Victoria Frenser - die FuPa-Moderatorin!

Victoria Frenser darf auf keiner Sportveranstaltung in Ostwestfalen fehlen. Die 25-jährige Moderatorin sieht nicht nur gut aus, sondern kann auch reden – gefühlt ohne Punkt und Komma.

Ob nun schweißgebadete Körper aufeinanderprallen, der Benzingeruch in der Luft liegt oder 22 Typen einem Ball hinterherjagen – sie ist immer mittendrin: Victoria Frenser. Die 25-jährige Moderatorin verleiht Testosteron-Sportarten wie Boxen, Motorsport oder Fußball die besondere weibliche Nuance. Mehr als 4.000 Follower verehren die gebürtige Lintelerin bei Instagram. Ostwestfalenweit gilt sie ohnehin als „schönste Seite der Sportberichterstattung“. Dass der Berufsquasselstrippe dieser Erfolg aber nicht einfach vor die Füße gefallen ist, zeigt sie „ganz nebenbei“ im FuPa-Interview – standesgemäß ohne Punkt und Komma. Kostprobe gefällig? „Also mir wurde immer gesagt: Du sollst mit 20 Jahren den Lebenslauf einer 30-Jährigen haben. Ich glaube, das habe ich ganz gut hinbekommen. Na ja, wenn ich genau überlege Ja, doch. Das passt. Und nebenbei… “

Ihre beste Aussagen:

Speditionskauffrau? Zu langweilig.

Mit 17 Jahren habe ich Lintel verlassen und bin nach Hamburg gegangen, um eine Ausbildung als Speditionskauffrau bei Kühne und Nagel zu beginnen. Aber so als junges Küken ganz allein hatte ich dann doch schnell Heimweh und wollte zurück. Außerdem hat mir die Ausbildung keinen Spaß gemacht, die war echt öde. Dennoch habe ich sie dann in Bielefeld abgeschlossen. Nebenbei habe ich bei einer Medienfirma gearbeitet und Imagefilme in Köln verkauft. Eigentlich sollte ich die Dinger nur auf Messen bewerben, habe dann der Sales-Leiterin aber schnell klargemacht: Hey, ich kann die auch an den Mann bringen. Kurze Zeit später habe ich erste Kunden gewonnen, die Verträge von bis zu 20.000 Euro abgeschlossen haben.

Sie sollte Marco Huck rausschmeißen

Erste Berührungspunkte mit Sport hatte ich dann durch einen weiteren Nebenjob bei Arminia Bielefeld. Dort war ich Teil des Ordnungsdienstes für den VIP-Bereich in der Schüco-Arena. Da war ich so circa 18 oder 19 Jahre. Ich übernahm sogar einen Posten im Leitungsteam und organisierte die Sicherheit. Unvergessen blieb mir die Begegnung mit Boxer Marco Huck. Der hatte damals eine Hostess sexuell belästigt und sollte rausgeschmissen werden. Ich sollte den Job übernehmen! Ich dachte mir nur: Ich? Die kleine Vici? Ich glaube nicht, dass Käpt’n Huck mich ernstgenommen hätte. Glücklicherweise war Huck bereits freiwillig gegangen. Auch wenn ich leidenschaftliche Boxerin bin und zeitweise im selben Gym wie der Marco trainiert hatte, wollte ich da mein Glück doch nicht überstrapazieren.

11.000 Euro Stipendium macht’s möglich

Durch die Kontakte bei Arminia Bielefeld lernte ich Stadionsprecher Sebastian Wiese kennen, der ja auch bei Radio Bielefeld tätig war. Er gab mir den Tipp, mich doch einfach mal beim Radio zu bewerben. Kurze Zeit später habe ich dort auch ein Praktikum absolviert. Anschließend war für mich klar, dass ich klassischerweise „irgendwas mit Medien“ machen wollte. Das war vielleicht aber auch einfach der Zeitgeist. Ich entschloss mich also für ein Studium im Bereich Medienkommunikation und Journalismus in Köln. Da das an der FHM gefühlt unbezahlbar ist, habe ich mich für ein Stipendium beworben – und es auch bekommen. Die 11.000 Euro waren ganz nice. Und mittlerweile sollte es ja klar sein: Natürlich habe ich wieder nebenbei noch hier und da was gemacht, so auch in Köln, wo ich erste kleinere Moderationen für eine Medienbude übernommen hatte.

