
Es war wohl der Coup schlechthin, als vor Beginn der kürzlich abgelaufenen Saison in der Kreisliga A Ay-Yildizspor Hückelhoven einen spektakulären Neuzugang bekannt gab: Raffael Gaetano de Araujo – besser bekannt unter dem einen Namen Raffael – schnürt seine Schuhe künftig für Ay-Yildiz: „Wir konnten es am Anfang auch nicht so recht glauben, dass er zu uns kommt. Dann war er einmal beim Training und hat zugesagt und sein Wort gehalten“, erinnert sich Vorsitzender Sinan Igdemir.
Den Kontakt hatte Hückelhovens Trainer Orhan Özkaya hergestellt, der Raffael von gemeinsamen Spielen in der Weisweiler-Elf, der Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach, kennt und auch eine Fußball-Schule mit Raffael anbietet. Nun war er also tatsächlich da, der „Maestro“, der von 2013 bis 2020 als Profi bei Borussia Mönchengladbach aktiv war, nach zuvor schon einigen erfolgreichen Stationen, die ihm unter anderem zwei Schweizer Meistertitel mit dem FC Zürich einbrachten. Auch für Hertha BSC und Schalke 04 war er unterwegs.
Zunächst hieß es, Raffael würde nur die Heimspiele auf dem neuen Kunstrasen in Hückelhoven bestreiten, doch er trat auch in einigen Auswärtsspielen an, vorausgesetzt, die Platzverhältnisse stimmten. Von Beginn an war der Ex-Profi sehr gut in die Mannschaft integriert, was auch Sinan Igdemir anmerkt: „Raffael ist trotz seiner Popularität ein sehr bodenständiger und ruhiger Mensch. Er ist zu allen freundlich, die auf ihn zukommen.“ So nahm der Brasilianer es gerne in Kauf, dass er vor Spielen auch mal Autogramme geben musste oder andere Devotionalien verschenkte: „Wir haben einen ganzen Koffer voll mit Raffael-Trikots. Er war immer bereit, gerade jungen Fans eine Freude zu machen“, so Igdemir.
Doch neben dem medialen Interesse brachte der neue Mann natürlich auch sportlich ganz neue Qualitäten mit. Der 39-Jährige war im gegnerischen Strafraum meistens nur durch Fouls zu bremsen, verwandelte einige Strafstöße auch selbst oder bediente seine Mitspieler aus dem Spiel heraus mustergültig. Raffael harmonierte gut mit dem Team, insbesondere mit der starken Offensive um Sahin Dagistan und Joy-Slayd Mickels. Trotz eines zwischenzeitlichen Brasilien-Aufenthalts kommt Raffael auf 17 Einsätze, in denen er immerhin 15 Treffer markierte.
Die Verantwortlichen bei Ay-Yildizspor sind sich auf jeden Fall einig, dass sich die Aktion mit dem Ex-Profi gelohnt hat, wie der Vorsitzende betont: „Durch ihn kamen noch mehr Zuschauer und allein seine Anwesenheit hat die ganze Mannschaft motiviert. Wir wären sehr froh, wenn Raffael auch in der nächsten Saison in der Bezirksliga, in die wir ja aufgestiegen sind, für uns spielen würde“, hofft Igdemir.
Doch diese Entscheidung steht noch aus, denn der Brasilianer spielt mit dem Gedanken, noch einmal in seinem Heimatland zu spielen. Kontakte zu einem dortigen Drittligisten soll es schon geben, doch Sinan Igdemir hat eine Hoffnung, was den Verbleib des Brasilianers angeht: „Er hat die Familie hier und die Kinder gehen ja auch hier in die Schule. Wir müssen die Entscheidung von Raffael abwarten, doch er hat uns bereits zugesagt, dass er, wenn er nicht nach Brasilen geht, wieder für uns spielen wird. Denn es hat auch ihm Spaß gemacht, ein Teil dieser Truppe zu sein.“
Sicherlich wäre ein weiteres Engagement des 39-Jährigen ein Gewinn für Ay-Yildizspor Hückelhoven, ebenso für die ganze Liga, denn Raffael begeisterte auch gegnerische Anhänger.