
Darmstadt. Sechzehn Spiele hat es gebraucht. Eine ganze Saisonhälfte. Doch am letzten Hinrunden-Spieltag in der Verbandsliga Süd kam Schlusslicht FCA Darmstadt, der es zuvor auf zwei Punkte gebracht hat, zum ersten Sieg. Dadurch liegen die Arheilger nur noch einen Zähler hinter der SG Langstadt/Babenhausen, die erneut verlor. Auch der Negativlauf von RW Darmstadt setzte sich mit der Niederlage bei Kickers Offenbach II fort.
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„Jaaaaa!“ Der Ausruf von FCA-Torwart Kaique Rocha Da Silva, der nach langer Verletzungspause sein Comeback und seinem Team Halt gab, war deutlich zu hören. Schließlich schrie der Keeper nach dem Schlusspfiff seine ganze Freude über den ersten Saisonsieg der Arheilger lautstark heraus. Und dann war es an der Zeit, mit dem Teamkameraden zu feiern – was die Gastgeber taten. Verständlich, denn ausgerechnet im letzten Spiel der Hinrunde hatte es mit dem ersten Dreier geklappt.
„Man darf eine Saisonhälfte nicht ohne Sieg beenden“, sagte Luca Bergemann erleichtert. Und der FCA-Trainer fügte an: „Das tut richtig gut. Die Jungs haben sich endlich für die Leistungen und die Steigerung in den vergangenen Wochen belohnt.“ Der Erfolg gegen den Aufsteiger war jedenfalls verdient. Ob der FCA nun eine Aufholjagd starte? Da lachte Bergemann nur. „Das war nur ein Schritt. Wir haben noch immer großen Rückstand und zuletzt viele Punkte liegenlassen. Aber es ist ein Anfang.“ Beim Schlusslicht genossen sie zumindest den Moment.
Das durften die Arheilger auch, die bereits nach vier Minuten durch Joseph Dipreta in Führung gegangen waren. Und es kam noch besser, als Kapitän Vinicius Miranda De Oliveira (22.) zum 2:0 nachlegte. Der FCA war auf Kurs, hatte weitere Chancen. Eine davon nutzte Keiran Weinstein (68.), um zu erhöhen. Der erste Saisontreffer des US-Amerikaners gefiel vor allem seinem Vater, der aus den USA zu Besuch ist. „Da hat sich doch gelohnt, hier zu sein“, sagte Weinstein Senior, der im Staat New York High-School-Coach einer Fußball-Mannschaft ist. Zumindest hatte er Glück gebracht. Ob er denn jetzt häufiger komme? „Mal schauen“, sagte er und lachte. Wie so viele Arheilger nach dem Spiel. Der Anschlusstreffer durch Achraf Gara Ali (77.) und die Gelb-Rote Karte gegen FCA-Verteidiger Diogo Barbosa Pereira (90.+3) spielten keine Rolle mehr – der erste Dreier des FCA war perfekt.
Max Martin hatte bei seiner Rückkehr nach Walldorf, wo er sechs Jahre Trainer war und die Rot-Weißen in die Hessenliga geführt hatte, viele Hände zu schütteln. Gratulationen waren keine dabei, aufmunternde Worte dagegen schon. Denn der SG-Trainer steckte mit seiner Mannschaft die nächste Niederlage ein und bleibt Vorletzter in der Verbandsliga Süd. Dass für den Aufsteiger in Walldorf nichts heraussprang, hatte vor allem zwei Gründe.
„Wir haben die ersten fünf Minuten verschlafen“, sagte Martin, der zudem personelle Probleme hatte. So kamen die Gastgeber leicht zum 1:0 durch Yannis Severis (5.). Der Rückstand rüttelte die Gäste auf, die fortan besser im Spiel waren und deutlich mehr Ballbesitz hatten. Doch da kam der zweite Faktor zum Tragen. „Wir kommen nicht gefährlich zum Abschluss“, sagte der Coach zur mangelnden Torgefahr seiner Mannschaft vor allem vor der Pause. Dass Langstadt in der zweiten Halbzeit dennoch weiter im Spiel war, lag daran, dass die Rot-Weißen auch beste Torgelegenheiten nicht verwerteten und SG-Torwart Luca Bieber mehrfach glänzend parierte. Zwar boten sich der SG durch Adrian Postall (56./77.) nun auch gute Gelegenheiten. Nur, sie führten zu nichts. So war mit dem 2:0 der Gastgeber durch Joaqiun Fazal (82.) alles klar.
Für die Langstädter war es der nächste Dämpfer, die Ergebnisse nagen am Selbstbewusstsein. „Wir müssen in so ein Spiel einfach mal anders reinkommen. Und wir brauchen vor allem mal ein positives Erlebnis“, sagte Max Martin daher. Zumindest gab es für den Trainer und sein Team gute Wünsche für die nächsten Spiele. Zählbares wäre den Langstädtern sicher lieber gewesen.
Den Rot-Weißen fehlt derzeit das Glück. So steckten die Darmstädter, die aus den vergangenen sechs Spielen nur drei Punkte holten und auf Rang fünf zurückfielen, eine Niederlage in einem Spiel auf Augenhöhe ein, das eigentlich keinen Verlierer verdient hatte. „Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen“, sagte RW-Trainer Dominik Lohrer und fügte an: „Es ist schade, es fehlt zur Leistung aktuell einfach etwas. Das Pendel schlägt nicht in unsere Richtung aus.“
Der Coach der Darmstädter strich dabei zwei Szenen der Begegnung heraus. Nach zehn Minuten hatte sein Team eine Dreifach-Chance, der Ball landete etwa an der Latte, der Nachschuss von Valentin Schweickert wurde auf der Linie geblockt. Auf der Gegenseite spielte sich in der 76. Minute eine ähnliche Szene ab, mit dem Ergebnis, dass der OFC durch Boran Özcelik zum Siegtreffer kam. „Genau diese zwei Situationen haben den Unterschied ausgemacht“, sagte Lohrer und ergänzte mit Blick auf die Misere seiner Mannschaft: „Wir werden uns daraus arbeiten, brauchen einfach mal wieder ein Erfolgserlebnis.“