
In diesen Tagen steigt das Fußballfieber bei den Fans des VfB 03, denn im 13. Jahr ihrer Oberliga Niederrhein-Zugehörigkeit steht die Hildener Mannschaft vor dem ganz großen Coup – dem Aufstieg in die Regionalliga. Aktuell führt das Team von Tim Schneider die Tabelle mit einem Punkt Vorsprung auf Verfolger Ratingen 04/19 an. Und wenn es nach dem Trainer geht, soll sich daran bis zum Saisonende auch nichts mehr ändern. Bereits am Sonntag kann der VfB 03 im Heimspiel gegen den 1. FC Monheim ein weiteres Ausrufezeichen setzen.
Der Spieler mit der größten Aufstiegserfahrung ist Pascal Weber. Als die Hildener 2013 den Sprung in die Oberliga schafften, zählte er gemeinsam mit Fabian zur Linden zu den Stammkräften jener Mannschaft, die Michael Kulm in die vierthöchste Klasse in Deutschland führte. Der erfahrene Chefcoach verdiente sich zuvor Trainermeriten bei Rot-Weiss Essen und hatte dort unter anderem einen gewissen Mesut Özil unter seinen Fittichen – der junge Kicker fand später nicht nur den Weg in die Bundesliga, sondern auch in die Nationalmannschaft. In Hilden leistete Michael Kulm von 2009 bis 2013 Aufbauarbeit und führte die Mannschaft innerhalb von vier Saisons aus der Landes- in die Oberliga.
Als Pascal Weber längst zu den etablierten Kräften im Oberliga-Team zählte, ging er im Endspurt der Saison 2014/15 noch einmal drei Klassen zurück und half der zweiten Herrenmannschaft unter der Regie von Sascha Borsic, den Aufstieg in die Bezirksliga zu realisieren. „Das ist vielleicht kein richtiger Aufstieg für mich, aber ich war dabei“, erzählt er schmunzelnd. Immerhin lief er in den letzten acht Meisterschaftspartien von Beginn an auf – in fünf davon über die volle Distanz, in den drei anderen wurde er kurz vor dem Abpfiff ausgewechselt. Seine Bilanz war mit sieben Toren und einem Assist sehenswert, lediglich in zwei Spielen blieb er ohne persönliches Erfolgserlebnis.
Seinen dritten Aufstieg erlebte Pascal Weber fern seiner Heimatstadt im rund 50 Kilometer entfernten Krefeld. Es war jene Zeit, als der damalige Sportstudent endlich einmal Profiluft schnuppern wollte, sich dabei in der Winterpause 2022/23 gegen ein Engagement beim SV Straelen entschied und stattdessen beim KFC Uerdingen anheuerte. Letztlich landete er mit dem Regionalliga-Absteiger am Ende der Oberliga-Saison auf dem sechsten Platz, während sein Heimatklub den Vizetitel feierte.
Ein Jahr später holte Weber Versäumtes nach. Nicht alles lief rund beim KFC, aber im Nachhinein sprach der Hildener von einer lehrreichen Zeit. Zumal er mit dem Verein in der Saison 2023/24 am vorletzten Spieltag mit einem Erfolg über die SpVg Schonnebeck den Aufstieg in die Regionalliga realisierte. In der Nachspielzeit machte Weber vor 6000 Zuschauern mit seinem Treffer zum 3:1 den Sieg endgültig klar. „Die ganze Art und Weise, wie wir aufgestiegen sind, war extrem. Ich habe auch noch das letzte Tor geschossen – danach hat der Schiedsrichter gar nicht mehr angepfiffen. Von den 6000 Zuschauern sind gefühlt 4000 auf den Platz gestürmt. Ich war umringt und jeder hat mich gedrückt, ich kam gar nicht mehr runter vom Platz. Irgendwann war das schon etwas beängstigend, aber es war eine geile Erfahrung“, erinnert er sich mit glänzenden Augen. Die Früchte des Erfolges erntete Pascal Weber jedoch nicht. Zwar hatte sich sein Vertrag mit dem Regionalliga-Aufstieg automatisch verlängert, doch später lösten Klub und Fußballer die Vereinbarung im beiderseitigen Einverständnis auf.
2013 lief noch alles etwas beschaulicher auf der Anlage an der Hoffeldstraße ab. Gleichwohl haben sich auch diese Eindrücke im Gedächtnis von Pascal Weber eingebrannt. „Diese Emotionen kann man gar nicht in Worte fassen. Das ist das pure Adrenalin. Damals waren wir so eine Feierabendtruppe, haben sehr viel privat zusammen gemacht.“ Am Ende hatten die Hildener 64 Punkte auf dem Konto, dabei acht Zähler Vorsprung auf den Verfolger ASV Süchteln. 19 Siege, sieben Unentschieden und vier Niederlagen standen in der Statistik. „Die Stimmung war super. Natürlich gab’s auch Bierduschen. Wir haben ein großes VfB-Banner auf den Kunstrasen gelegt, mit Wasser bespritzt und sind darüber gerutscht“, berichtet Weber von der ausgelassenen Freude und erzählt: „Selbst Michael Kulm, der sonst so reserviert war, hat mitgemacht. Ich bin froh, dass er mich damals etwas diszipliniert hat – das hatte mir gefehlt.“
Gegen einen weiteren Aufstieg in seiner Karriere hat Pascal Weber nichts einzuwenden. Ein Sieg im Heimspiel gegen den 1. FC Monheim ist dabei Pflicht. Was spricht für den VfB 03? „Wir haben in der Rückrunde verstanden, wie wir Fußball spielen müssen. Mit hundert Prozent Leidenschaft. Jeder muss für jeden spielen und wir müssen beständig die Ruhe bewahren“, antwortet Pascal Weber und betont: „Wenn wir das schaffen, wird es schwer, uns zu schlagen. Ich hoffe, dass wir am Sonntag in der besten Verfassung sind.“