F: Zobe
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»Futsal-Star« Nick Mdoreuli droht die Abschiebung!

Der Spieler des VfL Theesen und Kapitän der Black Panthers Bielefeld lebt mit der Angst vor der unmittelbaren Ausweisung nach Georgien.

Im Juni 2018 berichteten wir über den Werdegang des jungen Fußball- und Futsalspielers Nick Mdoreuli, wie er in Deutschland, genauer in Ostwestfalen, eine neue Heimat fand und sich hier ein Leben aufbauen möchte. Das Damoklesschwert, das dabei stets über dem Haupt des 22-Jährigen schwebt, der 2014 im Alter von 17 Jahren aus Georgien kam, ist jedoch die drohende Ausweisung. Im Sommer 2018 wurde Mdoreulis Asylantrag abgelehnt, er klagte gegen diese Entscheidung. Nach nunmehr erfolgter Ablehnung der Klage ist die mögliche Abschiebung aktueller denn je.

"Ich weiß gar nicht wann ich zuletzt eine Nacht durchgeschlafen habe", beschreibt Mdoreuli seine Gemütslage. Doch der Reihe nach: Mit gerade mal 18 Jahren kam Nick bereits beim VfB Fichte in der Westfalenliga zum Einsatz. Er integrierte sich gut - wofür der Fußball die ideale Plattform bot - und lernte schnell die deutsche Sprache. Von den "Hüpkern" ging es im Winter 2016/17 zur SpVg. Steinhagen und schließlich zum VfL Theesen, wo für den Offensivspieler seit dem 10. März diesen Jahres die Spielgenehmigung vorliegt. "Wenn die Trainingsleistung stimmt, wird er auch zum Einsatz kommen", versicherte VfL-Trainer Andreas Brandwein. Das Problem dabei: Mdoreuli, der bereits seit vergangenem Herbst in Theesen mittrainiert, hat derzeit nur wenig Zeit um am Training teilzunehmen. "Viele Termine vor Gericht und bei den Ämtern", beschreibt es der 22-Jährige, der zudem mitten in einer Ausbildung steckt.


Nach der Ablehnung seines Asylantrags im vergangenen Jahr wurden Mdoreuli Aufenthaltsgenehmigungen für jeweils sechs Monate ausgestellt. Mit der Abweisung seiner Klage samt Aufhebung des Abschiebeverbots muss Nick nun jederzeit mit der Ausweisung nach Georgien rechnen. Nick Mdoreuli stammt gebürtig aus der georgischen Region Südossetien. Während Georgien von der Bundesregierung als sicheres Herkunftsland eingestuft werden soll und "die Sicherheitslage im übrigen Georgien als stabil" gelte, rät das Auswärtige Amt von Reisen in die Konfliktregionen, also auch Südossetien, dringend ab. Doch der entscheidende Faktor ist Mdoreuli selbst - Er hat sich integriert, machte den Realschulabschluss und befindet sich seit August 2018 in einer dreijährigen Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement bei der Dekra Akademie. Obendrein sticht er als einer der besten Futsalspieler der Region hervor und nahm bereits an vier Lehrgängen der Deutschen Futsal-Nationalmannschaft teil. Bundestrainer Marcel Loosveld setzt auf ihn und würde ihn gern in Lönderspielen einsetzen. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings die Einbürgerung. Hier drängt sich daher die Frage auf: Wieviel mehr kann man sich denn noch integrieren, beziehungsweise wann reicht es den Behörden aus?

Nick Mdoreuli (links) mit Vidoje Matic beim DFB-Lehrgang im Mai 2018.
Nick Mdoreuli (links) mit Vidoje Matic beim DFB-Lehrgang im Mai 2018. – Foto: Black Panthers Bielefeld


Diese Frage stellt auch Cornelia Weber, Schulsozialarbeiterin, die Nicks Weg in den vergangenen fünf Jahren begleitet hat: "Was wollen die denn? Er hat sich gut integriert, ist eingebunden, ein toller Schüler und hat es absolut verdient. Er hat alles getan, was verlangt wurde. Eine Abschiebung wäre ein Desaster, nicht nur für Nick. Es ergäbe weder gesellschaftlich noch demokratisch einen Sinn."


Was für ein Typ Mensch Nick Mdoreuli ist, zeigte sich auch vor ein paar Wochen bei einem Vorfall in einem Bielefelder Bus. Ein Mann, ob unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder womöglich psychisch labil, habe mehrere Leute, darunter eine schwangere Frau körperlich angegegangen und belästigt. Nick Mdoreuli zeigte Zivilcourage, ging dazwischen und traf den Mann gezielt mit seiner Tasche. Die Polizisten hätten es Mdoreuli später gedankt, der abgeführte Mann hätte dies allerdings anders gesehen und Anzeige erstattet. Als jemand, der auf eine Aufenthaltsgenehmigung und letztlich auf die Einbürgerung hofft, lässt selbst ein solcher Vorfall Nick Mdoreuli befürchten, ob ihm diese Anzeige womöglich schaden könnte. Ein solchen Effekt üben die Unsicherheit und das stete Bangen aus.


Bei solchen Geschichten wie der des 22-jährigen Nick Mdoreuli, der seine Heimat hier sieht und sich sein weiteres Leben in Ostwestfalen aufbauen möchte, kann die Öffentlichkeit enormen Einfluss ausüben. Wer also der Stadtverwaltung und / oder dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI) gegenüber diesbezüglich seine Meinung äußern möchte, kann dies - bitte in höflicher Form - unter den folgenden e-mail-Adressen tun:

Stadtverwaltung Bielefeld: standesamt@bielefeld.de

MKFFI: nrwdirekt@nrw.de

Petitionsausschuss des Landtags NRW: petitionsausschuss@landtag.nrw.de

Aufrufe: 04.4.2019, 13:30 Uhr
Björn Eimer / FuPaAutor

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