Begann beim Uedemer SV, wurde dann später Profi beim VfL Bochum: Andreas Wessels.
Begann beim Uedemer SV, wurde dann später Profi beim VfL Bochum: Andreas Wessels. – Foto: Sascha Köppen

Andreas Wessels: „Endlich ist Bochum wieder erstklassig“

Der Uedemer Andreas Wessels stand fast zehn Jahre beim Traditionsverein, der zurück in der Bundesliga ist, im Tor.

Mehr als 250 Spiele absolvierte der heute 56-jährige Andreas Wessels in der Ersten und Zweiten Bundesliga – die meisten für den VfL Bochum. Nach seiner Jugendzeit beim Uedemer SV wechselte der Torhüter über den SC 63 Kleve zum damaligen Oberliga-Klub Viktoria Goch. 1986 verpflichtete ihn der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet, wo Wessels sich zunächst hinten anstellen musste. Ralf Zumdick war damals Stammtorhüter. In der Spielzeit 1989/90 stieg Andreas Wessels zur Nummer eins auf. Mit 34 Jahren musste er seine Karriere beenden. Grund dafür war eine Verletzung im Sprunggelenk. Sie machte ihn zum Sportinvaliden.

Wo waren Sie beim letzten Spieltag der Zweiten Fußball-Bundesliga?

Andreas Wessels Zuhause vorm Fernseher. Zusammen mit meinen drei Jungs habe ich mir angeschaut, wie der VfL Bochum den SV Sandhausen mit 3:1 besiegte und jetzt endlich wieder erstklassig ist. Zur Feier des Tages habe ich mir einen guten Wein gegönnt.

Was trauen Sie dem VfL in der nächsten Saison zu?

Wessels Ich hoffe, dass es so ähnlich läuft wie bei Arminia Bielefeld. Denn jetzt den Tresor aufmachen und riesige Summen investieren, kann der Verein nicht. Der VfL hat es schon zu meiner Zeit verstanden, gute Nachwuchsspieler zu holen und gestandene Profis teuer zu verkaufen. Mit mir kamen damals mehrere Männer aus der Oberliga. Darunter waren Leute wie Rob Reekers oder Jupp Nehl. Zum selben Zeitpunkt wechselte dann Stefan Kuntz für ordentlich Geld nach Bayer Uerdingen.

Wer hat Sie damals entdeckt?

Wessels Hermann Gerland, der jetzt beim FC Bayern verabschiedet wurde, hat mich damals von Viktoria Goch geholt. Den Tipp bekam er von Erich Rutemöller. Nach zwei Jahren auf der Bank stand ich für Ralf „Katze“ Zumdick im Tor. Das war nicht schlecht, weil ich mich so an das Tempo in der Bundesliga gewöhnen konnte. Mein erstes Bundesliga-Spiel war gegen Werder Bremen. Am Ende hieß es 0:0. Viele Fehler kann ich da nicht gemacht haben.

Sind Sie noch regelmäßig im Stadion?

Wessels Nein, das bin ich nicht. Zuletzt war es 2018. Damals wurde ein Jubiläum gefeiert. Der Verein hatte etliche ehemalige Spieler eingeladen. Wir haben auf dem Rasen ein Foto gemacht. Anschließend hat der VfL dann gegen den 1. FC Köln mit 0:3 verloren. Ich interessiere mich aber für alles, was rund um den VfL passiert. Es ist eben der Verein, bei dem ich fast zehn Jahre gespielt habe.

Treffen Sie sich noch mit ehemaligen Mitspielern?

Wessels Meine Zeit beim VfL ist jetzt mehr als 30 Jahre her. Mit ein, zwei Jungs, wie etwa Uwe Wegmann, telefoniere ich noch gelegentlich. Aber irgendwann bricht der Kontakt dann zu den meisten ab. Jeder geht seinen Weg, hat den Verein gewechselt und verändert sich beruflich.

An Fußball-Tradition ist das Ruhrgebiet reich. Mit Borussia Dortmund und dem VfL spielen zwei Klubs in der Ersten Liga. Zu wenig?

Wessels Im Ruhrgebiet besitzt der Fußball einen besonderen Stellenwert. Für viele Menschen ist er ein Stück ihres Lebens. Vereine wie Schalke 04, MSV Duisburg, Rot-Weiß Oberhausen oder Rot-Weiss Essen haben nicht nur Tradition, sondern auch viele Fans. RW Essen ist für mich das beste Beispiel. Das ist ein schlafender Riese, der es leider irgendwie nie packt, nach oben zu kommen.

Was ärgert Sie am heutigen Profi-Fußball?

Wessels Der Videobeweis. Da sitzen Schiedsrichter in einem Keller in Köln und bekommen dafür auch ordentlich Geld. Dabei werden hier mehr Fehlentscheidungen getroffen, als würde das Spiel einfach weiterlaufen. Die Emotionen im Stadion werden dadurch auch abgewürgt. Die Fans müssen jetzt nach jedem Treffer ein paar Minuten warten, bevor im Keller geklärt ist, ob das Tor regelgerecht erzielt wurde. Erst dann kann im Stadion gejubelt werden.

Haben Sie damals keine ungerechten Treffer kassiert?

Wessels Auf jeden Fall. Ich musste auch Tore schlucken, die der Schiri nie geben durfte. Aber auch wenn es zu den größten Phrasen im Fußball gehört, so bin ich der Meinung: Das gleicht sich wirklich alles aus.

Verfolgen Sie noch den Fußball im Klever Raum?

Wessels Ich finde es schade, dass dort kein höherklassiger Fußball zu sehen ist. Viktoria Goch ist mittlerweile in der Bezirksliga angekommen. Der 1. FC Kleve ist immerhin noch Oberligist. Aber mir ist ebenso klar, dass es ohne Großsponsor keine Möglichkeiten gibt, Regionalliga oder Dritte Liga zu spielen. Das war damals bei Viktoria nicht anders. Ohne Werner Derksen, dem einmal die Allkauf-Kette gehörte, hätten wir auch nicht in der höchsten Amateurklasse gespielt. Mannschaften wie RW Oberhausen oder Rot-Weiss Essen waren damals nahezu Stammgäste bei der Viktoria.

Was machen Sie heute?

Wessels Ich lebe in Köln und bin Betreiber der größten Fußballhalle Europas. Zudem habe ich noch meinen Fußballlehrer gemacht. Man weiß ja nie, was im Leben noch so kommt.

Aufrufe: 3.6.2021, 08:00 Uhr
RP / Peter JanssenAutor

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