
Chantal Fath hat der Frauen-Verbandsliga Württemberg in dieser Saison ihren Stempel aufgedrückt. 24 Tore in nur 16 Spielen, dazu der erste Platz in der Torjägerliste: Die Angreiferin der SG Altheim wurde zur herausragenden Figur eines Aufsteigers, der sich auf Rang sechs behauptete und dabei auch besonders von ihrer Entschlossenheit lebte.
Eine Zahl, die für sich spricht
Es ist eine jener Zahlen, die auch ohne Ausschmückung wirken: 24 Tore, 16 Einsätze. Chantal Fath steht damit vor Clara Lorenz vom SV Jungingen, die auf 16 Treffer kam, und vor Lene Berner vom SV Eutingen mit 15 Toren. Dass Fath sechs Partien weniger bestritt als manche Konkurrentin, schärft das Bild zusätzlich. „Ich freue mich natürlich riesig, dieses Jahr den ersten Platz in der Verbandsliga als Torjägerin erreicht zu haben“, sagt die 25-Jährige. „Trotz Verletzung und sechs Spielen weniger hat es geklappt.“ Diese Bemerkung ist kein Triumphgeheul, sondern eher eine nüchterne Bilanz, wie sie zu einer Spielerin passt, die ihre Wirkung aus Klarheit gewinnt. Ihre Tore waren nicht nur statistischer Schmuck. Sie gaben der SG Altheim Richtung, sie verschafften dem Aufsteiger Stabilität und machten aus einem persönlichen Neustart eine der auffälligsten Geschichten dieser Verbandsliga-Saison.
Der Neustart nach dem Zweifel
Der Wechsel zur SG Altheim war für Chantal Fath kein gewöhnlicher Schritt, sondern eine Entscheidung an einer inneren Weggabelung. Nach Jahren bei Granheim, wo sie in vier Spielzeiten 58 Partien und 20 Tore verzeichnete, suchte sie noch einmal das höhere Niveau. „Für mich gab es nur zwei Optionen, entweder ich höre mit Fußballspielen auf oder ich mache weiter in Altheim“, sagt Fath. Trainer Kottmann und ihr Vater hätten sie motiviert, nicht aufzuhören, sondern bei der SG Altheim neu zu beginnen. In der vorherigen Saison habe sie „teilweise die Freude am Fußball verloren“ und sei sehr unsicher gewesen. Umso stärker wirkt nun der Kontrast: Aus dem Zweifel wurde Verlässlichkeit, aus dem Neubeginn ein sportlicher Aufbruch. Altheim bekam nicht nur eine Torjägerin, sondern eine Spielerin, die den eigenen Antrieb wiedergefunden hat. Dass dieser Weg so schnell in die Spitze der Liga führte, erzählt viel über Mut, Umfeld und den richtigen Moment. Er kam für Chantal Fath genau zur rechten Zeit, sportlich betrachtet.
Eine Rückennummer als leises Bekenntnis
Zu den leisen, aber prägenden Motiven dieser Saison gehört die Rückennummer 10. Chantal Fath trägt sie in Altheim wie einst ihr Vater, von dem sie, wie sie sagt, das Fußballspielen gelernt hat. „Das bedeutet mir tatsächlich am meisten“. Ihr Vater sei immer dabei, „egal wie weit das Spiel entfernt ist“. Solche Sätze erklären keine 24 Tore, aber sie erklären den Boden, auf dem sie entstanden sind. Fußball ist bei Fath nicht nur Ergebnis, Tabelle und Abschlussqualität, sondern auch Herkunft. Der Dank an den Vater steht deshalb nicht neben der Saison, sondern mitten in ihr. In einem Jahr, in dem sie nach Unsicherheit wieder Halt fand, wurde die Zehn zu mehr als einer Nummer. Sie wurde zum sichtbaren Zeichen eines Neustarts mit vertrauter Begleitung. Und sie passte zu einer Spielerin, die Verantwortung nicht sucht, um sich zu zeigen, sondern um Spiele zu prägen, wenn es wirklich zählt.
