Für Dieter Becker war der Italiener Pierreluigi Collina der beste Schiedsrichter der Welt.
Für Dieter Becker war der Italiener Pierreluigi Collina der beste Schiedsrichter der Welt. – Foto: David Hennig – Kreis Herne

Dieter Becker: "Trainer kam für mich nicht in Frage"

Der Schiedsrichter mit 32-jähriger Erfahrung spricht im Interview über das größte Spiel, den lustigsten Spruch und den VAR im Profibereich.

FuPa startet im Ruhrgebiet eine Interview-Serie mit unseren Männern an der Pfeife, denn verrückte Typen und bekannte Gesichter gibt es in den Kreisen natürlich auch unter den Schiedsrichtern. Diesmal erklärt Dieter Becker, warum er Schiedsrichter wurde, was ihn am Amateurfußball nervt oder wer seiner Meinung nach der beste Schiedsrichter der Welt ist.

Wieso bist du Schiedsrichter geworden? Ich habe 28 Jahre lang Fußball gespielt – und wollte auch danach keinesfalls auf diesen Sport verzichten. Eine Trainertätigkeit kam für mich nicht infrage, also bin ich Schiedsrichter geworden. Das habe ich seit 1989 nie bereut. Was war das beste und größte Spiel, das du bisher gepfiffen hast? Dort fallen mir spontan zwei Spiele ein: Zum einen eine Partie der Kreisliga A in Gelsenkirchen, zwischen den Zweitmannschaften von YEG Hassel und dem SC Hassel. Das Spiel ging hin und her, rauf und runter, Endstand 5:6. Und das eigentlich Besondere: Ich musste nicht eine einzige Gelbe Karte zeigen. Zum anderen war ich vor mehr als 20 Jahren bei einer Partie zwischen dem VfB Kirchhellen und dem TSV Marl-Hüls, die über den Aufstieg entschieden hat. Mehrere Tausend Zuschauer haben auf einer wackeligen Holztribüne das Spiel verfolgt. Kirchhellen hat das Spiel gewonnen. Bei der anschließenden Feier wurde mir verboten, vorzeitig zu gehen. Bereitest du dich auf die Spiele in irgendeiner Weise vor? Schaut man im Vorfeld, ob Spieler in dieser Saison einen Platzverweis erhalten haben? Nein, überhaupt nicht. Ich gehe völlig unbefangen in jedes Spiel. Erinnerst du dich an ein besonders kurioses Ereignis oder an eine spezielle Fair-Play-Aktion? Ich habe in meinen 28 Jahren als Fußballer selbst nur eine einzige Rote Karte gesehen. Und das, obwohl ich Vorstopper gespielt und auch mal gut zugelangt habe. Hattest du schon mal Angst auf dem Platz? Niemals – vielleicht im Gegenteil. Manche Spieler waren sicher froh, als ich das ein oder andere Spiel abgepfiffen habe.

Was nervt dich als Schiedsrichter auf oder neben dem Platz am meisten?
Es stört mich tierisch, wenn Unruhe von außen ins Feld gebracht wird. Dann entsteht eine schlechte Atmosphäre, obwohl auf dem Platz eigentlich alles prima läuft. Deshalb gehe ich entschieden dagegen vor. Werden Schiedsrichter im Amateurfußball angemessen entlohnt? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ich habe noch nie aus finanziellen Gründen auf dem Platz gestanden – sondern immer aus Spaß. Aber: Wenn man darauf angewiesen ist, dann ist die Entlohnung für Amateurschiedsrichter gering. Der beste Spruch, der an dich gerichtet wurde, bei dem du selbst lachen musstest? Als ich in einem Spiel der Bezirksliga mal auf Eckstoß entschieden habe, riefen mir ein paar Kinder hinter dem Tor zu: „Brille, Fielmann!“ Da musste ich sehr schmunzeln. Ich teile viel aus, kann aber auch gut einstecken. Wie bewertest du den VAR im Profibereich? Ich persönlich bin ein klarer Gegner des Video-Assistenten. Es ärgert mich, wenn ein Tor nicht zählt, weil der große Zeh im Abseits ist und das per kalibrierter Linie nachgewiesen wird. Im Gegensatz dazu bin ich großer Befürworter der Torlinientechnik. Welche Regel würdest du ändern? Die Abseitsregel, denn sie ruft stets Ärger und Diskussionen hervor. Wir haben vor mehr als 20 Jahren mal in Kaiserau eine Partie ohne Abseitsregel simuliert – eine tolle Erfahrung. Wer ist oder war der beste Schiedsrichter der Welt? Pierluigi Collina ist die einzig wahre Nummer Eins. Ein echter Typ. Er hatte zu seiner aktiven Zeit eine ähnlich große Klappe wie ich, war und ist jedoch eine absolute Respektsperson.
2920 Aufrufe11.3.2021, 13:13 Uhr
redAutor

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