Johann Wagner macht es sich künftig gemütlicher. Der schwäbische Bezirksvorsitzende legt sein Amt beim BFV Ende April nieder.
Johann Wagner macht es sich künftig gemütlicher. Der schwäbische Bezirksvorsitzende legt sein Amt beim BFV Ende April nieder. – Foto: Walter Brugger

Ende bedeutet für Johann Wagner Ende

Der schwäbische Bezirksvorsitzende geht ein Jahr vor den Neuwahlen in den vorzeitigen Ruhestand +++ Im Interview spricht er über die Gründe und seine Zukunftspläne

Vier Jahre ist es her, da wurde Johann Wagner der oberste Vertreter der schwäbischen Kicker. Der Gundremminger Volker Wedel hatte damals aus gesundheitlichen Gründen den Posten des Bezirksvorsitzenden im Bayerischen Fußball-Verband (BFV) aufgegeben, sein Stellvertreter übernahm. Allerdings auf begrenzte Zeit, wie der aus Zusamaltheim im Landkreis Dillingen stammende Wagner für sich selbst festgelegt hatte. Trotzdem kam die Nachricht überraschend, dass der 63-Jährige in diesen Tagen aufhört. Im Interview erklärt der dreifache Familienvater die Gründe, spricht über die Nachfolge und blickt auf mehr als ein halbes Jahrhundert im Amateurfußball zurück.

Herr Wagner, Ihre Amtszeit würde eigentlich noch bis zum Bezirkstag 2022 andauern. Warum verabschieden Sie sich rund ein Jahr früher?

Wagner: Als ich 2017 ins Amt kam, habe ich mich ohnehin als Übergangslösung für dieses wichtige Amt gesehen. Ich habe auch stets betont, dass es niemals einen 70-jährigen Funktionär Wagner geben wird. Deshalb habe ich mir schon länger Gedanken gemacht, ob ich überhaupt ein zweites und dann letztes Mal antrete. Letztlich kam ich zum Entschluss, dass ich 2022 aufhöre. Das habe ich meinen Funktionärskollegen so Ende vergangenen Jahres mitgeteilt. Dass es nun schneller geht, hat schlichtweg mit gesundheitlichen Problemen zu tun.

Sind Sie so angeschlagen, dass Sie das Amt nicht mehr ausüben können?

Wagner: Nein, das ist nicht der Fall. Aktuell fühle ich mich sogar ganz gut, obwohl ich regelmäßig Medikamtente nehmen muss. Allerdings merke ich, dass ich nicht mehr so belastbar bin und unter Druck Probleme bekomme. Dazu kommt, dass ich mehrere warnende Beispiele im Verband miterlebt habe. Drei meiner Vorstandskollegen sind in den vergangenen Jahren verstorben. Vielleicht bin ich da ein Stück weit übervorsichtig, aber die Entscheidung ist jetzt so gefallen – und ich bin ja nicht Knall auf Fall zurückgetreten. Der Übergang geht geordnet vonstatten.

Sie sprechen von Christoph Kern, der Ihre Nachfolge antreten soll. Vorausgesetzt, das Verbandspräsidium beruft ihn zum kommissarischen Bezirksvorsitzenden...

Wagner: Richtig, wobei die Berufung nach all den Vorgesprächen eine Formalität sein müsste. Ich halte Kern für einen fähigen Mann, der bislang als Sportrichter tätig ist und auf anderen Verbandsebenen ebenfalls schon Erfahrungen gesammelt hat, obwohl er noch nicht einmal 40 Jahre alt ist. Ich glaube, dass er allein aufgrund seines Alters in Zukunft eine wichtige Rolle im BFV spielen kann. Für Schwaben kann es nur gut sein, dass uns ein Mann mit so guten Perspektiven im Vorstand und womöglich anderen Gremien vertritt.

Sie selbst scheiden mit ihrem Rücktritt aus allen Gremien aus. Ist das der endgültige Abschied vom Fußball?

Wagner: Was offizielle Funktionen und dauerhafte Verpflichtungen betrifft: Ende bedeutet für mich Ende. Wenn mein Rat oder eine kurzfristige Unterstützung gefragt sind, werde ich mit Sicherheit nicht Nein sagen. Ich habe auch vor, dass ich mich öfter bei der Schiedsrichter-Gruppe Donau sehen lasse, wo vor 23 Jahren mit der Wahl zum Obmann meine Funktionärs-Laufbahn begonnen hatte. Und sicherlich werde ich auf dem einen oder anderen Fußballplatz vorbeischauen.

Vorausgesetzt, dass bald wieder Spiele stattfinden. Wie sehr hat Sie die Corona-Pandemie getoffen?

Wagner: Gesundheitlich zum Glück bislang nicht, allerdings hat es das Leben schon sehr stark eingeschränkt. Privat treffen meine Frau und ich seit Monaten nur ein paar wenige Freunde oder Familienmitglieder. Und im Fußball geht es eigentlich nur um Verwaltungsthemen. Seit Beginn der Pandemie habe ich an rund 30 Videokonferenzen des Vorstands teilgenommen, die bis zu sechs Stunden dauerten. Die Infos musste ich dann wieder für meine schwäbischen Mitarbeiter aufbereiten und ebenfalls online weitergeben. Den persönlichen Kontakt ersetzt das aber niemals.

Wobei es ohnehin schwierig sein dürfte, mit allen Kontakt zu halten....

