
Der SGV Freiberg geht als Spitzenreiter in die zweite Saisonhälfte der Regionalliga Südwest. Trainer Kushtrim Lushtaku spricht über Lernprozesse, defensive Stärke, mentale Reife – und warum am Ende nur Ergebnisse zählen.
Eine Hinrunde in Lektionen
Der Tabellenführer der Regionalliga Südwest hat eine bewegte erste Saisonhälfte hinter sich. 41 Punkte aus 20 Spielen, ein Torverhältnis von 43:18 und Platz eins – doch der Weg dorthin war nicht linear. Trainer Kushtrim Lushtaku blickt analytisch zurück: „Wir haben jede Phase gründlich analysiert, ich denke, dass ich als Trainer geprägt worden bin von diesen Situationen, dementsprechend auch die Spieler.“ Freiberg habe aus dem furiosen Start ebenso gelernt wie aus der Durststrecke. Entscheidend sei die Perspektive: „Nichtsdestotrotz denken wir an das was kommt und sind gut vorbereitet, wir haben gelernt.“
Spitzenreiter ohne Druckgefühl
Der Vorsprung auf Verfolger SG Sonnenhof Großaspach beträgt nur einen Punkt. Für Lushtaku ist das kein Belastungsfaktor. „Ich denke es wird sich zeigen sobald die ersten Spiele der Restrunde gespielt sind, wie man reinstartet.“ Seine Mannschaft verspüre „keinen Druck“, gehe aber „in jedes Spiel um zu gewinnen“. Diese Haltung passt zur Tabellensituation: Hinter Freiberg (41 Punkte) lauert Großaspach (40), dahinter folgen Mainz II (34), Frankfurt (33) und Sandhausen (33). Die Liga bleibt eng.
Feinschliff statt Systemwechsel
Das Trainingslager in der Türkei bot erstmals längere Arbeitsphasen ohne Spieltagsrhythmus. Grundsätzlich vertraut Lushtaku seiner Spielidee: „Ich denke mit unserer Spielweise fahren wir ziemlich gut.“ Dennoch wurde nachjustiert: Man habe „an der eine oder anderen Taktik gefräst um noch schärfer zu Torchancen zu kommen“. Die Vorbereitung beschreibt er als „ziemlich hart“, sowohl „was Physis, Kondition und das Mentale betrifft“. Ziel war nicht nur taktische Schärfe, sondern Widerstandsfähigkeit.
Beste Defensive – und doch Luft nach vorn
Mit nur 18 Gegentoren stellt Freiberg die stabilste Defensive der Liga. „Das ist natürlich top, dass wir so stark in der Defensive stehen“, sagt Lushtaku. Gleichzeitig sieht er offensiv ungenutztes Potenzial: „Wir haben aber auch ziemlich viel liegen lassen, was die Torausbeute angeht.“ Seine Erwartung ist klar: „Ich erwarte natürlich mehr Fokus und Entschlossenheit bei Torchancen.“ Der Trainer zeigt sich zuversichtlich: „Bin aber guter Dinge, dass sich das bessern wird zur Restrunde.“
Lehren aus der Durststrecke
Die Phase ohne Erfolgserlebnisse war taktisch und mental prägend. „Ich muss sagen wir haben gefühlt jedes Spiel dominiert, auch wenn wir wenig Punkte erbeutet haben in den acht Spielen.“ Die Erkenntnis daraus: „Fokussiert bleiben, geduldig bleiben, ein Spiel geht über 90 Minuten.“ Freiberg müsse lernen, „in der Schlussphase das Spiel ziehen zu müssen – per Einzelaktion oder Kreativität“ Diese Fähigkeit soll im Titelkampf den Unterschied machen.
Türkei als Katalysator
Neben sportlichen Aspekten stärkte das Trainingslager auch das Innenleben der Mannschaft. „Ich denke es war eine schöne Zeit in der Türkei, in der die Spieler nochmal enger zusammengeschweißt worden sind.“ Besonders wichtig war das für die drei Neuzugänge: „Also war es auch für sie nochmal einfacher sich einzuleben in der Truppe.“ Lushtaku beschreibt ein funktionierendes Gefüge: „Meine Mannschaft versteht sich untereinander sehr gut, es herrscht eine tolle Harmonie und das ist sehr ausschlaggebend für Erfolg.“
Erfolg als Maßstab
Auf die Frage, woran man den Wert der Vorbereitung messen werde, bleibt Lushtaku nüchtern: „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, dementsprechend zählt der Tabellenplatz.“ Im Fußball wie im Leben gelte: „So hart es klingt, man wird am Erfolg gemessen.“ Entwicklung, Harmonie und Lernprozesse seien wichtig – doch am Ende entscheidet die Tabelle.
Historische Chance für Freiberg
Der SGV Freiberg stand noch nie in der 3. Liga. Lushtaku ist seit März vergangenen Jahres Cheftrainer, zuvor arbeitete er zwei Jahre als Co-Trainer im Verein. Nun führt er ein Team an, das defensiv die Liga dominiert und sich im engsten Aufstiegsrennen behauptet. Hinter Freiberg kämpfen Großaspach, Mainz II, Frankfurt und Sandhausen um jeden Punkt. Die Restrunde wird zum Härtetest – sportlich, mental und strukturell.