Noch ruht das Mannschaftstraining - und auch der Spielbetrieb für die U19 des VfL Osnabrück, hier im Spiel gegen Flensburg.
Noch ruht das Mannschaftstraining - und auch der Spielbetrieb für die U19 des VfL Osnabrück, hier im Spiel gegen Flensburg.

Jugend des VfL Osnabrück: Noch kein Training - aber bald Pflichtspiele?

Bedenken zum möglichen Ligen-Neustart

Osnabrück . Seit Monaten ruht der Jugendfußball in der Pandemie, auch in den höchsten Ligen Deutschlands. Aus Furcht davor, viele Talente am Übergang zu den Profis zu verlieren, streben derzeit die Verbände die Rückkehr des Spielbetriebs in den Junioren-Bundesligen und Regionalligen an. Auch wegen wieder steigender Infektionszahlen formiert sich Widerstand dagegen – auch beim VfL Osnabrück.

VfL hat Sondergenehmigung fürs Mannschaftstraining der höheren Jugendteams beantragt

„Wir haben bis jetzt nicht einmal die Erlaubnis, überhaupt trainieren zu dürfen mit den Jungs in der Gruppe auf dem Platz“, sagt Alexander Ukrow. Der Leiter des VfL-Nachwuchsleistungszentrums hat lange überlegt, ob er eine Sondergenehmigung dafür beim Gesundheitsamt der Stadt Osnabrück beantragen soll. In Zeiten eskalierender Corona-Zahlen im Winter erschien ihm dies wenig angebracht. Erst mit Beginn des Frühjahrs und dem Versprechen der Politik, für mehr verfügbare Tests zu sorgen, stellte er den Antrag für die älteren NLZ-Jahrgänge. Im Falle einer Genehmigung würden die Lila-Weißen das bis dato praktizierte Individualcoaching per Video weitestgehend beenden, das Gruppentraining wieder aufnehmen, alle Teilnehmer regelmäßig testen – und die Kosten dafür übernehmen.

Lila-Weiße sieht mögliche Wiederaufnahme des Liga-Spielbetriebs kritisch

Grundsätzlich sperrt man sich im VfL-NLZ auch nicht gegen Wettkampfspiele. Kritisch sehen Ukrow und Co. aber die geplante, ihrer Ansicht nach überstürzte Wiederaufnahme des gesamten Liga-Spielbetriebes. Für die Regionalligen, wo die U17 und die U15 des VfL aktiv sind, terminierte der Norddeutsche Verband den Restart bereits für das Osterwochenende Anfang April – und zwar direkt mit einem Doppelspieltag am Samstag und Montag.

Zweifel an Wettbewerbsgleichheit, zudem erhöhte Verletzungsgefahr

Für die Bundesligen hatte der DFB bei der Präsidiumssitzung am Freitag eigentlich den Restart für das Wochenende 16./17. April beschließen wollen. Dies wurde zunächst vertagt – nun bittet man bis Dienstag alle Bundesliga-Clubs zur Abstimmung, ob sie die Wiederaufnahme des Spielbetriebs befürworten oder nicht. Der VfL ist klar dagegen – und Ukrow nennt mehrere Argumente. Dies sei ungerecht mit Blick auf die Wettbewerbsgleichheit und für die Spieler gefährlich mit Blick auf die höhere Verletzungsgefahr. „Wir würden auf Konkurrenten treffen, die seit November Mannschaftstraining durchführen. Etwa 60 Prozent der Bundesliga-Vereine durften per Ausnahmegenehmigung über den Winter im Team trainieren und sind nun auf einem ganz anderen Fitness- und Leistungsstand als wir“, sagt er.

VfL sieht seinen ganzheitlichen Ausbildungsansatz gefährdet

Weil zudem das geplante Durchpeitschen der 13 restlichen Spiele innerhalb von zehn Wochen bis Ende Juni einige Wochentagsspiele erfordere, sieht der VfL seinen ganzheitlichen Ausbildungsansatz in Gefahr. „Einige unserer Jungs haben im Mai ihre Abiturprüfungen“, erklärt Ukrow. Die Vorbereitung darauf harmoniert in der Tat nicht mit denkbaren Dienstagabendspielen etwa beim Chemnitzer FC plus einer folgenden notwendigen Übernachtung. Über allem steht die Frage, ob Reisen zu Partien mit bis zu 500 Kilometer Entfernung plus Hotelaufenthalte für 20-Mann-Trosse wirklich angezeigt sind bei aktuell wieder steigenden Fallzahlen.

Gegenvorschlag: Lieber Vergleiche mit Teams der Region und benachbarten Leistungszentren

„Unser Credo ist, nicht auf Teufel komm raus den Spielbetrieb aus Vor-Pandemie-Zeiten durchzuziehen. Wir sollten lieber angepasste Wettbewerbsformate zur Förderung der Talente entwickeln, bis wieder ein normaler und fair geregelter Spielbetrieb möglich ist, idealerweise in der neuen Saison“, sagt Ukrow. Als Alternative für die nächsten Monate nennt er Vergleiche mit Teams der Region und näheren Leistungszentren, wie von Werder Bremen, Hannover 96, dem VfL Bochum oder MSV Duisburg. Dies reduziere Kontakte, Aufwände und Kosten im Sinne der Pandemiebekämpfung sowie Stress und Verletzungsgefahren bei den Heranwachsenden. „So könnten wir Termine absprechen und einfach nur Fußball spielen. Vielleicht bei Spielformaten wie etwa viermal 30 Minuten, die allen Talenten Einsatzzeit garantiert“, erklärt Ukrow.

Aufrufe: 016.3.2021, 07:00 Uhr
Neue Osnabrücker ZeitungAutor

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