
Auf der Trainerbank des SSV Germania Wuppertal geht es drunter und drüber. Nachdem Biniam Ghebremeskal erst vor knapp sechs Wochen vorgestellt wurde, zieht der Verein noch vor dem letzten Spiel im Kalenderjahr die Reißleine. Im Gespräch mit der der Redaktion von FuPa Niederrhein ließ Ghebremeskal daraufhin kein gutes Wort in Richtung Vorstand und der sportlichen Leitung ab.
Der gewählte Zeitpunkt der Entlassung wirft zweifellos Fragen auf. Nur anderthalb Stunden vor dem gestrigen Trainingsbeginn (12. Dezember, 19:30 Uhr) erhielt Ghebremeskal eine Nachricht auf seiner Mailbox. Der Inhalt der kurzen Mitteilung, die auch der FuPa-Redaktion vorliegt: Abteilungsleiter Stefan Pattberg informierte den Trainer kurz und bündig über seine Freistellung von der Rolle beim SSV.
Demnach sollen einige Stimmen innerhalb der Mannschaft einen Wechsel an der Seitenlinie vehement gefordert haben: "Seit etwas mehr als einer Woche ist von der Mannschaft an mich herangetragen worden, dass man mit der Trainertätigkeit von Biniam nicht zufrieden ist und es dazu führen könnte, dass die Mannschaft zusammenbricht, wenn er die Mannschaft weiter trainiert", verriet Pattberg unserer Redaktion. Laut der vereinseigenen Website habe zuvor ein Gespräch mit Ghebremeskal stattgefunden, dies möchte Pattberg auf Nachfrage dementieren: "Das ist von der Dame, die die Website bearbeitet, falsch verstanden worden."
Ghebremeskal stößt jedoch nicht nur die unkonventionelle Terminierung seiner Tätigkeiten übel auf, auch die Darstellung der Sachlage ist für ihn eine andere. Laut ihm würde es sich lediglich um drei bis vier Spieler handeln, die nach den Siegen gegen den TSV Ronsdorf (3:1) und ASV Mettmann (2:1) etwas außen vor standen: "Da hat mir der Verein nicht den Rücken gestärkt, denn diese unzufriedenen Spieler, oder die, die nicht gespielt haben, beschweren sich", schilderte der 40-Jährige. "Jetzt sind sie eher den Weg gegangen, dass sie die drei, vier unzufriedenen Spieler halten und entlassen stattdessen den Trainer." Grundsätzlich ist für ihn aber auch klar: "Der Mannschaft kann man keinen Vorwurf machen."
Die zuletzt personell dürftig besetzte erste Mannschaft ist der springende Punkt. Als langjähriger Trainer und Spieler am Niederrhein und in Westfalen erhoffte sich der SSV mit seiner Anstellung auch durch sein Netzwerk Unterstützung in der Spielerakquise. FuPa zugetragene Chatverläufen zufolge schob man sich demnach zwischen der sportlichen Leitung, bekleidet durch Dirk Müller, und der Abteilungsleitung die Zuständigkeit für Spielertransfers hin und her.
Ghebremeskal selbst wollte sich auf seine Funktion als Trainer fokussieren, für Transfers sah er sich nicht zuständig. Sein Urteil nach knapp anderthalb Monaten im Verein: "Der Vorstand und sportliche Leiter sind völlig überfordert. Sie sind aus meiner Sicht nicht für diese Funktion geeignet. Sie haben nicht nur kein Netzwerk, sondern sind auch keine Typen, um so ein Amt zu bekleiden." Ein Großteil der Kommunikation habe stets über WhatsApp stattgefunden. Persönliche Gespräche suchte man kaum, was sich zumindest auch durch den Umstand seiner Entlassung bestätigte. Ghebremeskal weiter: "Dann überrascht es auch nicht, dass man da steht, wo man aktuell steht. Perspektivisch geht das Richtung Kreisliga und dort wird man durchgereicht."
Der sportliche Leiter Dirk Müller reagierte bislang noch nicht auf die Anfrage unserer Redaktion, Stefan Pattberg wies die Vorwürfe jedoch entschieden zurück: "Wir sind ein seriöser Verein und ich werde Biniam bei einem persönlichen Treffen alles Gute für seine persönliche und sportliche Zukunft wünschen", versicherte der Abteilungsleiter. "Ich bin seit über 50 Jahren in dem Verein und seit einigen Jahren in der Abteilungsleitung. Wir haben Peter Radojewski (Anm.: Aktueller Trainer in der Oberliga für Ratingen 04/19) für uns gewinnen können und haben vor dieser Saison zwei erfolgreiche Jahre hinter uns gebracht. Also ganz erfolglos und überfordert sehe ich uns nicht."
Zum anspruchsvollen Abstiegskampf der Bezirksliga, Gruppe 2, müssen die Wuppertaler also auch etwaige Unruhen im Verein bewältigen. Mindestens interimsweise übernimmt der vorherige Co-Trainer Damian Schary die Zügel und wird auch schon federführend für das morgige Duell gegen den SuS Haarzopf (14. Dezember, 16 Uhr) an der Seitenlinie stehen.
