
Klar, einfach wird es nie für einen Doppelaufsteiger in der Landesliga Rhein-Neckar. Das haben die Kicker von Türkspor Eppingen in der ersten Saisonhälfte leidvoll erfahren müssen. Lediglich sieben Punkte zum Jahreswechsel sind extrem enttäuschend und lassen nur noch geringe Hoffnungen auf den Klassenverbleib zu. Schlecht war deshalb aber nicht alles. Zur Winterpause werfen wir einen Blick auf das bisher Erreichte und wagen eine Prognose für die verbleibenden 16 Saisonspiele ab März 2025.
"Uns fehlt einiges an Fitness", sagte Mehmet Öztürk während der Anfangsphase häufiger und meinte deshalb, "unsere Vorbereitung hat erst zum Rundenstart so richtig begonnen." Diese Hypothek in Form einer nicht idealen körperlichen Verfassung hat reichlich Punkte gekostet. An den ersten sechs Spieltagen gab es ausschließlich Niederlagen und das teilweise mit heftigen Endergebnissen. 1:7 bei St.Leon, 1:6 gegen Brühl, 0:5 in Kirchardt und 0:8 gegen Srbija Mannheim – der Aufsteiger musste sich rasch ein dickes Fell zulegen, um sich davon nicht aus der Bahn werfen zu lassen.
Just nach der herben Schlappe gegen Srbija gelang der nicht für möglich gehaltene Befreiungsschlag. Das 3:2 beim FC Bammental hatte etwas von einer mittelgroßen Sensation. "Ich bin mit einem Grinsen eingeschlafen", sagte Öztürk damals zum Coup in Bammental. Da wenig später mit 1:0 gegen den FV Nußloch der zweite Saisonsieg gelang, schien die Wende zum Besseren herbeigeführt.
Doch dann ging wieder alles schief. Es gelang kein Dreier mehr und das rettende Ufer rückte in immer weitere Ferne. Für den Coach galt lange Zeit das Credo: "Wir müssen irgendwie noch ein paar Punkte sammeln, uns im Winter schütteln und personell verstärken, um dann neu angreifen." Das ist mit Punktehamstern ist nicht wirklich gelungen, weshalb die Lücke von 15 Zählern zur Relegation und 16 Punkten zum sicheren 13. Platz kaum noch aufzuholen ist.
Ende August war das Engagement von Fatih Kara bei den Eppingern beendet. Der Goalgetter, in der A-Klasse schoss er 49 Tore und in der Kreisliga 34, entschied sich dafür den Verein mit sofortiger Wirkung zu verlassen. Es kam zu internen Spannungen, zur Rückrunde der laufenden Saison verstärkt der 28-Jährige den TSV Neckarbischofsheim im Abstiegskampf der Kreisliga. Bei Türkspor fehlen sicher ein paar Tore, andererseits müssen die Kollegen nicht den großen Mehraufwand leisten, um die Räume des eher offensiv denkenden Stürmers nach hinten zuzulaufen.
Über rund zwei Jahrzehnte ereilt die Sinsheimer Aufsteiger in die Landesliga fast immer das Gleiche Schicksal – sie müssen direkt wieder runter. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigten. Der TSV Obergimpern, der TSV Michelfeld, der TSV Kürnbach oder auch aktuell die SG Kirchardt haben es geschafft, ihr erstes Landesliga-Jahr mit dem Klassenerhalt zu krönen.
Ein Blick in die Historie verheißt aber nichts Gutes für die Doppelaufsteiger. 2003 startete der TSV Waldangelloch nach zuvor zwei Meisterschaften in der Kreisklasse A und der Kreisliga in der Landesliga und der FC Zuzenhausen II wiederholte dieses Kunststück 2009. Obwohl sich beide achtbar aus der Affäre gezogen haben, mussten sie ihre Landesliga-Stippvisiten nach nur einer Saison beenden. Das gleiche Schicksal steht nun Türkspor Eppingen bevor.
Solange rechnerisch alles möglich ist, werden sich die Eppinger nicht geschlagen geben. Was sie dafür dringend benötigen, ist eine Serie zum Jahresstart und dann könnten sie vielleicht auf eine Erfolgswelle aufspringen. Unabdingbar dafür sind personelle Verstärkungen, denn ohne wird es nicht gehen. "Wir müssen uns verstärken, mit dem aktuellen Kader reicht es nicht", sprach Öztürk die Defizite mehrmals offen an.
Um realistisch zu bleiben – der Klassenerhalt wäre eine Sensation. Türkspor Eppingen hat einfach zu viel in den bisher absolvierten 18 Partien liegen lassen. Selbst mit einem Zweier-Schnitt an Punkten könnte es am Ende nicht für den Klassenerhalt reichen. Um zumindest einen Restfunken an Hoffnung am Leben zu halten, müssen in der Winterpause einige Transfers gelingen und diese dann auch voll einschlagen. Falls es nach einer Saison in der Landesliga aber wie erwartet wieder zurück in die Sinsheimer Kreisliga gehen sollte, wird der Klub vor einer großen mentalen Herausforderung stehen.