„Wir haben heute von der ersten Minute an ein sehr dominantes Spiel gemacht“, sagte Timo Schultz nach Abpfiff – und seine Worte treffen den Kern eines Auftritts, der kaum Fragen offenließ. „Wir müssen uns eigentlich nur vorwerfen lassen, dass wir nicht schon nach dreißig Sekunden bis zur zehnten Minute das erste Tor erzielt haben.“
Tatsächlich hätte es früh klingeln können: Lars Kehl scheiterte bereits in der Anfangsminute frei vor Toni Stahl, blieb aber der auffälligste Offensivakteur. Fünf Abschlüsse, drei Vorlagen – und wenig später auch das verdiente Tor.
Den Auftakt besorgte jedoch einmal mehr ein Standard. Niklas Wiemann stocherte den Ball nach einer kurz ausgeführten Ecke im Gewühl über die Linie (27.) – sein dritter Saisontreffer. Zehn Minuten später erhöhte Kehl auf 2:0, nachdem Robin Meißner den Laufweg perfekt bediente: „Koppi spielt den gut in den Lauf. Ich höre und sehe Lars und er macht den dann mit dem Außenrist gut weg“, erklärte Meißner. „Ich freue mich dann für ihn, auch wenn er davor sogar ein, zwei Dinger nicht gemacht hat.“
Stabilität als Fundament des Erfolgs
Was diesen Lauf aber besonders macht, ist nicht nur die Offensive – es ist die defensive Souveränität. Zum 17. Mal blieb der VfL ohne Gegentor. Lukas Jonsson ordnete das nüchtern ein: „If you play seventeen games of ‚Weisse Weste‘, then you have seventeen good opportunities to win the game. It’s good for the team and a good defence.“
Vor ihm agierte die Dreierkette um Robin Fabinski, Jannik Müller und Niklas Wiemann nahezu fehlerfrei. Müller brachte es auf 87,8 Prozent Passquote und 80 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Entsprechend zufrieden zeigte sich der Kapitän: „Wenn man ein Haar in der Suppe sucht, dann ist es ganz schwer, eins zu finden. Es war ein geiler Nachmittag.“
Auch nach der Pause ließ Osnabrück nicht nach. Das 3:0 durch Meißner (60.) war das Produkt akribischer Vorbereitung: „So ähnlich haben wir es letzte Woche in der Videoanalyse gehabt. Er spielt den dann perfekt getimt in den Raum und ich muss ihn dann einfach nur in die Ecke schieben.“
Den Schlusspunkt setzte Frederik Christensen per Kopf (83.), vorbereitet vom eingewechselten Robert Tesche. Es war der logische Abschluss eines Spiels, in dem Osnabrück auch in den Statistiken dominierte: 73,7 Prozent gewonnene Luftduelle, 57,7 Prozent Zweikampfquote – beides Bestwerte des Spieltags.
Als der Schlusspfiff ertönte, war es der siebte Sieg in Serie. „Wir sind sehr, sehr glücklich. 4:0 zu gewinnen hier zu Hause. Alles wie immer“, sagte Meißner mit einem Lächeln – ein Satz, der inzwischen mehr als nur eine Floskel ist.
Und während die Mannschaft längst den Fokus auf das nächste Spiel beim MSV Duisburg richtet, bleibt nach diesen zwei Tagen vor allem dieses Gefühl: Dass „alles wie immer“ aktuell gleichbedeutend ist mit maximaler Kontrolle, maximalem Selbstvertrauen – und vielleicht auch mit einem großen Ziel, das plötzlich greifbar nah ist.