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VfL Witzhelden: Eine bewegte Geschichte

Es begann mit einem Streit, es gab Aufstiege und bedrohliche Krisen, aber derzeit blüht der VfL Witzhelden richtig auf. Vor der Feier zum 75-jährigen Jubiläum blicken wir auf die bewegte Geschichte zurück.

von RP / Tobias Brücker · 29.06.2025, 21:00 Uhr · 0 Leser
Der VfL Witzhelden wird 75 Jahre alt.
Der VfL Witzhelden wird 75 Jahre alt. – Foto: Tim Prenzel

Von der aschigen Wiese für Raubeine mit öfter mal verspringenden Bällen über einen in den Sommermonaten staubigen Ascheplatz hin zum perfekten Kunstrasen für Feingeister und Edeltechniker am runden Leder: Der Fußball, dessen Trainingsformen in den Jugendbereichen und der sportliche Erfolg unterlagen beim VfL Witzhelden mitsamt des Untergrunds in den zurückliegenden 75 Jahren ständigem Wandel. Geblieben ist die Liebe zum Klub, und die Heimatverbundenheit der Spieler, die zumeist aus dem Höhendorf kommen. Dabei stand die Existenz des Vereins mehr als einmal auf der Kippe.

Gegründet hat er sich im Jahr 1950. Dem Grundstein vorausgegangen war jedoch ein unschöner und riesiger Krach innerhalb der Führungsetage des TV Witzhelden, an den die Fußballabteilung zuvor angeschlossen war. Laut des derzeitigen VfL-Vorstands um Chef Rainer Strieker ist allerdings nicht genau übermittelt, auf welchen Gründen die interne Überwerfung fußte. „Man sucht sich das ja nicht immer aus“, sagt Kassierer Thomas Rößler über die unfeinen Anfänge des Vereins. Immerhin: Heute stehen sich die beiden Klubs so nah wie schon sehr lange nicht mehr, besuchen sich gegenseitig und leihen Equipment. „Genau so ist es richtig“, betont Günter Mittelmeyer, der Ehrengeschäftsführer.

Ab 1974 übernahm er die Geschicke des Vereins und hielt sie 40 Jahre lange fest in den Händen. Zuvor war er in den 1960er-Jahren selbst Spieler in der ersten Mannschaft gewesen. Somit erlebte er die Transformationen des Klubs hautnah mit. Maßgeblichen Anteil daran hatte seinen Erzählungen nach Gemeindedirektor Otto Göckemeyer. Der habe zwar keine Ahnung von Fußball gehabt, sich aber sehr für den Sport in Witzhelden eingesetzt. Auf sein Wirken hin wurde ein Ascheplatz errichtet. Seit 2011 spielen und trainieren die Sportler nunmehr auf Kunstrasen. Die Oberfläche wurde 2023 wegen der verbotenen Verwendung von Granulat ausgetauscht.

Schwierige Standortbedingungen

Mittelmeyer aber kennt aus seiner aktiven Laufbahn nur unebene Untergründe. In der Saison 1977/78 erreichte der heute 83-Jährige mit seiner Mannschaft den Aufstieg in die damalige 1. Kreisklasse. „Wir haben eigentlich immer nur versucht, nicht abzusteigen“, berichtet er von der damaligen Zielsetzung. Das Vorhaben gelang. Mitunter erreichte der VfL sogar die Bezirksliga – insgesamt dreimal im neuen Jahrtausend: 2008, 2013 und 2018. Derzeit kickt die erste Mannschaft in der Kreisliga B. Die Höhendörfler müssen sich hinter Dauerkonkurrent SC Leichlingen einreihen.

Das liegt wohl an der Schwäche des Klubs, die zeitgleich seine Stärke ist: der Standort. So ist der VfL vor allem auf Fußballer aus Witzhelden angewiesen, die von der Jugend den Sprung zu den Senioren schaffen. In der jüngeren Vergangenheit gab es jedoch Unstimmigkeiten mit vereinzelten Trainern; deren Abgang und die anschließende Kündigung einiger Jugendlicher rissen eine große Lücke in die Nachwuchsförderung. Der Jahrgang 2006 sei demnach nicht existent, sagt Strieker.

Nach kleineren Problemen bei der Nachwuchsakquise ist die Jugendabteilung des Vereins momentan so groß wie wahrscheinlich nie zuvor. Sie zählt von den Bambinis zu den A-Junioren 14 Mannschaften. Erstmals seit längerem sind alle Altersgruppen vertreten. „Wir sind sehr breit aufgestellt“, berichtet Jugendleiter Sven Brüggemann erfreut.

Verein erfreut sich regem Wachstum

Überhaupt ist das Wachstum groß: In den vergangenen zehn Jahren stieg die Mitgliederzahl um 50 Prozent auf 465. Der Platz für Materialien reicht schon lange nicht mehr. Deshalb wollen die Verantwortlichen einen Containerbau auf dem städtischen Grundstück. Doch die politischen Mühlen mahlen langsam. „Wir werden ziemlich stiefkindlich behandelt“, moniert Strieker.

Fast hätte es die insgesamt dennoch positive Entwicklung gar nicht gegeben. Denn in den 1980er-Jahren hatte der Klub, wohl aufgrund von Unwissenheit, Steuerschulden angehäuft. Den Erzählungen nach war der VfL einer der ersten Vereine, die überprüft wurden. Die Summe belief sich laut Strieker auf rund 15.000 Euro. Armin Schaefer sprang in die Bresche, und es gelang ihm, einen potenten Geldgeber aufzutun, der die Verbindlichkeiten beglich. Ähnlich nah an der Auflösung war der Verein 2015, als sich lange kein Vorstand fand. Vielleicht ein Glücksfall für den VfL. Denn das derzeitige Gremium lenkt den Fußballzwerg aus dem Höhendorf mit viel Herzblut in die nächsten 75 Jahre.