2024-07-12T13:30:11.727Z

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Häufig von Verletzungen gebremst: Wormate Vincenzo Bilotta (rechts) wird von Gimbsheims Kevin Siebert (Nummer 18) und dessen Teamkollegen Nico Scherer gestellt.	Foto: Chr. Dirigo/pakalski-press
Häufig von Verletzungen gebremst: Wormate Vincenzo Bilotta (rechts) wird von Gimbsheims Kevin Siebert (Nummer 18) und dessen Teamkollegen Nico Scherer gestellt. Foto: Chr. Dirigo/pakalski-press

Vincenzo Bilotta hängt Fußballschuhe an den Nagel

28-Jähriger zieht einen Schlussstrich unter seine Karriere +++ Pokal-Highlight im Jahr 2018

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Worms/Waldalgesheim. Er war jemand, dem der Ball blind zu gehorchen schien. Der als begnadeter Techniker mit seinen Dribblings den Gegnern Knoten in die Beine spielen konnte und vor allem als Vorbereiter in Erscheinung trat. Der nie ein Lautsprecher war. Dazu vor allem in der jüngeren Vergangenheit aber jemand, dem der eigene Körper und die anhaltenden Rückenprobleme immer öfter einen Strich durch die Rechnung machten. Vincenzo Bilotta hat seine Entscheidung getroffen. Mit gerade einmal 28 Jahren ist für ihn Schluss mit Fußball.

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Karriereende hinausgezögert

Endgültig? „Ich höre komplett auf. Mit drei kleinen Kindern und der Bandscheibe macht es keinen Sinn mehr.“ Schon vor einem Jahr habe er die Schuhe an den Nagel hängen wollen. Nach dem freiwilligen Abschied nach sieben Jahren bei Alemannia Waldalgesheim folgte er dann aber dem Ruf von Konstantin Sawin, dem langjährigem Weggefährten bei den Grün-Weißen, und wollte noch ein Jahr als erfahrener Unterstützer bei der U21 von Wormatia Worms dranhängen. Mehr als ein paar Teileinsätze ließ die Gesundheit aber nicht zu. Also lieber Schluss machen. „Erstmal bin ich in der Familie Trainer meiner U3“. Vini grinst. Die Zeit mit der Familie genießt er.

In der Jugend des TSV Schott großgeworden, startete er auch seine Karriere bei den Aktiven bei den Mainzern, kam auf 60 Partien, meistens auf der Sechs oder als Rechtsverteidiger. Im Sommer 2016 dann der Wechsel an die Waldalgesheimer Waldstraße. Mit Daniel Braun und Jan Förstel traf er hier Bekannte aus Jugendzeiten wieder, die ihm das Ankommen leicht machten. Auch Marcel Fennel habe als Kapitän eine positive Rolle gespielt, ihn von Beginn an respektvoll behandelt. „Eigentlich war geplant, dass ich nach einem Jahr zu Schott zurückgehe, aber bei der Alemannia hat für mich von Anfang an alles gepasst“, erzählt Bilotta. Entsprechend schwer sei es ihm gefallen, dort im Sommer 2023 Abschied zu nehmen.

Hochachtung von und für Trainer Aydin Ay

Mehr als vier Jahre lang war Aydin Ay sein Trainer. Mit dem heutigen Sportlicher Leiter bei der Wormatia verband ihn gegenseitige Hochachtung. „Er war der Beste, der mich trainiert hat“, sagt Bilotta. Umgekehrt schüttet auch der 41-Jährige ehrlich gemeinte Lobeshymnen aus. „Vini ist einer der ganz wenigen Spieler, die definitiv in besonderer Erinnerung bleiben. Ich hätte Eintritt gezahlt, um ihn spielen zu sehen. Das war nämlich Extraklasse“, sagt Ay. Auch als Mensch sei er einer gewesen, der sich nicht wegduckte. „Er musste aber nicht schreien, sondern war durch seine Spielart auf dem Platz laut. Er hat den Jungs extreme Sicherheit gegeben.“ Ein phantastischer Fußballer mit hoher Spielintelligenz und der Fähigkeit, einem Spiel den Takt vorgeben zu können. Dazu nicht nur für Ay „ein toller Mensch“. Die Freude, die Vini am Fußball hatte, war seinem Spiel auch anzusehen.

Auf der Sechs begann die Karriere, später wurde die Zehn die Lieblingsposition. Hier konnte Bilotta seine kreativen Fähigkeiten am besten ein- und die Mitspieler in Szene setzen. Ein Spiel, an das er ewig denken wird, ist das Halbfinale im Südwestpokal im März 2018 beim TSV Gau-Odernheim. Sein Tor kurz vor Schluss der regulären Spielzeit zum 1:0 bedeutete den Einzug ins Endspiel gegen die Wormatia. Zwei Jahre später stand die Alemannia erneut im Finale. „Damals gegen Lautern spielen zu können, war echt genial“, sagt Bilotta. Dass beide Finals nach Verlängerung beziehungsweise Elfmeterschießen verloren gingen, war unglücklich. Allein –auch das passt zum gebürtigen Italiener, der in Rheinhessen aufgewachsen ist und längst die deutsche Staatsbürgerschaft hat- die schönsten Erinnerungen verbindet er an die Gemeinschaft, an die Partien und das Hinterher bei der Alemannia. Bereitwillig gibt er zu, „dass ich das schon vermisse.“

Der schwerste Gegenspieler kam denn auch aus den eigenen Reihen. „Brauni (Daniel Braun, die Red.) ist einfach eine Maschine gegen den Ball, Chiellini-like. Respekt!“ sagt er über den aktuellen Alemannia-Kapitän. Einen Lieblingsspieler hat er nicht, einen Profiverein, dem er bedingungslos folgen würde, auch nicht. Höchstens Juventus Turin. Bei Juve war er jedenfalls auch schon im Stadion.

Schwerster Gegenspieler in den eigenen Reihen

Vincenzo Bilotta blickt realistisch auf den Fußball und das Leben. Er weiß, dass es verschiedene Phasen gibt. Sollte sein Weg doch zurück auf den Platz führen? „Timo Riemer hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei ihm in Kirchheimbolanden zu kicken...“, sagt Vini und schränkt sofort ein: „Aktuell sehe ich mich nirgends.“ Als Familienmensch steckt er die neu gewonnene Zeit lieber in das vor nicht allzu langer Zeit gekaufte Haus in Flonheim.



Aufrufe: 09.7.2024, 08:00 Uhr
Jochen WernerAutor