Ein Aufsteiger mit bemerkenswerter Ruhe
Die SG Altheim beendete die Saison mit 37 Punkten auf dem sechsten Platz, hinter dem VfB Stuttgart II, dem SV Eutingen, den VfL Sindelfingen Ladies, dem 1. FC Donzdorf und der SGM Oppenweiler/Sulzbach. Für einen Aufsteiger ist diese Platzierung mehr als nur solide. Zwölf Siege, ein Unentschieden und neun Niederlagen ergeben eine Bilanz, die von Anpassung, Widerstand und Entwicklung erzählt. Chantal Fath bewertet das entsprechend: „Dass wir als Aufsteiger den sechsten Platz erkämpfen konnten, trotz der Verletzungen, ist eine starke Teamleistung.“ Zufrieden sei sie sehr, weil die Mannschaft zusammenhalte und die Trainer auf jede Spielerin zugingen. Gerade darin liegt der Wert dieser Saison. Altheim war nicht abhängig von einem einzigen Namen, auch wenn Fath viele Spiele entschied. Jessica Ganz steuerte 14 Tore bei, die Mannschaft erzielte insgesamt 55 Treffer. Faths Glanz lebte also auch vom Kollektiv. In dieser Verbindung aus individueller Spitze und gemeinsamer Stabilität fand der Neuling seinen Platz im Mittelfeld der Liga und mit bemerkenswerter innerer Ruhe.
Die Schnelligkeit der Entscheidung
Was Chantal Fath ausmacht, beschreibt sie ohne große Pose. Fußball sei zunächst Mannschaftssport, der Erfolg deshalb klar der Mannschaft gewidmet. Erst danach spricht sie über die eigenen Mittel: Grundschnelligkeit, wenig Zögern vor dem Tor, Beidfüßigkeit, Torsicherheit. Ergänzen möchte sie vor allem „den Willen, immer besser zu werden“. Die Daten stützen diese Selbstbeschreibung. Mehr als nur ein Treffer gelangen ihr regelmäßig: Dreimal traf sie beim 3:0 in Jungingen, zweimal beim 5:1 gegen den 1. FC Donzdorf, zweimal beim 5:0 gegen den SV Musbach, zweimal bei der Niederlage gegen den SV Eutingen, dreimal beim 6:0 gegen den TSV Münchingen, zweimal beim 3:2 in Musbach und dreimal beim 4:1 gegen die VfL Sindelfingen Ladies. Diese Häufung zeigt, dass Fath Spiele nicht nur eröffnet, sondern kippen oder abschließen kann. Vor dem Tor sucht sie offenbar nicht den kunstvollen Umweg, sondern die schnellste Entscheidung.
Ein Bekenntnis zu Altheim
Der erste Platz in der Torjägerliste ist für Chantal Fath kein Schlusspunkt. Ihre Ziele bleiben konkret: besser werden, in der kommenden Saison wieder Torjägerin werden, an der Schusstechnik arbeiten und nach der Verletzung mehr Ausdauer aufbauen. Dass höherklassige Vereine angefragt haben, bestätigt sie, hält die Namen aber bewusst zurück, „um eine gewisse Unruhe zu vermeiden“. Der entscheidende Satz folgt sofort: „Ich bleibe in Altheim und bin sehr zufrieden.“ Auch das passt zu dieser Geschichte, in der nicht der schnelle nächste Schritt, sondern die wiedergewonnene Freude zählt. Abseits des Platzes arbeitet Fath beim Steuerberater als Steuerfachangestellte und absolviert nebenher eine Weiterbildung mit Abendunterricht zur Steuerfachwirtin. Sie läuft gerne draußen, steht oft auf dem Sportplatz und trainiert für sich selbst. So entsteht das Bild einer Torjägerin, deren Ehrgeiz nicht laut sein muss, um weit zu tragen. Ihre Saison war deshalb mehr als eine Bestmarke: Sie war ein Bekenntnis zu Altheim, zur Arbeit und zur Entwicklung. Nun will sie Schritt für Schritt weitergehen.