtun, was auch unser Ziel ist. Inwiefern das gelingt, werden wir am Freitagabend sehen.“
Bis Donnerstag waren 4.500 Karten über die Theke gegangen, bei der FLF hofft man auf rund 5.000 Zuschauer. FuPa berichtet per Liveticker vom Endspiel, das um 19:30 Uhr im „Stade de Luxembourg“ angepfiffen wird. Das „Orakel von Lintgen“, in Person vom ehemaligen Rosporter und Differdinger Jeff Lascak, sah in seiner Funktion als Coach von Mertert-Wasserbillig am Donnerstag nach dem erfolgreich bestrittenen Relegationsspiel den FC Victoria als Sieger aus dem Finale hervorgehen.