Wagner: Das stimmt, allein in Schwaben haben wir rund 120 Mitarbeiter. Mit denen stehen jetzt die Gespräche an, ob sie über das kommende Jahr zur Verfügung stehen. Das ist mit ein Grund, warum es sinnvoll ist, dass Christoph Kern jetzt übernimmt. So kann er ein Stück weit beeinflussen, wer zu seinem neuen Team gehören soll. Er braucht beispielsweise Nachfolger für Bezirksspielleiter Rainer Zeiser oder den Donau-Kreisspielleiter Franz Bohmann, die sich beide nicht mehr zur Wahl stellen.

Blicken wir auf die Anfänge Ihrer Fußballzeit zurück...

Wagner: Die waren unspektakulär. Mit acht Jahren habe ich beim VfL Zusamaltheim begonnen – und bin dem Verein immer treu geblieben. Bis ich mit 28 nach zwei Sprunggelenksverletzungen aufgehört habe. Als Spieler war ich eher für das Rustikale zuständig und eher kein Freund der Schiedsrichter.

Trotzdem haben Sie als Unparteiischer Karriere gemacht.

Wagner: Stimmt, wobei das nicht so geplant war. Als ich mich zum Neulingskurs unter der Leitung meines Mentors Franz Bohmann angemeldet hatte, wusste kaum jemand davon. Dann stellten sich schnell Erfolge ein, ich bin bis in die Bayernliga, damals die vierte Liga, aufgestiegen. Das schönste Erlebnis war, als ich beim damals für ein Jahr in der Regionalliga spielenden 1. FC Nürnberg vor 12.000 Zuschauern an der Linie winken durfte. Das war die sportliche Seite, die andere war die kameradschaftliche. Da habe ich mich bei den Schiedsrichtern immer gut aufgehoben gefühlt.

Von 1998 bis 2002 waren Sie Obmann der Gruppe Donau, dann schien die Funktionärslaufbahn beendet zu sein.

Wagner: Das hatte familiäre Hintergründe. Wir hatten einen pflegebedürftigen Sohn und ich wollte meine Frau stärker unterstützen.. Unser Sohn ist dann leider kurze Zeit später verstorben.

Und Sie standen für neue Aufgaben bereit?

Wagner: Ich habe mich nicht aufgedrängt, allerdings war der damalige Donau-Spielleiter Peter Oehlenberg schwer erkrankt und musste sein Amt abgeben. Der damalige schwäbische Bezirksvorsitzende Hermann Güller wollte mich als Nachfolger. Und meine Frau meinte nur: Mach es, wenn du das willst.

Daraus sind 19 weitere Funktionärsjahre in verschiedenen Positionen geworden, zuletzt als Bezirksspielleiter und Bezirksvorsitzender...

Wagner: Eine Zeit, in der sich extrem viel verändert hat. Ich habe kürzlich mal in alten Unterlagen gestöbert, da fallen dir die zahlreichen Neuerungen erst so richtig auf. Sei es die Reform der Spielklassen durch die Einführung der Regionalliga Bayern und Abschaffung der Bezirksoberliga, die Einrichtung der Coaching-Zone, die Umstellung vom Bandenkick auf Futsal, die Integration der Reserven in den aufstiegsberechtigten Spielbetrieb, die Möglichkeit des Rückwechsels bis hoch zur Kreisliga oder neuerdings der Flex-Spielbetrieb in den untersten Spielklassen. Und ich bin überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren noch einiges ändern wird. Der Amateurfußball muss sich ständig anpassen, um für die jungen Menschen attraktiv zu bleiben.

Sie können das künftig als Außenstehender verfolgen. Was bleibt für Sie als „Fußball-Rentner“?

Wagner: Ich bin ja nicht nur Fußball-Rentner, zum Ende des Jahres werde ich aus dem Berufsleben ausscheiden. Bis Oktober bin ich noch Leiter der Lagerlogistik bei der Pfaffenhauser Firma Raico. Künftig möchte ich die Zeit nutzen, um mehr mit dem Fahrrad oder auf dem Ergometer Sport zu treiben, liegen gebliebene Dinge rund ums Haus erledigen – oder mich einfach nur mit den vielen Freunden aus dem Sport auf einen Kaffee treffen. Ich denke da etwa an Karl Dirr vom SC Bubesheim oder Robert Stolz vom SV Holzkirchen, mit denen eine enge persönliche Bindung entstanden ist.

Das sind die schönen Seiten des Sports, gibt es auch negative?

Wagner: Sicher, aber die sind zum Glück klar in der Unterzahl. Ein Moment, der mich besonders schmerzt, war der Kreistag Donau 2014. Damals ging es um den Frauen- und Mädchenausschuss, mit Anika Höß und Markus Heumader gab es zwei Bewerber auf den Vorsitz. Mein Fehler war, dass ich nicht schon im Vorfeld eine Lösung gesucht habe. Die Wahl platzte, Heumader ging uns komplett verloren. Dabei müssen wir im Verband eigentlich für jeden ehrenamtlichen Mitarbeiter dankbar sein.

Die aber „mitgenommen“ werden müssen, selbst bei schwierigen Themen. Denken wir nur an die vielen Diskussionen rund um die Umstellung der Hallenturniere auf Futsal.

Wagner: Das ist richtig, mir haben auch nicht alle Entscheidungen gefallen. Letztlich bin ich Demokrat und akzeptiere Mehrheiten. Von guten Argumenten lasse ich mich gerne überzeugen, nicht nur im Fußball.

Aufrufe: 27.4.2021, 14:23 Uhr
Walter BruggerAutor

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