– Foto: Sascha Köppen

Wir wird ein 57-Prozent-Meister?

Verbandsliga, Landesliga Rhein-Neckar & Kreisliga Heidelberg +++ Ein Blick in die letzten zwei Jahrzehnte Amateurfußball fördert teilweise Erstaunliches zu Tage +++ Was wäre, wenn es im Fußball keine Rückrunde gäbe

Seit letzter Woche ist der Re-Start in den Spielbetrieb des Amateurfußballs um ein gutes Stück realistischer geworden. Zumindest die Vorrunde könnte beendet und schließlich über Meister, Aufsteiger und Absteiger gewertet werden.

Da lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, um eine Reverenz zu bekommen, wie oft die Platzierungen nach einer halben Saison ebenso am Ende Bestand hatten. Wie oft wurde ein Herbstmeister am Ende auch Meister? Welche Mannschaft legte einen Sturm auf die Spitzenplätze oder aus dem Tabellenkeller zur Rettung hin und wer ging den umgekehrten Weg? Wir haben die letzten 17 Spielzeiten der Verbandsliga, 18 Runden der Landesliga Rhein-Neckar sowie 16 Saisons der Kreisliga Heidelberg unter die Lupe genommen. Die wichtigste Statistik vorneweg: Aus diesen insgesamt 51 Spielzeiten wurde 29 Mal der Herbstmeister auch Meister – das macht 57 Prozent.

Verbandsliga:

In Nordbadens höchster Spielklasse gab es die häufigsten Wechsel an der Tabellenspitze. Nur acht Mal blieb dort der Herbstmeister seit 2002/03 bis zum Ende ganz oben. Genauso oft "drängelte" sich der Zweite noch vorbei. Besonders interessant: In den letzten sechs Jahren passierte das fünf Mal. Der letzte Halbzeitmeister, der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ, war die TSG Weinheim 2016/17. Im Jahr zuvor sorgten die Zweiburgenstädter für einen großen Sprung vom siebten auf den zweiten Rang.

Es gab aber einen Klub, dem eine noch größere Sensation gelang. Vor 16 Jahren düpierte der ASV Durlach die gesamte Konkurrenz und kletterte von Rang acht zur Halbzeit bis zur Meisterschaft. Die damalige Saison 2004/05 hatte eine weitere Besonderheit zu bieten. Als Vorletzter mit gerade einmal neun Punkten ausgestattet, stand der FC-Astoria Walldorf unmittelbar vor dem Abstieg. Doch mit einigen hochkarätigen Transfers (u.a. kamen Adil El Barhami und Robert Radtke zur Winterpause) verbesserten sich die Walldorfer auf Platz acht und hatten nach 34 Spieltagen 43 Punkte gesammelt.

Weitere "Kletterkönige", die den Abstieg verhinderten, waren der VfB Leimen – 2002/03 von 14 auf 9 – zwei Mal die SG Heidelberg-Kirchheim – 2006/07 von 17 auf 12 und 2007/08 von 16 auf 10. Nicht ganz so spektakulär, aber erfolgreich hievten sich der FC Zuzenhausen 2017/18 von 13 auf 10 und der TSV Wieblingen 2018/19 von 14 auf 12. All diese Klubs wären nach der Vorrunde abgestiegen. Den umgekehrten Weg schlug 2008/09 der SV Sandhausen II ein. Vom achten auf den 15. Platz befanden sich die Hardtwälder damals im freien Fall Richtung Landesliga.

Landesliga Rhein-Neckar:

In der Landesliga wurde der Herbstmeister in den vergangen zwei Jahrzehnten deutlich häufiger, In elf von 18 Fällen, Meister. Einsame Spitze dabei ist der SV Sandhausen II, dem dies gleich drei Mal gelang (2008/´10/´12). Für die besten Rückrunden aus späterer Meister-Sicht sorgten 2002/03 der TSV Viernheim, 2015/16 der VfB Eppingen und 2016/17 der VfB Gartenstadt, die allesamt vom vierten auf den ersten Platz durchstarteten. Ab nach unten ging es 2002/03 für den FC St.Ilgen. Der Herbstmeister hatte als Fünfter am Ende nichts mehr mit dem Aufstieg zu tun.

Dem VfB St.Leon würde es besonders wehtun, wenn dieses Mal nur eine Vorrunde gewertet würde. Die Elf von Benjamin Schneider ist der klassische Spätstarter, der fast schon traditionell in der zweiten Saisonhälfte das Feld von hinten aufrollt. Bei seinen zwei Vizemeisterschaften lagen die Gelb-Schwarzen zur Pause einmal auf Rang fünf (2013/14) und einmal an Position acht (2016/17). Das ist aber nicht der Kletter-Rekord für einen späteren Vize. Dem TSV Amicitia Viernheim gelang 2012/13 das Kunststück vom zehnten auf den zweiten Rang zu stürmen.

Die Achterbahn-Saison schlechthin spielte sich 2006/07 ab. Zwar behielten die Top Zwei (SpVgg Amicitia Viernheim und SG Dielheim ihre Plätze), dafür ging es dahinter wild zur Sache. Die DJK/FC Ziegelhausen/Peterstal verbesserte sich von Position 14 auf 3 und der SV Waldhof II von 16 auf 8, während der VfR Mannheim II von 5 auf 16 in die Kreisliga durchgereicht wurde.

Zwei Mal in Serie (2010 und ´11) lief der ASV/DJK Eppelheim als Elfter durchs Ziel, obwohl er im Winter noch 15. gewesen ist. Weitere "Kletterkünstler" waren der FC Berwangen – 2001/02 von 14 auf 9 – Sandhausen II – 2003/04 von 14 auf 10 – die SG Horrenberg – 2005/06 von 15 auf 10 – und der FV Brühl – 2008/09 von 14 auf 8.

Kreisliga Heidelberg:

An Weihnachten 2004 dürfte bei der SpVgg Baiertal vermutlich jeder von einer langweilen Rückrunde im Tabellenmittelfeld ausgegangen sein. Platz acht ließ keinen anderen Schluss zu. Sechs Monate später befand sich die SpVgg im Ausnahmezustand, als die Fußballer die Meisterschaft feierten.

Einen ähnlich starken Lauf legte der FC Badenia St.Ilgen 2018/19 hin – Siebter zur Hälfte und Meister am Ende. Der FC sicherte sich in den letzten 15 Jahren gleich drei Mal die Meisterschaft. Während seit 2003/04 der Herbstmeister in zehn Fällen am Ende oben stand, hatte der Vizemeister seine Endplatzierung in lediglich fünf Jahren schon im Winter inne. Sechs Mal musste sich der Führende zur Halbzeit mit dem zweiten Platz am Ende begnügen.

Im Vergleich zu den beiden höheren Ligen, gab es in der Kreisliga weniger Bewegungen in der zweiten Saisonhälfte. Für die größten Sprünge sorgten 2017/18 der 1.FC Wiesloch von Platz 16 auf 8 und im Jahr davor der VfR Walldorf von 15 auf 7. Ebenfalls denkwürdig waren die Endspurts des VfB Rauenberg 2007/08 von 17 auf 12, des VfB Wiesloch 2011/12 von 15 auf 10 sowie des TSV Pfaffengrund 2012/13 von 17 auf 13. Schlimme Abstürze erlebten der SV Waldwimmersbach 2007/08 von 8 auf 15 und die SpVgg Mauer 2017/18 von 9 auf 16.

1077 Aufrufe17.3.2021, 11:30 Uhr
red.Autor

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