
Am Sonntag bekommt es der VfR Warbeyen mit einem der wohl schillerndsten Namen im deutschen und europäischen Frauenfußball der vergangenen Jahrzehnte zu tun: Am zehnten Spieltag der Zweiten Bundesliga ist der 1. FFC Turbine Potsdam um 14 Uhr im Klever Bresserberg-Stadion zu Gast.
Zwischen 2004 und 2012 holte der Verein aus der brandenburgischen Landeshauptstadt insgesamt sechs Mal die Deutsche Meisterschaft. In den Jahren 2005 und 2010 setzte sich der 1. FFC auch auf europäischer Bühne in der UEFA Women’s Champions League die Krone auf. Große Persönlichkeiten des deutschen Frauenfußballs, darunter Nadine Angerer, Svenja Huth und Anja Mittag, trugen einst das Potsdamer Trikot.
Im Jahr 2025 sieht es für den Traditionsverein, der vor der Wiedervereinigung sechsmal DDR-Meister wurde, deutlich trister aus. Der Glanz alter Tage ist verflogen. Mit nur einem Punkt aus 22 Spielen verabschiedeten sich die „Turbinen“ nur ein Jahr nach dem Wiederaufstieg wieder aus der Bundesliga. Und auch in Liga zwei läuft es bisher nicht rund. Nach neun Spielen steht der Bundesliga-Absteiger mit nur acht Punkten auf dem drittletzten Platz.
Der Saisonstart verlief mit Siegen gegen den FC Ingolstadt und die SG Andernach (jeweils 2:0) noch vielversprechend. Gegen Aufsteiger Mainz 05 (2:2) und den SV Meppen (1:1) reichte es immerhin zu Punkteteilungen. Insgesamt stellte sich bei den Potsdamerinnen jedoch schnell Ernüchterung ein.
Gerade mit Blick auf die Tabellensituation bringt das Duell mit dem Zweitliga-Aufsteiger aus Warbeyen eine gehörige Portion Brisanz mit sich. Der VfR steht bekanntermaßen seit dem vierten Spieltag auf dem letzten Platz und wartet weiterhin auf seinen ersten Saisonsieg.
Vor heimischem Publikum am Bresserberg deutete der Aufsteiger jedoch bereits mehrfach an, dass ein Erfolgserlebnis im Rahmen des Möglichen ist – zuletzt beim 1:1 gegen den Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach.
VfR-Trainer Sandro Scuderi ist bereits voller Vorfreude auf das Kräftemessen am Sonntagnachmittag mit dem ehemaligen Deutschen Meister.
„Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass der VfR Warbeyen gegen Turbine Potsdam spielt, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt“, sagt der Warbeyener Coach. Scuderi macht jedoch auch keinen Hehl daraus, dass er das Kellerduell als große Chance betrachtet.
„Allein vom Tabellenstand her werden wir vermutlich absoluten Abstiegskampf erleben. Das wird mit Sicherheit nicht schön aussehen, aber das muss es auch nicht. Es geht um Punkte – das müssen wir verinnerlichen“, sagt Scuderi.
Der Warbeyener Trainer zählt darauf, dass seine Schützlinge ein ähnliches Bild abgeben, wie in den vergangenen Heimspielen. Scuderi sagt: „Wenn wir das schaffen, haben wir eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen und ein bisschen Siegesluft zu schnuppern. Es wäre für uns enorm wichtig, dieses Gefühl mal zu spüren. Das kann ein Türöffner sein.“
Ein Heimsieg würde dem VfR Warbeyen die Saisonpunkte vier, fünf und sechs bescheren. Abhängig von den Ergebnissen der Konkurrenz könnte man sich dem rettenden Ufer auf maximal vier Zähler nähern – ein möglicher Hoffnungsschimmer im Abstiegskampf.