2024-07-12T13:30:11.727Z

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Der SC Erkelenz ist in die Landesliga aufgestiegen.
Der SC Erkelenz ist in die Landesliga aufgestiegen. – Foto: Günter Rosarius

Verschworene Truppe des SC Erkelenz landet den großen Coup

Von wegen der Zweite ist der erste Verlierer: Als Überraschungs-Vizemeister ist der SC 09 Erkelenz in die Landesliga aufgestiegen. Dort spielte er zuletzt 2008. Pascal Thora blickt so auf ein nahezu perfektes erstes Trainerjahr zurück.

Im Januar 2023 war Sven Börstinghaus zum neuen Vorsitzenden des SC 09 Erkelenz gewählt worden. Im Gespräch mit dieser Redaktion äußerte er kurz darauf unter anderem diesen Wunsch: „In drei, vier Jahren mal Landesliga zu spielen, fände ich persönlich schon schön.“

Weit schneller als gedacht wird aus diesem Wunsch nun Realität: Als fast schon Sensations-Vizemeister der Bezirksliga, Staffel 4, sind die 09er als zweitbester der vier Bezirksliga-Vizemeister nach nur zwei Jahren in dieser Spielklasse erneut aufgestiegen und spielen fortan in der Landesliga. Dort kickten sie zuletzt in der Saison 2007/2008. Noch Anfang 2020 spielte Erkelenz sogar nur in der B-Liga. Die abgebrochene und nicht gewertete Corona-Saison 20/21 außen vorgelassen, schaffte der Sportclub in den vergangenen vier Spielzeiten also drei Aufstiege.

Nach solchen Erfolgen hatte es im vergangenen Jahrzehnt ganz und gar nicht ausgesehen – im Gegenteil: Nach dem Landesliga-Abstieg 2008 zog sich der Klub 2010 aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig auch aus der Bezirksliga zurück. Der Silvester 2023 verstorbene Franz Frings übernahm das völlig neuformierte Team, konnte den 2011 direkt folgenden Absturz in die B-Liga aber nicht verhindern. Es folgten acht Jahre in der B-Liga – die SC 09-Seele litt mächtig.

Über den rasanten Aufschwung der vergangenen Jahre staunt nun auch Guido Dürbaum, seit 2013 Sportlicher Leiter und Macher der 09er: „Bei meinem Amtsantritt hatte ich gesagt, dass wir 2018 wieder in der Bezirksliga sein wollen – das hat dann ja nicht geklappt. Das haben wir dann zwar 2022 nachgeholt. Aber vergangenen Sommer hatte ich nach den Abgängen der Leistungsträger Sinan Kapar und Robin Louis eigentlich sogar ein eher etwas mulmiges Gefühl, befürchtete, dass wir in der neuen Saison vielleicht sogar unten mit reinrutschen könnten.“

Zumal auch noch auf der sportlichen Kommandobrücke ein Wechsel anstand. Für Erfolgscoach Christian Grün, der eine Pause einlegen wollte, übernahm sein bisheriger Spieler und Co-Trainer Pascal Thora – für den 36-Jährigen war es also das erste Jahr als Cheftrainer. Der feierte dann freilich einen Einstand nach Maß. „Vom Fußballerischen hatte Pascal in den Jahren davor eine ganze Menge von Christian gelernt, und als Kommunikator ist er einfach super. Er hält auch mit seiner Art das komplette Team zusammen“, lobt Dürbaum den Neutrainer – aber eben auch die Mannschaft: „Das ist eine unfassbar intakte Truppe mit einem Durchschnittsalter von gerade mal 23 Jahren. Dazu kommen gleich 70 Prozent der Spieler aus Erkelenz.“

Dazu führt Dürbaum ein Beispiel dafür an, dass sich auch die „Auswärtigen“ mit dem SC 09 vollauf identifizieren: „Vergangenen Samstag haben wir einen Cleaning Day gemacht, einen Saubermachentag rund um unsere Sportstätten. Da haben auch 90 Prozent der Ersten Mannschaft mitgemacht.“

Auch wenn Thora selbst als größte Stärke das Kollektiv ansieht: Einige herausragende Individualisten stehen schon im Team. Angefangen bei Torwart Jacomo Patza, den viele für den mit Abstand besten Torwart der Liga gehalten haben und der die 09er oft im Spiel gehalten hat. Fortgesetzt über den resoluten Abwehrchef Ralf Godlevski und gekrönt von Torjäger Marcel Nickels, der 24 Tore und 13 Assists zum Aufstieg beisteuerte. Oder aber auch zum Beispiel ein Eray Eren, der aus Geilenkirchen stets mit dem Zug nach Erkelenz zu Training und Spiel kommt.

„Seit bereits drei Jahren läuft es in der Truppe wirklich hervorragend. Und der Kader bleibt auch jetzt weitgehend zusammen“, bekräftigt Dürbaum – und kündigt eines schon mal unmissverständlich an: „Auch wenn wir in der Landesliga ein paar Mal hintereinander verlieren sollten, wird es hier definitiv keine Trainerdiskussion geben. Dafür stehe ich ein.“ Auch in der Landesliga soll zudem nur zweimal die Woche trainiert werden.

Bemerkenswert zudem: Beim SC 09 gibt es weder Gehälter noch Punktprämien für den Einzelnen. „Wir zahlen jedem ein kleines Trainingsgeld, dazu kommt pro Punkt ein fester Betrag in die Mannschaftskasse – das ist aber auch schon alles“, versichert Dürbaum.

Große Sorgen bereitet ihm dagegen die Jugendabteilung, bei der es zuletzt heftige Turbulenzen gegeben hat. Und nachdem im vergangenen Jahr – erstmals nach zehn Jahren – wieder Spieler aus der eigenen U19 in den Seniorenbereich gekommen waren, hat der SC 09 zurzeit weder eine A- noch eine B-Jugend – die U15 ist also das älteste Jugendteam. „Dass es also voraussichtlich wieder Jahre dauern wird, bis wir aus der eigenen Jugend schöpfen können, ist eine Katastrophe“, bekennt Dürbaum. Und was die Verbesserung der Infrastruktur angeht, da verfolgt er gerade mit Blick auf die Landesliga vor allem ein Ziel: „Wir müssen uns dringend um den Bau einer kleinen Tribüne am Kunstrasenplatz kümmern. Dafür bin ich nun auf Sponsorensuche.“

Über zusätzliche tatkräftige Mitstreiter würde sich Dürbaum auch freuen: „Die viele Arbeit lastet auf zu wenigen Schultern. Zum Beispiel meine beiden Vorstandskolleginnen Yvonne Wiese und Birgit Penna opfern sich für den Verein auf.“

Aufrufe: 01.6.2024, 09:00 Uhr
Mario EmondsAutor