Von RTL Extra bis Ravenol-Motorsport

Während meines Studiums habe ich eine praktische Phase bei RTL in Köln absolviert. Dort war ich bei Extra und habe mir wirklich buchstäblich den A… aufgerissen. Ich wollte einen eigenen Beitrag produzieren. Normalerweise ist es so, dass Du als Praktikant eigentlich keine Screentime bekommst. Doch ich habe es geschafft. Als ein Kollege ausfiel, habe ich mir das Kamerateam geschnappt und den Beitrag als produzierende Redakteurin übernommen. Er wurde am Ende auch gesendet. Ein echter 20-Minüter mit Werbeblock. Das war bis dato einzigartig für eine Praktikantin. Anschließend wurde mir auch ein Jobangebot gemacht, das ich aber abgelehnt habe. Stattdessen zog’s mich wieder nach Bielefeld, wo ich an einem Casting bei Hirschmeier Media für Ravenol (Motoröl-Hersteller) teilnahm. Da habe ich einfach in ein Mikro gesprochen, wurde gefilmt und anschließend haben die Jungs das Ding auf einen Stick gezogen. Dann hieß es auf einmal: Du warst die Beste, Du hast den Job. Und so kam ich zum Motorsport.

Interview mit Mick Schumacher

Weil sich Ravenol im Motorsport als Lifestyle Marke etablieren wollte, hatte ich zahlreiche Jobs. Ich konnte erstmals richtig vom „Moderieren“ leben. Zeitweise waren wir fast bei allen Rennen wie Audi TT-Cup, GT Masters, TCR oder Formel 3 und Formel 4. Ein Highlight war, als Mick Schumacher 2018 den Formel-3-Titel holte, und ich ihn interviewen durfte. Das war etwas völlig anderes als alle anderen bisherigen Interviews. Mick war immer bestens behütet und ein sehr ruhiger Zeitgenosse. Er war auch der einzige Fahrer, der eine Managerin bei sich hatte. Sobald man auch nur ansatzweise eine persönliche Frage stellen wollte, oder irgendwas in Richtung Michael Schumacher, war das Gespräch sofort beendet. Selbst im kompletten Fahrerlager oder auch bei allen Motorsport-Experten wusste niemand, wie es Michael Schumacher geht. Natürlich wollte man diese Frage immer stellen, aber ich kann verstehen, dass man das dem Jungen ersparen will.

Zwischen Radiotante und Ringsprecherin

Nebenbei – also wie immer – habe ich dann auch die Möglichkeit erhalten, bei Radio Bielefeld vertretungsweise die Morning-Show zu moderieren. So um vier Uhr aufstehen lag mir zwar nicht, aber der Spaß an der Arbeit hat das wettgemacht. Mein Tagesablauf war dann meist wie folgt: Von fünf bis zehn Radio Bielefeld. Nachmittags zur Uni. Und abends noch auf einen Dreh bis 1:00 Uhr nachts. Soll mal einer behaupten, Moderieren wäre kein Job? Am Wochenende habe ich darüber hinaus noch in einer Osnabrücker Diskothek als Kellnerin für den VIP-Bereich gearbeitet. Ein Türsteher hatte mich dort angequatscht und meinte, dass er sich eine Victoria Frenser auch gut als Nummern-Girl beim Boxen vorstellen könne. Da meinte ich dann: Weißt Du was? Als Ringsprecherin wäre ich noch viel besser. Einen Monat später habe ich erstmals durch eine Box-Nacht geführt. Das war schon eine Art Klischee-Bruch. Sonst halten Mädels dort nur die Nummern hoch oder unterhalten Männer auf optische Weise – und jetzt sagte plötzlich eine Frau die Kämpfer an.

Frontfrau beim größten Amateurfußball-Portal

Nach Motorsport und Boxen fehlte ja eigentlich nur noch Fußball. Und dann kam die Anfrage von FuPa Ostwestfalen, dem größten Online-Portal für Amateurfußball in der Region. Ich sollte künftig die FuPa-Live-Events von Pokalspielen oder Turnieren in den Sozialen Netzwerken moderieren. Damit war das Macho-Triple perfekt. Fortan war ich für die Jungs von FuPa unterwegs. Eine junge, dynamische Truppe, die mit bescheidenen Mitteln ein großes Rahmenprogramm für Amateure auf die Beine stellt. Und mittendrin wieder einmal die Vici.

Ich hatte von Fußball ja so überhaupt keine Ahnung. Beim Vorstellungsgespräch konnte ich zwar die Abseitsregel perfekt erklären – selbst verstanden habe ich sie aber nie. Ich musste aber feststellen, dass gerade das, also dieses gewisse Halbwissen, vielleicht auch die Fragestellungen bei Interviews so spannend machte. Eine neue Erfahrung war allerdings, dass viele Fußballer gar nicht mit einem reden wollten. Das ist in anderen Sportarten anders. Aber wenn Du in der Halbzeit-Show von FuPa Ostwestfalen bei Liegestütz-Challenges oder Bier-Wetttrinken antrittst, dann gewinnst Du auch das Vertrauen und den Respekt des letzten Bolzers.

Außerdem hat sich Vici auf eine ganz besondere Art und Weise im Bereich Fußball fortgebildet. "Mein neuer Freund, Can Moussa, spielt bei SC Wiedenbrück II in der Bezirksliga", sagt sie und lacht.

3902 Aufrufe25.4.2020, 07:00 Uhr
Marcel GrabbeAutor

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