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Allgemeines

Vier Gründe für den Abstieg der Sportfreunde Baumberg II

Die Chance über die Relegation konnte die Reserve der Sportfreunde Baumberg nicht nutzen. Nächste Saison geht es in der Kreisliga A weiter.

von RP / Tobias Brücker · 14.06.2024, 16:00 Uhr · 0 Leser
Die Sportfreunde Baumberg II haben den Klassenerhalt verpasst.
Die Sportfreunde Baumberg II haben den Klassenerhalt verpasst. – Foto: wilhelm gundlach

Analyse Den Abstieg ihrer zweiten Mannschaft aus der Bezirksliga wollten die Sportfreunde Baumberg unbedingt verhindern. Es klappte nicht, in den beiden Relegationsduellen gegen den TSV Ronsdorf zog das Team von Trainer Daniel Errens den Kürzeren.

Die Sportfreunde Baumberg II sind aus der Bezirksliga abgestiegen und starten in der kommenden Saison erstmals seit 2017 wieder in der Kreisliga A. Der Verein hatte den Abstieg seiner Reserve nach Bekunden von Trainer Daniel Errens stets vermeiden wollen, um auch Spielern der Erstauswahl nach gerade überstandenen Verletzungen Spielpraxis auf recht hohem fußballerischem Niveau zu ermöglichen. Allerdings hatte sich der Gang in Richtung Kreisliga in den vergangenen Spielzeiten bereits abgezeichnet. Vier mögliche Gründe, warum der Klassenerhalt nach einigen erfolgreichen Versuchen diesmal nicht gelang.

Unkonzentriertheit

Es passiert auch Sportlern auf dem höchsten Niveau: Trotz professioneller Vorbereitung, Mental-Coach und besten Voraussetzungen macht der Geist nach langen anstrengenden Phasen nicht zu jedem Zeitpunkt mit. Doch die Mannschaft der SFB II leistete sich nahezu im Kollektiv über die ganze Spielzeit hinweg merkwürdig oft ihre Auszeiten. Zumeist lagen diese in den Minuten nach Anpfiff der Duelle oder kurz nach Wiederanpfiff zur zweiten Spielhälfte.

Inklusive der beiden Relegationsspiele gegen den TSV Ronsdorf entfiel von insgesamt 85 Gegentoren fast die Hälfte auf diesen Bereich: 31 Tore erzielten die Gegner in den ersten 15 bis 20 Minuten der Halbzeiten, einige Treffer davon fielen gar in den ersten zehn Minuten des Spiels. Errens haderte häufig mit der fahrigen Einstellung seiner Akteure, betonte, er spräche wieder und wieder die Schläfrigkeit in den Anfangsphasen an – abgestellt bekamen es seine Spieler nie. Nun sind die freilich Amateure mit einem Privatleben und anderen Verpflichtungen, die sich auf ihre Fokussierung ausgewirkt haben könnten.

Verstärkung

Eigentlich ist es für eine Zweitvertretung eine Art doppelter Boden, wenn sie eine so starke Mannschaft über sich weiß, wie die des Oberliga-Meisters Sportfreunde in dieser Saison. In engen Situationen können ein, zwei, drei Spieler schließlich mit ihrer sportlichen Klasse den Karren bei der Reserve aus dem Dreck ziehen. Doch ist diese Hilfe wohl mit dem einen oder anderen Fallstrick verbunden. Denn nicht jeder Spieler, der sich gern in der Oberliga beweisen möchte, hat Lust, an einem Sonntag gegen Gräfrath, Ronsdorf oder Dabringhausen anzutreten.

Laut Errens war die kurzfristige Verstärkung stets motiviert, und es sei nicht einfach, zwischen Meisterschafts- und Abstiegskampf zu pendeln. Doch was macht die Verstärkung mit dem eigentlich gefestigten Mannschaftsgefüge der „Zweiten“? Und können sich in den wenigen gemeinsamen Spielen automatisierte Abläufe entwickeln? Im Angriff fehlte bei den SFB II jedenfalls häufig der letzte Pass – vielleicht ein Zeichen für fehlendes Verständnis.

Blauäugigkeit

Obwohl seine Elf tabellarisch zumeist nicht gut dastand, verbreitete Errens über die gesamte Saison hinweg eine positive Stimmung. Er wähnte seine Auswahl nahezu immerin einer guten Position, die sie sich erarbeitet habe. In der Tat war das rettende Ufer nie weit entfernt, die Untiefen der roten Zone waren es aber ebenfalls nicht, und oft genug stand Baumberg genau da: auf einem Abstiegsplatz. An 20 von 34 -Spieltagen, um genau zu sein. Es reichte nie mehr als zu einem Vorsprung von drei Punkten. Das war am zweiten Spieltag sowie nach 30 Partien am 32. Spieltag.

Vielleicht wollte Errens den Druck von den Spielern nehmen, indem er stets betonte, es sei alles im grünen Bereich, vielleicht war er sich des Ernstes der sportlichen Lage aber auch nicht gänzlich bewusst. Zur fairen Betrachtung gehört jedoch auch, dass seine SFB II in den letzten zwei Duellen der Spielzeit tatsächlich Matchbälle zum Klassenerhalt hatten. Dass sie diese nicht verwandeln konnten, sollte nach dieser Saisonbilanz jedoch leider niemanden so richtig überraschen.

Trainer

Dieser letzte Grund soll keine Kritik an Errens sein. Er verhielt sich auch bei kritischen Nachfragen stets überaus freundlich. Vielmehr geht es um die vor den letzten Spielen öffentlich gewordene Trennung vom Verein, die aufgrund sportlicher Differenzen über die zukünftige Ausrichtung der „Zweiten“ zustande kam. Errens und sein Team hatten demnach höhere Ambitionen, wie er beschrieb. Doch so eine Nachricht mitten im Abstiegskampf kann zumindest nicht für mehr Ruhe in der Mannschaft gesorgt haben, die sich theoretisch gegenüber ihrem Übungsleiter nicht mehr beweisen musste. Ob Errens das Team letztlich nicht mehr emotional berühren und motivieren konnte, wissen nur die Akteure selbst. Dennoch bleibt es wohl eines der Puzzleteile, die den Abstieg mit verursachten.