
Gundersheim. Den Bezirksliga-Fußballern des VfL Gundersheim droht der Abstieg. Sechs Spieltage vor Schluss beträgt der Rückstand auf den rettenden zwölften Platz sieben Zähler. So beurteilt Co-Trainer Martin Ritter (36) die Situation.
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Herr Ritter, wie sehr zittern Sie vor dem Abstieg?
Zittern ist das falsche Wort. Wir wissen natürlich, dass die Situation mit jedem verlorenen Punkt enger für uns wird. Wir sind uns der Situation absolut bewusst und wissen, dass wir liefern müssen. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wir haben volles Vertrauen in die Jungs, dass sie bereit sind, im Saisonendspurt alles für den Klassenerhalt zu opfern.
Wie konnte es zu dieser misslichen Lage kommen?
Es ist die Summe aus vielen Kleinigkeiten, die uns wertvolle Punkte gekostet hat. Oft fehlte uns in den entscheidenden Momenten die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor oder die letzte Konsequenz in der Defensive. Zudem konnten wir durch eine anhaltende Verletzungsserie selten mit einer eingespielten Formation auflaufen. Weiterhin ist auch unsere Platzsituation mitverantwortlich. Wir spielen und trainieren gefühlt überall – nur nicht daheim in Gundersheim.
Hat sich die Personalsituation inzwischen verbessert?
Wichtige Spieler wie Sebastian Engelhardt, Phil Wesner oder Sebastian Hahl sind wieder zurück, müssen nach schwereren Verletzungen jedoch erst wieder ihren Rhythmus finden. Mit Omran Chehab fehlt weiter unser Kapitän, der in dieser Klasse ein Unterschiedsspieler ist. Trotzdem wollen wir nicht jammern, sondern es im Kollektiv auffangen.
Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass Sie die Klasse noch halten?
Die ist absolut da, weil wir es in den verbleibenden Partien gegen direkte Konkurrenten noch selbst in der Hand haben. Wir wissen, dass eine kleine Serie die gesamte Konstellation im Keller sofort verändern kann. Und wir sind fähig, eine solche Serie zu starten. Das Ziel ist klar: Wir wollen am Ende über dem Strich stehen. Die Mannschaft hat den Glauben an sich nicht verloren.
Was genau stimmt Sie zuversichtlich?
Wille, Einsatz und Leidensfähigkeit gegen Marienborn II, Finthen und Mommenheim haben gezeigt, dass wir auch solche Gegner kontrollieren können. Die Jungs rücken in der Krise noch enger zusammen, statt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Zudem wissen wir, dass wir in Gundersheim und Flomborn, unserem aktuellen Spielort, ein Umfeld und Fans haben, die uns gerade in solchen Phasen bedingungslos den Rücken stärken.
Angenommen, Sie müssen am Ende trotzdem in die A-Klasse: Was würde das für den Verein bedeuten?
Mit diesem Ausgang will ich mich eigentlich noch gar nicht befassen. Ein Abstieg wäre sportlich zweifellos ein herber Rückschlag, den wir mit aller Kraft verhindern wollen. Aber der VfL Gundersheim ist ein grundsolider Verein. Strukturell sind wir gut aufgestellt, und die Identität des Vereins hängt nicht allein von der Spielklasse ab. In so einem Fall würden wir die Ärmel hochkrempeln und versuchen, den „Betriebsunfall“ durch eine schnelle Rückkehr zu korrigieren. Aber wie gesagt: Ich glaube nicht daran, dass dies eintreten wird.
Werden Cheftrainer Kevin Boos und Sie ligaunabhängig bleiben?
Kevin und ich identifizieren uns zu 100 Prozent mit dem Verein. Es gilt aktuell jedoch den Fokus auf den Saisonendspurt zu richten. Gespräche finden statt, jedoch ordnen wir diese nachrangig ein. Wir wollen alle Kräfte für unser Ziel „Klassenerhalt“ bündeln.