
Worms. Bei der letzten Aktion des Spiels und nach einem Vollsprint über den halben Platz wirkte Wormatia-Angreifer Jamal Chinedu Willrich unschlüssig. Die mitgerannten Mitspieler bedienen, selbst schießen oder doch ins Dribbling gehen? Am Ende war die Geschwindigkeit aus der Aktion raus und Willrich hatte den Ball am langen Pfosten vorbeigeschossen. Die Chance war dahin. Willrich haderte, doch schon wenige Sekunden später, der Schiedsrichter hatte die Partie abgepfiffen, klatschte er sich mit seinen Teamkollegen ab und begab sich kurz darauf vor die eigene Fankurve, die die Wormser Mannschaft für ihre Leistung beim 1:1 (0:1)-Unentschieden gegen das Spitzenteam 1. FC Kaiserslautern II lautstark abfeierte.
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Nik Rosenbaum trifft leeres Tor nicht
Auch Wormatia-Trainer Marco Reifenscheidt, der in seinem letzten Heimspiel als Chefcoach der Wormser die wohl beste Saisonleistung seiner Mannschaft erlebt hatte, hüpfte singend mit. Gegen die Zweitvertretung des Zweitligisten, dem Topangriff der Liga (119 Tore in 33 Spielen), hatten die Wormser sich nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem frühen Rückstand in der dritten Minute (FCK-Angreifer Oskar Prokopchuk hatte den Ball nach einem Abpraller ins Wormatia-Tor geköpft), ins Spiel gebissen und dem Favorit ein Duell auf Augenhöhe geboten.
Ein Duell, das die Gäste im ersten Durchgang mit der Führung im Rücken zunächst kontrollierten, auf das die Wormatia aber nach rund 20 Minuten immer mehr Zugriff bekam. Wormatia-Kapitän Sandro Loechelt freute sich nach dem Abpfiff über eine Leistung seiner Mannschaft, auf „die wir nach langer Zeit mal wieder richtig stolz sein können” und erklärte: „Auf dem Platz hat am Anfang die Zuteilung und das Anlaufen bei uns nicht gepasst, aber das haben wir dann immer besser in den Griff bekommen.”
Die größte - und zugegebenermaßen auch einzige Wormser Torchance im ersten Durchgang – entstand jedoch nach einem Freistoß aus dem Halbfeld. Innenverteidiger Jason Onyejekwe, einer der besten Wormaten an diesem Abend, gewann sein Kopfballduell und köpfte den Ball an den zweiten Pfosten, an dem Mittelfeldspieler Nik Rosenbaum völlig blank stand, den Ball aber aus kürzester Entfernung am rechten Pfosten vorbei schoss (41.).
Oberliga-Fußball vor Prominenz
Nach der Pause entwickelte sich ein hochintensives Fußballspiel, in dem die Wormser Saison-Rekordkulisse von 1208 Zuschauern, darunter auch FCK- Geschäftsführer Thomas Hengen und Zweitliga-Cheftrainer Torsten Lieberknecht, voll auf ihre Kosten kam (Reifenscheidt: „Wir wollten das Stadion nochmal anzünden“). Oberliga-Torjäger Shawn Blum (25 Saisontore), Kapitän Marius Bauer und Angreifer Prokopchuk hatten mehrere hochkarätige Abschlusschancen für den FCK und weitere Gäste-Tore auf dem Schlappen. Bei den Wormaten fehlten Stürmer Erijon Shaqiri (55., 56.), Kapitän Loechelt (64.), Mert Özkaya (66.), Luca Manganiello (86.) und zuletzt Willrich die Präzision im Abschluss. Effizienz zeigte allerdings VfR-Angreifer Andre Gitau – und Coach Reifenscheidt, dass er bei seiner Spielerwahl einen guten Riecher hatte. Denn mit seinem ersten Ballkontakt bugsierte der Joker das Spielgerät ins Tor. FCK-Schlussmann Enis Kamga war der Ball nach einem Laurenz Graf-Kopfball aus den Händen geflutscht und Gitau per Abstauber sofort zur Stelle (78.).
Die Wormatia war endgültig in der Partie angekommen und das Duell längst ein offener Schlagabtausch. Für die zunehmende Leistungssteigerung der Wormser hatte Sandro Loechelt eine Erklärung. „Wir haben gemerkt, dass wir, wenn wir ihre erste Pressing-Phase überspielen, Räume finden und Möglichkeiten bekommen. Aber das Überspielen ist uns erst nach und nach gelungen.”
Das packende Oberliga-Duell und die leidenschaftlich dagegenhaltende Wormatia begeisterte die Wormser Fans, die den Auftritt mit lautstarker Unterstützung, Fan- und Wechselgesängen und einer dem Flutlicht und dem starken Gegner angemessenen Lautstärke honorierte. Sandro Loechelt sagt mit etwas Wehmut: „Wenn man unser heutiges Spiel sieht und wie dann auch die Stimmung bei uns ist, ist es einfach schade, wie die Saison verlaufen ist. Trotzdem ist es schön, dass wir zumindest einen guten Abschluss zeigen konnten.”