
David gegen Goliath – dieses Bild wird im Sport oft verwendet, wenn die Rollen vorab klar verteilt sind. Da der vermeintlich Schwächere, auf die Sensation lauernde David, dort der schier unüberwindbare Riese Goliath. Auch die Macher des lesenswerten Stadionheftes von Union Schafhausen hatten angesichts des Pokal-Krachers gegen Titelverteidiger Viktoria Köln auf dieses Bild zurückgegriffen. Am Ende des stimmungsvollen Pokalabends blieb die Überraschung aus. Der Drittligist siegte standesgemäß mit 5:1. Wobei das Spiel lange offen blieb.
„Bei dem Publikum, bei dieser Stimmung zu spielen, daraus können wir Kraft für die Saison ziehen“, resümierte Union-Coach Jörg Halfenberg. 500 Tickets waren schon im Vorverkauf abgesetzt worden, und an der Abendkasse war die Nachfrage ebenfalls groß. Dichtgedrängt standen die Zuschauer fast rund um den Platz, während die Kölner Fans gegenüber zwischen den Trainerbänken 90 Minuten durchsangen. Der Rahmen war tatsächlich bemerkenswert. Einlaufkinder begleiteten die Teams aufs Feld, die Maskottchen beider Vereine sorgten für Stimmung, es war angerichtet.
Eigentlich war die erste Runde des Verbandspokals schon am vergangenen Wochenende über die Bühne gegangen. Aber weil die Viktoria als amtierender Cup-Sieger im DFB-Pokal ran musste, rutschte die Ansetzung auf den Mittwochabend. Im Vergleich zum dramatischen Aus gegen Nürnberg nach Elfmeterschießen schickte Gäste-Coach Marian Wilhelm eine komplett neue Elf auf den Rasen. Gegen den Landesligisten sollte es der zweite Anzug richten. Und die Kölner B-Elf begann mit reichlich Ballbesitz. Der brachte zunächst nicht viel ein. Halfenberg hatte seinem Team ein 5-3-2-System verordnet, um die Räume maximal zu verdichten, das gelang dem FC Union gut.
Bis zur 15. Minute: Noah Maboulou kam 14 Meter vor dem Tor zum Schuss und setzte das Leder präzise neben den Pfosten. Köln führte mit dem ersten Torschuss. Schafhausen verteidigte weiter tief und gut, Köln kam bis zur Pause nur zu zwei weiteren nennenswerten Szenen. Zunächst hob Kölns Mittelstürmer Jakob Sachse die Kugel über das Tor (32.), dann parierte Union-Keeper Niklas Giesen bei einer Doppelchance von Maboulou reaktionsschnell (37.). In Minute 44 kamen die Gastgeber, bis dato ohne Torschuss, zur ersten Ecke. Der Ball segelte zu weit und war fast schon wieder aus dem Strafraum verschwunden, da zog Felix Albers den Unioner Frederik Lenzen ziemlich plump zu Boden, es gab Strafstoß. Der gefoulte Lenzen verwandelte cool links unten zum Ausgleich.
Wer nach der Pause mit einem wütenden Kölner Sturmlauf gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Die Partie blieb offen, Union kam zu einigen Halbchancen. Aus dem Spiel heraus blieben die Gastgeber aber zu harmlos. Nach einer knappen Stunde brachte Wilhelm mit Tobias Eisenhuth und Lukas Wolf dann doch zwei Stammkräfte. Kurz darauf ergaben sich die ersten dicken Chancen für den Favoriten. Giesen musste bei einem Aufsetzer alles aufbieten, um zur Seite zur klären. Fallmann köpfte umgehend wieder Richtung Tor, Schafhausens Keeper war schnell oben und wischte den Ball an die Latte (64.) 120 Sekunden später tauchte Maboulou frei vor Giesen auf, der mit irgendeinem Körperteil zur Ecke klären konnte (66.).
Dann war Unions Fortune aufgebraucht. Nach einem Kölner Angriff über die linke Seite kam Pascal Fallmann aus dem Rückraum zum Schuss und traf flach ins Eck (70.). Jetzt dürfte für die Viktoria auch Niklas Castelle ran, bis zum Sommer noch bei Alemannia Aachen am Ball. Und bei den Gastgebern schwanden jetzt merklich die Kräfte, die Räume wurden größer. Die Gegentore drei und vier fielen fast identisch: Scharfe Kölner Hereingaben wurden von Yves Henkens (80.) und Michael Peschel (86.) ins eigene Tor befördert. Hinter den Abwehrspielern hatte jeweils ein einschussbereiter Stürmer gelauert. In der Nachspielzeit sorgten Ex-Alemanne Castelle mit einem wuchtigen Kopfball für den 5:1-Endstand aus Sicht des Titelverteidigers.
„Die Defensive steht schon ziemlich stabil. In der ersten Halbzeit hätten wir einen Tick mutiger spielen können. Wir hatten zu viele Fehlpässe, was vielleicht auch mit der Nervosität zu tun hatte“, sagte Halfenberg nach dem Spiel. „Fußballerisch haben sie uns natürlich eingeschnürt, aber das war ja zu erwarten“, resümierte der Union-Trainer. Sein Gegenüber Marian Wilhelm lobte die Gastgeber: „Das war eine tolle Kulisse. Union Schafhausen hat viel auf die Beine gestellt, die Zuschauer haben viel Stimmung gemacht.“ Trotz des Ausgleichs aufgrund des unnötigen Elfmeters habe sein Team Sicherheit ausgestrahlt. „Union hat toll gekämpft. In den engen Situationen waren meine Jungs da. Wir wollen wieder ins Finale, deshalb ging es für uns heute darum, die Aufgabe professionell zu lösen“, so Wilhelm. Für die Kölner geht es am Sonntag in Liga drei gegen Preußen Münster weiter. Schafhausen empfängt zum Auftakt der Fußball-Landesliga Absteiger Teutonia Weiden.
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