
Marc Unterberger ist seinen Job los. Eigentlich hatte die SpVgg Unterhaching mit ihm hohe Ziele, aber am Sonntag wurde er in der Vorstadt entlassen.
Unterhaching – Irgendwann im Frühjahr 2025 darf sich Marc Unterberger voraussichtlich dann Fußballlehrer nennen. Der 35-Jährige ist seit Januar 2024 einer von 17 Teilnehmern am Pro-Lizenz-Lehrgang des DFB. Dass er überhaupt einen der begehrten Plätze bekommen hat, verdankt er dem hartnäckigen Einsatz von Manfred Schwabl.
Der Präsident der SpVgg Unterhaching hatte sich nach dem feststehenden Abgang von Sandro Wagner schnell auf den langjährigen Nachwuchscoach der Vorstädter als Nachfolger festgelegt, eine fünfstellige Strafe für Unterbergers fehlende Trainerlizenz aus eigener Tasche bezahlt und immer wieder betont, man müsse in Deutschland nicht nur Spieler, sondern auch Trainer entwickeln.
„Wir planen mit Marc eine Ära.“
Manfred Schwabl im Juli 2024
17 Monate nach seinem Amtsantritt erfährt Unterberger die beinharte Realität des Profi-Geschäfts am eigenen Leib. Nach zwölf Drittliga-Spielen ohne Sieg, Rang 19 und inzwischen sechs Zählern Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz haben Schwabl und seine Vorstandskollegen die Trainertalent-Entwicklung gestoppt, die Reißleine gezogen und Unterberger vor die Türe gesetzt.
Im Sommer, nach einer starken Debütsaison und Rang neun, klang alles noch ganz anders und Manni Schwabl hatte weitreichende Pläne. „Wir planen mit Marc eine Ära – ähnlich wie sie Freiburg mit Christian Streich hatte. Oder wie es Heidenheim mit Frank Schmidt vorlebt“, sagte der Ex-Profi im Interview Ende Juli. „Im Fußball weiß man nie, was in drei bis fünf Jahren ist, aber Marc spielt in unserer neuen Zeitrechnung eine große Rolle.“
Am Ende waren es nicht drei bis fünf Jahre, sondern nicht ganz fünf Monate. In der Vorstadt ticken die Uhren teilweise anders und Schwabl spricht gerne vom „Hachinger Weg“ und der Entwicklung von Talenten. Nach der anhaltenden Talfahrt haben dann aber auch bei der Spielvereinigung die branchenüblichen Mechanismen gegriffen. „Leider sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir in unserer aktuellen sportlichen Situation einen neuen Impuls benötigen“, wird der 58-Jährige in der Pressemitteilung vom Sonntag zitiert. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn Marc ist seit 15 Jahren Teil der Haching-Familie und war von der U10 bis zu den Profis Trainer im Verein.“ Unterbergers Bilanz nach 17 Monaten als Chefcoach: 18 Siege, 14 Unentschieden und 22 Niederlagen in der 3. Liga.
Bis zur Winterpause soll jetzt Sven Bender für die Wende sorgen. Der im Sommer als Co-Trainer von Borussia Dortmund nach Bayern zurückgekehrte Ex-Profi hat mit seiner Mannschaft bis Weihnachten drei enorm wichtige und schwere Spiele vor der Brust. Am Samstag kommt mit der Zweitvertretung von Hannover 96 ein direkter Konkurrent in den Sportpark. Danach folgen die Duelle mit den Spitzenteams Bielefeld (A) und Dresden (H). (Jörg Bullinger)