„Ging eigentlich gut los das Spiel, wir waren von Anfang an gut drin“, sagte Trainer Thorben Reibe. Seine Mannschaft setzte die Gäste von Beginn an unter Druck, agierte aggressiv in den Zweikämpfen und erarbeitete sich früh eine Vielzahl an Standardsituationen. Diese wurden konsequent genutzt: Tim Jeske traf bereits in der dritten Minute zur Führung, ehe ein Eigentor von Jari Heins nur kurze Zeit später das 2:0 bedeutete. In dieser Phase dominierte der VfR Horst das Geschehen deutlich, während VfB Lübeck II kaum Zugriff bekam. „Wir haben viele Standards produziert und daraus auch beide Tore gemacht“, erklärte Reibe, der insbesondere die Präsenz und Klarheit seines Teams hervorhob.
Doch die Partie nahm eine abrupte Wendung. Eine Tätlichkeit führte zu einem frühen Platzverweis auf Horster Seite – eine Szene, die den Spielverlauf grundlegend veränderte. „Komplett unnötig und auch dumm“, kommentierte Reibe die Aktion deutlich. Mit einem Mann weniger musste sich der VfR Horst neu sortieren, verlor die Kontrolle über das Spiel und war fortan gezwungen, deutlich tiefer zu verteidigen.
Kampf in Unterzahl – und verpasster Sieg
Trotz der Unterzahl gelang es dem VfR Horst, die Ordnung zunächst zu bewahren und dem Gegner nur wenig Raum für klare Chancen zu geben. Der VfB Lübeck II übernahm zwar erwartungsgemäß mehr Ballbesitz, fand aber lange keine Lösungen gegen die kompakte Defensive der Gastgeber. „Ich glaube auch, dass Lübeck damit nicht so viel anfangen konnte“, analysierte Reibe. Eine gefährliche Freistoßsituation blieb ebenso ohne Erfolg wie mehrere Annäherungen an den Strafraum. Stattdessen blieb Horst bei eigenen Standards gefährlich und hatte sogar die Möglichkeit, die Führung weiter auszubauen – unter anderem mit einer Szene, in der ein Lübecker Spieler den Ball auf der Linie klären musste.
Nach dem Seitenwechsel erhöhte sich der Druck der Gäste weiter. Ramiz Demir nutzte in der 49. Minute eine der wenigen klaren Möglichkeiten zum Anschlusstreffer, bevor Kevin Voeks in der 72. Minute den Ausgleich erzielte. „Sie haben eigentlich ihre beiden Chancen genutzt“, stellte Reibe fest und verwies darauf, dass der Gegner trotz Überzahl nur selten wirklich zwingend wurde. Dennoch kippte die Partie durch diese Treffer endgültig.
Bemerkenswert blieb jedoch die Reaktion des VfR Horst. Trotz der personellen Unterlegenheit stemmte sich das Team weiter gegen den Spielverlauf, blieb aktiv und suchte selbst wieder den Weg nach vorne. In der Schlussphase bot sich sogar die große Chance zum möglichen Sieg: „Ich glaube, dass wir in der 82. die größte Chance im Spiel hatten“, so Reibe. Ein weiterer Treffer wollte jedoch nicht mehr fallen.
Am Ende stand ein 2:2, das sich für den VfR Horst wie zwei verlorene Punkte anfühlte. „Es fühlt sich eher an wie zwei verschenkte Punkte“, gab Reibe offen zu, relativierte aber zugleich: „Unterm Strich kannst du zufrieden sein, wenn du gegen eine Topmannschaft so lange in Unterzahl spielst.“ Überschattet wurde die Partie zudem von einer Verletzung auf Horster Seite. „Ich befürchte, dass er sich die Rippen gebrochen hat“, sagte Reibe – ein bitterer Nebenaspekt eines Spiels, das sportlich lange zwischen Kontrolle, Widerstand und verpasster Belohnung schwankte.
VfR Horst – VfB Lübeck II 2:2
VfR Horst: Yannis Horvath, Matthes Haack (64. Malte Rathjen), Dominik Bubat, Tim Moritz, Patrick Meyer, Paris Bruhn (79. Niklas Siebert) (87. Mika Handzel), Marvin Stegers, Lennart Dora, Mattis Lüchau, Tim Jeske, Jannik Arnold - Trainer: Thorben Reibe
VfB Lübeck II: Fyn-Luca Lewinski, Julian Seitz, Henry Jeschonek, Torben Sachau, Kevin Alexander Majewski (46. Kalle Eric Wichmann), Collin-Noel Goerke, Colin Ulrich (46. Simon Pascal Moritz), Jari Heins (46. Mariss Kolja Boll), Ramiz Demir (70. Kevin Voeks), Gustavo Melo Nogueira da Silva, Elias Al Sadi - Trainer: Oliver Stutzky
Schiedsrichter: Jörn Göttsch
Tore: 1:0 Tim Jeske (3.), 2:0 Jari Heins (10. Eigentor), 2:1 Ramiz Demir (49.), 2:2 Kevin Voeks (72.)