Der neue Winterrasen in Ihringen. | Foto: Joshua Kocher
Der neue Winterrasen in Ihringen. | Foto: Joshua Kocher

Warum Clubs auf Winterrasen statt auf Kunstrasen setzen

VfR Ihringen hat einen neuen Platz eingeweiht - und folgt damit dem Beispiel anderer Clubs aus dem Bezirk

Winterzeit ist Hartplatzzeit und in vielen Vereinen der Grund für eine niedrige Trainingsbeteiligung und blutige Knie in den kalten Monaten. Wer Geld hat, setzt schon länger auf die Variante Kunstrasen. Gerade haben die SF Eintracht Freiburg gar ihren zweiten Kunststoffplatz eingeweiht. Doch nicht für jeden Verein ist diese Variante umsetzbar - es gibt aber eine Alternative.
Für Vereine, die nicht auf Unterstützung durch die Kommune oder Großsponsoren setzen können, wird ein solches Projekt trotz Unterstützung durch den Badischen Sportbund häufig zur Mammutaufgabe. Finanzierungs- und Instandhaltungskosten treiben die Vereinskassen nicht selten an die finanzielle Schmerzgrenze. Auf dem Hartplatz hingegen möchte fast niemand mehr Fußball spielen und so wird ein Kunstrasen bei der Auswahl eines potenziellen Vereins nicht selten zum ausschlaggebenden Kriterium. Spielerflucht und hohe Anmeldezahlen in Vereinen mit Kunststoffplatz sind die Folge – ein Dilemma für viele kleinere Vereine.

Mit dem Kreisligisten VfR Ihringen hat nun bereits der fünfte Verein im Bezirk Freiburg einen sogenannten Winterrasen bekommen. Also einen Rasenplatz, der auch in der kalten Jahreszeit bespielbar ist. Vorreiter sind die Vereine aus Grißheim, Vörstetten, Bollschweil und Weisweil, die ihre Plätze zwischen 2015 und 2016 einweihen und bereits ihre ersten Winter auf dem Platz spielen konnten.

„Es ist wahnsinnig, was der Platz alles wegsteckt“, sagt Friedrich Heidt, Vorsitzender des FC Weisweil. Selbst die stärksten Regenfälle schlucke der neugestaltete sandige Untergrund einfach und bleibe bei Wind und Wetter bespielbar. Hauptgrund für die Entscheidung, aus dem alten Hartplatz einen Rasenplatz zu machen, war auch in Weisweil die knappe Vereinskasse. Zudem habe der Umweltgedanke bei den Überlegungen reingespielt. „Wer entsorgt uns denn in zehn bis 12 Jahren noch einen alten Kunstrasen?“, fragt Heidt. Die einzigen Nachteile seien, dass der Platz bis zu vier Mal im Jahr gedüngt und extrem häufig bewässert werden müsse. Dafür wurde in Weisweil sogar ein eigener Tiefbrunnen gebohrt. Dennoch sei der Verein im Großen und Ganzen zufrieden. Vor allem die Spieler und Trainer sind mit ganzjährigem Rasentraining glücklich. Ab und zu wurde auch im Sommer auf dem neuen Grün gespielt, sagt Heidt.

Die Firma Lieblang, welche für einen Großteil der Winterrasenplätze in der Region zuständig ist, sitzt in Mannheim und hat sich darauf spezialisiert, alte Hartplätze zu wetterresistenten Winterrasen umzugestalten. Besonders groß sei das Interesse in der regenreichen Region um Köln, Duisburg und Münster, sagt Bernhard Fischer, Ansprechpartner und Winterrasenspezialist der Firma. Dort habe man schon seit 15 Jahren bis zu 40 Plätze umgebaut. Zu Grunde liegt eine Methode, die vom Ingenieurbüro Mehnert aus Mindelheim im Allgäu entwickelt wurde. Ein Gutachten durch das Büro, welches sich auch um das Grün in der Münchner Allianz-Arena sowie in Leverkusen und Leipzig kümmert, ist für Bernhard Fischer unabdinglich, bevor er einen Hartplatz zum Winterrasen umgestaltet.

Grundsätzlich sei eine solche Maßnahme überall denkbar, doch vorher braucht es eine positive Umbauempfehlung durch das Büro von Clemens Mehnert. Dann erst beginnt Fischers Firma mit den eigentlichen Arbeiten. Auf den roten Hartplatz wird nicht einfach Sand oder Erde geschüttet, sondern je nach Fall in einem bestimmten Mischverhältnis der alte „Tennenplatz“ mit einer speziellen Sandmasse so vermischt, dass eine homogene anorganische Grundlage entsteht, auf der am Ende Gras wachsen soll. Nach den Umbaumaßnahmen zeichne sich der Boden vor allem durch seine extreme Saugfähigkeit bei Regenfällen aus. Ein normaler „Mutterrasen“ werde sehr tief bei entsprechenden Niederschlägen, wohingegen ein Winterrasen immer eben bleibe und sich nicht verforme, so Fischer. Die Gräser hingegen seien nicht sehr speziell.

Der Wandel vom staubigen Hartplatz zum grünen Winterrasen ließ sich in den vergangenen drei Monaten besonders gut am Kaiserstuhl beobachten. Beim VfR Ihringen wurde der neue Rasen Anfang August eingesät und ist jetzt zu einem dichten, gut bespielbaren Teppich gewachsen. Dies sei vor allem dank der guten Wetterverhältnisse so glatt gelaufen, sagt Winfried Strecker, Vorsitzender des VfR Ihringen. Ausschlaggebend für die Entscheidung pro Winterrasen seien auch hier in erster Linie die hohen Kosten eines Kunstrasens gewesen. Dazu komme laut Strecker die Tatsache, „dass angesichts des Klimawandels und der langen Winterpausen zumindest in der Rheinebene kaum noch Spieltage wegen winterlicher Bedingungen ausfallen“. Das erste Training auf dem inzwischen dritten Trainingsplatz des Vereins fand in der vergangenen Woche statt. Auch hier waren Spieler und Trainer sichtlich begeistert - und hoffen, dass blutige Knie in den kalten Monaten endlich der Vergangenheit angehören.
Aufrufe: 018.10.2017, 11:20 Uhr
Joshua Kocher (BZ)Autor

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