2026-03-13T07:45:35.464Z

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VfR Warbeyen – jetzt spricht Ex-Trainer Sandro Scuderi

Nach sieben Jahren beim VfR Warbeyen zieht Sandro Scuderi erstmals eine persönliche Bilanz. Der langjährige Trainer äußert sich zu großen Erfolgen, enormen Belastungen – und seiner Zukunft im Fußball.

von RP / Nils Hendricks · Heute, 10:00 Uhr · 0 Leser
Sandro Scuderi spricht über seine Gefühlslage und seine Pläne für die Zukunft.
Sandro Scuderi spricht über seine Gefühlslage und seine Pläne für die Zukunft. – Foto: Pascal Derks

Sieben Jahre lang stand Sandro Scuderi bei den Frauen des VfR Warbeyen an der Seitenlinie. In dieser Zeit führte er das Team von der Niederrheinliga bis in die Zweite Bundesliga und gewann dreimal den Niederrheinpokal. In der zweithöchsten Spielklasse blieben die Erfolge jedoch aus. Seit dem vierten Spieltag steht der VfR Warbeyen durchgehend auf dem letzten Tabellenplatz. Am 2. März, rund eine Woche nach der 1:6-Niederlage im Kellerduell beim FC Bayern München II, gab der Verein die Trennung von seinem langjährigen Coach bekannt. Jetzt zieht Sandro Scuderi erstmals eine persönliche Bilanz. Welche Erinnerungen bleiben – und warum entschied er sich bereits vor einigen Wochen, im Sommer aufzuhören?

Herr Scuderi, sieben Jahre lang hat der Fußball Ihren Alltag bestimmt. Wie fühlt es sich an, wenn das plötzlich wegfällt?

Sandro Scuderi Es ist wirklich ein komisches Gefühl – das muss ich ehrlich sagen. In den letzten Tagen habe ich mich oft dabei erwischt, wie ich während der Arbeit auf die Uhr geschaut habe, um noch den Nachmittag und Abend auf dem Fußballplatz durchzuplanen. Natürlich vermisst man die Spielerinnen, wenn man so lange praktisch jeden Tag mit ihnen gearbeitet hat. Die Zeit mit der Familie ist da eine schöne Ablenkung.

Wenn Sie auf die Zeit beim VfR Warbeyen zurückblicken – welche Gedanken gehen Ihnen dabei durch den Kopf?

Scuderi Ich habe mir in einer ruhigen Minute mal notiert, was in den vergangenen sieben Jahren alles passiert ist. Es war von der ersten Sekunde an eine Erfolgsgeschichte. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir 2020 alle bei mir im Garten saßen und zitternd auf die Nachricht aus Duisburg gewartet haben, ob wir über die Quotienten-Regelung in die Regionalliga aufsteigen. Natürlich hatten wir den großen Traum von der Zweiten Bundesliga, aber wir mussten uns erst einmal in dieser Spielklasse zurechtfinden. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir uns unter all den starken Mannschaften, die dort spielen, Jahr für Jahr verbessern konnten. Parallel haben wir im Niederrhein- und DFB-Pokal tolle Glücksmomente erleben dürfen. Ich bin froh, dass das mit vielen Fotos und Videos dokumentiert wurde. Die kann ich in ein paar Jahren mal rauskramen und sagen: ‚Mein Gott, war das eine schöne Zeit!’

Und doch haben Sie sich bereits vor einigen Wochen dazu entschieden, ihr Engagement beim VfR Warbeyen im Sommer zu beenden. Was hat Sie dazu bewogen?

Scuderi Man muss es einfach so sagen: Für jemanden, der wie ich Vollzeit arbeitet, ist ein Trainerjob in der Zweiten Bundesliga wirklich ein Husarenritt. Mit den Trainingseinheiten, den Spielerinnengesprächen, den Analysen vor und nach den Spielen und natürlich den weiten Auswärtsfahrten war das wie ein zweiter Vollzeitjob. Hinzu kam die Problematik mit den Trainingsplätzen. Wir wurden teils von Hü nach Hott geschickt. Es ist nicht die Sache eines Trainers, tagsüber abzuklären, wo abends trainiert wird. Ich bin mir nicht sicher, ob die Stadt Kleve alles gegeben hat, um uns diese Probleme zu nehmen. Ich war 24/7 auf den Verein fokussiert. Das hat mich viele Körner gekostet. Meine Frau und meine Kinder waren immer dabei, haben mitgefiebert und mir den Rücken freigehalten. Dafür bin ich sehr dankbar.

Welche Lehren ziehen Sie aus der Saison in der Zweiten Bundesliga? Und gibt es Entscheidungen, die Sie im Rückblick anders treffen würden?

Scuderi Meine Prognose, dass es in der Zweiten Liga mehr auf die Physis ankommt, hat sich schnell bestätigt. Vielleicht hätten wir daher früher weniger Wert auf spielerische Elemente legen sollen. In den Spielen, die wir verloren haben, hat sich meist die Physis durchgesetzt. Es lag in der Regel nicht daran, dass wir den schlechteren Fußball gespielt haben. Hinzu kommt die fehlende Zweitliga-Erfahrung im Kader. Im zweiten Jahr hätten wir mit der Truppe gewiss mehr Punkte geholt.

Wie planen Sie Ihre sportliche Zukunft? Wird man Sie bald wieder auf dem Fußballplatz sehen?

Scuderi Ich werde nichts übers Knie brechen, aber wenn man mich mit einer reizvollen Philosophie und mit ambitioniertem Denken packt, kann es sehr schnell gehen. Es gab bereits einige Angebote von ambitionierten Mannschaften im Männer- und Frauen-Bereich. Auch eine Beschäftigung als Individualtrainer im Jugendbereich kann ich mir gut vorstellen. Das Gesamtpaket muss stimmen. Ich freue mich auf viele weitere Gespräche und Telefonate. In den nächsten Wochen will ich aber auch ein bisschen Abstand gewinnen, die Zeit anders nutzen und neue Kraft schöpfen. Ich werde mich da nicht unter Druck setzen.