
Der Mythos kommt aus der Bundesliga. Dort hieß es bis zur Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Saison 1995/1996, dass 30 Punkte zum Klassenverbleib genügen würden. Danach kam dann die 40-Punkte-Marke ins Spiel, um sich aller Sorgen eines möglichen Abstiegs zu entledigen.
Und in der Tat ist es so, dass noch nie eine Mannschaft abgestiegen ist, die Minimum 40 Zähler eingefahren hatte. Da liegt es doch nah, diese Zielmarke auch auf andere Spielklassen zu übertragen, zumal wenn dort ebenfalls 18 Mannschaften am Start sind. Wie zum Beispiel in der Oberliga Niederrhein. Daniel Klinger, Trainer des Aufsteigers VfL Jüchen-Garzweiler, spricht in diesen Tagen jedenfalls viel davon, so schnell wie möglich die ominösen 40 Punkte auf die Habenseite bringen zu wollen.
Und er kann das auch guten Gewissens tun, denn nach dem starken Start in die Rückrunde mit sieben Punkten aus drei Partien ist seine Mannschaft auf dem besten Weg dorthin. Momentan stehen die Jüchener als Liganeuling mit 32 Zählern auf einem starken sechsten Platz und wollen am Freitagabend im Auswärtsspiel bei Mitaufsteiger DJK Adler Frintrop unbedingt nachlegen. „Das wäre schon ein großer Schritt“, betont Daniel Klinger, der vor wenigen Wochen mit Blick auf eine eher suboptimale Vorbereitung noch sehr skeptisch war, was die Rückrunde anbelangt. „Doch meine Mannschaft hat es trotzdem wieder geschafft. Das ist schon bemerkenswert“, so Klinger.
Basis für die bislang so starke Spielzeit ist die stabile Defensive der Jüchener, keine Mannschaft hat nach zwanzig Spieltagen weniger Tore als die 18 des VfL kassiert. Ex-Profi Tim Heubach und Jochen Schumacher, die in jungen Jahren schon zusammen bei Borussia Mönchengladbach kickten, bilden trotz ihres fortgeschrittenen Fußballeralters (beide 37) zusammen eines der besten Innenverteidiger-Pärchen der Liga. Und wenn denn mal einer ausfällt, wie am vergangenen Samstag beim Derbysieg gegen die Holzheimer SG (2:0) Schumacher wegen einer Gelbsperre, haben die Jüchener genug Qualität auf der Bank. Auch für die Offensive. „Die Einwechselspieler haben das Spiel entschieden“, so Klinger mit Blick auf die Partie gegen Holzheim, als er in der 60. Minute Benni Schütz und Paul Gelber bringen konnte.
Doch bei aller berechtigten Zufriedenheit mit dem Start ins neue Jahr, ist Daniel Klinger nicht bereit, auch nur einen Millimeter zurückzustecken: „Es ist ganz wichtig, dass wir weiter punkten.“ Schließlich sind die 40 Punkte noch acht Zähler entfernt. Und es ist tatsächlich so, dass auch in der Oberliga diese Marke eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit mit sich bringt, in der Klasse zu bleiben. Obwohl im Gegensatz zur Bundesliga die Anzahl der Absteiger durch die Abhängigkeit von den Ligen darüber auch schon mal höher sein kann.
In den vergangenen zehn Jahren kam es abgesehen von der mit anderen Maßstäben zu messenden Corona-Zeit nur einmal vor, dass eine Oberliga-Mannschaft mit mehr als 40 Punkten absteigen musste. Das war in der Saison 2018/2019 der SC Düsseldorf-West als 15. mit 41 Zählern. In der deutschen Elite-Klasse ist übrigens der Karlsruher SC seit Einführung der Drei-Punkte-Regel der Absteiger mit den meisten Zählern. Was die Sache damals noch bitterer für den KSC machte: Er musste nach der Spielzeit 1997/1998 runter, weil er das schlechtere Torverhältnis gegenüber der punktgleichen Borussia aus Mönchengladbach hatte.
Wollen die Frintroper bei aktuell neun Zählern Rückstand noch eine realistische Chance haben, mit den Jüchenern gleichzuziehen, sollten sie am Freitagabend auf heimischem Kunstrasen gewinnen. VfL-Coach Daniel Klinger traut den Essenern jedenfalls einiges zu: „Das ist eine physisch starke Mannschaft mit einem großen Zusammenhalt, die bislang auch eine gute Runde spielt.“ Andersherum bietet der Ausflug zum Mitaufsteiger eben auch eine realistische Chance für den VfL, Frintrop zu distanzieren und der eigenen Zielmarke wieder ein entscheidendes Stück näher zu kommen.