
Inan Aydar, Cheftrainer des Mannheimer Kreisligisten SV Enosis Mannheim, macht den FuPa Baden Wintercheck.
1) Wie lautet euer Fazit nach der ersten Saisonhälfte? Wurden die gesteckten Ziele erreicht?
Unser Fazit fällt gemischt aus. Rein tabellarisch haben wir unsere eigenen Ansprüche und Ziele in der Hinrunde nicht erreicht. Dabei ist wichtig festzuhalten, dass wir spielerisch in vielen Partien nicht schlechter waren als unsere Gegner. In mehreren Spielen hatten wir über weite Strecken Spielkontrolle, Ballbesitz und gute Phasen im letzten Drittel.
Was uns jedoch klar gefehlt hat, war die Konsequenz im Abschluss. Wir haben zu viele klare Torchancen liegen lassen und uns damit in engen Spielen selbst um Punkte gebracht. Gleichzeitig haben individuelle Fehler und mangelnde Effizienz dazu geführt, dass wir trotz ordentlicher Leistungen zu selten als Sieger vom Platz gegangen sind.
Diese Punkte haben wir klar analysiert. Für die Rückrunde liegt der Fokus deshalb neben Intensität, Fitness und Arbeit gegen den Ball vor allem auf Zielstrebigkeit, Klarheit im letzten Drittel und besserer Chancenverwertung. Die Basis ist da – jetzt geht es darum, sie auch in Ergebnisse umzumünzen.
2) Gibt es Veränderungen im Team? Transfers, Änderungen im Trainer- und Betreuerteam?
Ja, es gab bereits während der laufenden Runde Veränderungen im Kader. In der Hinrunde haben uns drei Spieler verlassen, zur Winterpause kamen weitere Abgänge hinzu. Dem gegenüber stehen acht bis neun Neuzugänge, sodass wir insgesamt personell deutlich umgebaut haben.
Der Kader wurde bewusst verjüngt und gleichzeitig qualitativ verstärkt. Ziel war es, mehr Dynamik, Intensität und Entwicklungspotenzial in die Mannschaft zu bringen, ohne dabei an sportlicher Substanz zu verlieren.
Auch im Trainerteam gab es Anpassungen: Ein neuer Co-Trainer ist hinzugekommen, während der bisherige Co-Trainer in die sportliche Leitung gewechselt ist. Zusätzlich wird das Trainerteam nun durch einen Athletiktrainer ergänzt, um insbesondere im Bereich Fitness und Belastungssteuerung gezielter arbeiten zu können.
3) Welches Team hat euch in eurer Liga am meisten überrascht?
Überrascht haben uns vor allem Mannschaften, die mit hoher Intensität, klarer Organisation und großem Willen auftreten – unabhängig vom Namen oder von individuellen Qualitäten. Das zeigt einmal mehr, wie ausgeglichen und anspruchsvoll die Liga ist.
Grundsätzlich ist es weniger ein einzelnes Team, sondern vielmehr das hohe Niveau und die Dichte der Liga, die uns positiv überrascht hat.
Wenn Namen genannt werden müssen, haben sich mehrere Mannschaften positiv hervorgetan. Oftersheim hat insbesondere in der ersten Halbzeit gegen uns sehr deutlich gezeigt, welches spielerische Potenzial in der Mannschaft steckt und uns fußballerisch überzeugt.
Lützelsachsen ist trotz eines aus unserer Sicht etwas glücklichen Sieges gegen uns insgesamt sehr konstant und stabil aufgetreten. Sie haben nicht umsonst eine Serie von sieben Siegen in Folge hingelegt, was ihre Qualität und mentale Stärke unterstreichen.
Defensiv hat zudem Heddesheim II einen sehr überzeugenden Eindruck hinterlassen. Die Mannschaft agiert taktisch diszipliniert, kompakt und gut organisiert gegen den Ball.
4) Welche Ziele strebt ihr in der Rückrunde an?
Unser klares Ziel ist es, sportlich wieder anzugreifen und uns damit auch tabellarisch nach oben zu orientieren. Wir wollen eine deutlich andere Mannschaft sehen als in Teilen der Hinrunde: stabiler, fitter, intensiver und taktisch disziplinierter.
Darüber hinaus geht es uns um Entwicklung. Wir wollen eine klare Spielidee verinnerlichen, Automatismen aufbauen und über 90 Minuten Powerfußball spielen. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, sind wir überzeugt, dass wir in der Rückrunde noch eine entscheidende Rolle spielen können.
5) Im Sommer steigt die Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA. Was traut ihr der deutschen Nationalmannschaft zu und wer ist euer Topfavorit und warum?
Der deutschen Nationalmannschaft traue ich bei der kommenden Weltmeisterschaft durchaus eine gute Rolle zu. Entscheidend wird sein, wie stabil das Team auftritt und ob es gelingt, Konstanz, Intensität und mentale Stärke über das gesamte Turnier hinweg auf den Platz zu bringen. Ein Halbfinaleinzug ist aus meiner Sicht realistisch.
Zu den Topfavoriten zählen für mich Frankreich und Spanien. Frankreich verfügt über enorme individuelle Qualität, Athletik und eine außergewöhnliche Kadertiefe. Spanien überzeugt hingegen durch klare Spielprinzipien, hohe technische Qualität und Kontrolle im Ballbesitz – Qualitäten, die in Turnierformaten oft den Ausschlag geben.