Heiko Lambert kann seine Mannschaft derzeit nicht anfeuern.
Heiko Lambert kann seine Mannschaft derzeit nicht anfeuern. – Foto: Sascha Gernhardt

"Teamkasse ist okay, mehr sollte es nicht geben"

Weil es bei Concordia Britz kein Geld zu holen gibt, sind die Jungs derzeit nicht so motiviert, sich während der Corona-Pause fit zu halten. Dabei geht Ihnen der Rhytmus verloren und der Platz im Mittelfeld könnte dem Abstiegskampf im nächsten Jahr weichen. Trainer Heiko Lambert lobt aber den sozialen Zusammenhalt seiner Mannschaft.

Ein Interview von Marcel Peters - https://www.facebook.com/AmateurberichterstattungMarcelPeters/ - regelmäßig Berichte über Berliner und Brandenburger Amateurfußballer oder Vereine. Gesprächspartner: Heiko Lambert
Heiko, seit dem vergangenen Wochenende, bis zum 22.12., soll es, mit einer Ausnahme, jeden Tag Fußball zu sehen geben. Ein kleiner Trost in dieser schwierigen Zeit?
Nein, nicht wirklich.

Findest du es denn prinzipiell in Ordnung, dass die Profis ihrem „Job“ nachgehen dürfen?
Nein, auch nicht. Sie gehen abends auch zu ihren Freunden oder Familien und führen außerhalb ein normales Leben, wie jeder hier.

Also für dich sollten eher alle pausieren oder alle spielen dürfen?
Ja, genau.

Würdest du denn gerne auf dem Platz stehen, oder kannst du die Pause an sich schon nachvollziehen?
Eigentlich kann ich die Pause schon verstehen, aber ob ich in den Öffentlichen fahre und mir das Virus dort einfange, wo die Gefahr viel höher ist, oder auf dem Platz - die Situation ist einfach scheiße.

Denkst du, die Pause tut auch deiner Mannschaft nicht gut?
Nein, die Pause ist negativ für uns. Dadurch, dass es bei uns keinen Pfennig Geld gibt, sind die Jungs aber auch nicht wirklich motiviert, was zu tun. Und dann kommen die Verletzungen, wenn es wieder los geht. Rhythmus ist das A und O.

Wie bewertest du denn die bisherige sportliche Lage mit zwei Siegen und zwei Niederlagen?
Die Ausbeute bisher ist völlig okay. Wir konnten nie mit der gleichen Truppe spielen und dafür befinden wir uns in einer guten Lage.

Zum Auftakt gab es aber schon eine herbe Niederlage. Wie wurde damit umgegangen, musste man schlimmes für die Saison erwarten?
Nein, auf keinen Fall. Wir haben gegen Teutonia in der ersten Halbzeit ein Top-Spiel gemacht, aus dem nichts fällt dann das 1:0, wir hatten davor aber schon einen Elfmeter verschossen. Mit dem ersten Treffer war die Messe gelesen, jeder Schuss ein Treffer.

Wie baut man die Jungs nach so einem Spiel auf?
Indem man an ihre Stärke appelliert und ihnen immer wieder klarmacht, dass es so komische Spiele im Fußball nun mal gibt. Die Reaktion hatten wir ja im nächsten Spiel gezeigt.

Welches Ziel hat man sich für die Landesliga-Saison gesetzt?
Wir wollen im Mittelfeld landen. Da es nur wenige Spiele gibt, müssen wir uns in jedem reinhängen. Wir wollen bloß keinen Abstiegskampf.

Ist denn mit einer Mannschaft, die nach deinen Aussagen, kein Geld bekommt, in Zukunft mehr drin, oder wird man sich immer im Mittelfeld oder Abstiegskampf wiederfinden?
Das kommt auf die Jungs an, ob sie wollen. Mit DJK SW Neukölln sind wir auch ohnen Geld bis in die Berlin-Liga marschiert.

Ist es für dich verständlich, dass bei anderen Vereinen in diesem Bereich schon Geld bezahlt wird?
Nein, das ist absoluter Dreck. Teamkasse ist okay, mehr sollte es nicht geben.

Welche Werte sind in deiner Mannschaft von großer Bedeutung ?
Das Team hält außerhalb des Platzes stark zusammen, sie sind auch im sozialen Bereich sehr verbunden. In einem Vivantes Hospiz, das ist jetzt ein Beispiel, hat die Truppe den Garten gestaltet.

Gestern wurde entschieden, dass es nun frühestens im Januar weitergeht. Was dürfte das für ein Gefühl werden, wenn man nach dem Jahreswechsel alle wieder sehen kann und endlich wieder dem Ball nachjagen darf?
Das wäre super, aber ich glaube nicht dran. Frühestens im März werden wir uns wiedersehen, denke ich.
Aufrufe: 026.11.2020, 08:49 Uhr
Marcel PetersAutor

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