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Interview

Vizemeister ohne Lohn: FV Eschweiler kritisiert Aufstiegsregel

Sportleiter sieht starke Entwicklung im Team – fordert mehr Klarheit vom Verband

von Jessica-Arantxa Offermann Revès · 04.08.2025, 10:30 Uhr · 0 Leser
– Foto: Julia Sahr

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Nach Platz zwei in der Vorsaison will der FV Eschweiler wieder angreifen. Doch sportlich bleiben Erfolge oft unbelohnt, kritisiert der neue sportliche Leiter – und stellt eine zentrale Forderung an den Verband.

FV Eschweiler: Mit Rückenwind in die Saison – und klarer Kritik am Verband

Mit Platz zwei in der Vorsaison hat der FV Eschweiler in der Kreisliga B sportlich überzeugt. Doch eine sportliche Belohnung blieb aus – der zweite Rang brachte keine Aufstiegschance. Für den neuen sportlichen Leiter ist das ein unhaltbarer Zustand.

„Mit der vergangenen Saison sind wir sehr zufrieden. Wir haben einen starken zweiten Platz erreicht, der sportlich jedoch leider nicht mehr bedeutete als der Titel ‘Vizemeister’“, sagt der sportliche Leiter des FV. Besonders erfreulich sei die Entwicklung in der Rückrunde gewesen: „Wir konnten uns im Vergleich zur Hinrunde nochmals steigern und mehr Punkte holen.“ Auch der Teamgeist habe sich weiterentwickelt – ein Aspekt, auf den man beim FV besonderen Wert legt.

Gelungene Vorbereitung, klares Saisonziel

Seit dem 13. Juli läuft beim FV die Vorbereitung auf die Spielzeit 2025/26. Zwei Testspiele und zwei Vorrundenspiele der Stadtmeisterschaft sind bereits absolviert – und alle erfolgreich: „Unter anderem gegen St. Jöris, einen Gegner aus der höheren Spielklasse“, betont der sportliche Leiter. Auch die Neuzugänge fügten sich „nahtlos in den bestehenden Kader und unsere taktische Ausrichtung ein“. Die Vorbereitung verläuft also nicht nur organisatorisch, sondern auch sportlich nach Plan.

Das Saisonziel ist ambitioniert, aber realistisch: „Wir wollen erneut einen Platz unter den Top 5 in der Liga erreichen.“ Klar sei aber auch, wer als Favorit in die Saison geht: „Der TuS Lammersdorf hat seinen Kader mit mehreren Spielern aus der Landesliga verstärkt und zählt daher zurecht zu den Top-Anwärtern auf den Titel.“

Keine Stars, sondern Mannschaftsleistung

Trotz positiver Entwicklung verzichtet der Verein bewusst auf Einzelhuldigungen: „Bei uns steht immer das Team im Vordergrund – nicht der einzelne Spieler. Für Egoisten ist beim FV kein Platz“, stellt der sportliche Leiter klar. Auch die gezielten personellen Veränderungen unterstreichen diesen Ansatz: „Nach der letzten Saison war uns klar, dass wir keine großen Veränderungen wollten – daher haben wir uns gezielt in der Breite verstärkt."

Auf der Trainerposition gab es jedoch eine bedeutsame Veränderung: „Ich habe meine Tätigkeit als Trainer beendet und die Rolle des sportlichen Leiters übernommen“, so der Interviewte. Neu im Trainerteam ist Sven Freialdenhoven, der nun gemeinsam mit dem erfahrenen Sascha Kupsch das Team betreut.

Klare Kritik an der Ligastruktur

Deutliche Worte findet der FV-Vertreter, wenn es um die sportpolitische Struktur der unteren Ligen geht: „Was aus meiner Sicht dringend überdacht werden sollte, ist die aktuelle Auf- und Abstiegsregelung.“ Die Regelungen seien oft bis kurz vor Saisonende „nicht klar und nachvollziehbar“. Vor allem die fehlende Belohnung sportlicher Leistung stößt auf Unverständnis:

„Ob du am Ende der Saison Zweiter oder Fünfzehnter wirst – sportlich hat das häufig dieselbe Bedeutung“, kritisiert der sportliche Leiter. „Spielst du eine starke Saison und wirst Vizemeister, wird das nicht belohnt. Gleichzeitig kannst du eine schwache Saison spielen, kurz vor dem Abstieg stehen – und dennoch am letzten Spieltag die Klasse halten. Für mich ist das nicht nachvollziehbar.“

Die aktuelle Entwicklung sieht er kritisch: „Der Verband legt offenbar mehr Wert darauf, möglichst wenige Teams absteigen zu lassen, anstatt Aufstiege konsequent zu fördern. Der sportliche Wettbewerbsgedanke gerät dabei völlig aus dem Blick.“ Eine klare Forderung also an die Verantwortlichen, den Amateurfußball wieder leistungsgerechter zu gestalten.

Der FV Eschweiler geht mit viel Selbstbewusstsein, klarem Teamfokus und kritischer Haltung in die neue Saison.