
Am 34. Spieltag der 2. Bundesliga hat die SG Dynamo Dresden durch einen 2:1-Heimsieg gegen Holstein Kiel den Klassenerhalt aus eigener Kraft gesichert. Vor stimmungsvoller Kulisse im Rudolf-Harbig-Stadion krönten die Schwarz-Gelben ihre herausragende Rückserie mit dem elften Tabellenplatz und bereiteten ihrem scheidenden Kapitän einen unvergesslichen Nachmittag.
Die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Stamm startete höchst konzentriert in dieses entscheidende Duell. Bereits in der 14. Minute belohnte Vincent Vermeij die stürmische Anfangsphase: Eine Ecke von Alexander Rossipal flog in den Fünfmeterraum, wo der Niederländer den Ball zur umjubelten Führung nur noch über die Linie drücken musste.
Die Gäste von Trainer Tim Walter gerieten durch das aggressive Pressing der Hausherren um Torwart Timon Weiner gerade in der Anfangsphase immer wieder in Schwierigkeiten. In der 36. Minute schlug Vermeij nach einer präzisen Flanke von Kofi Amoako per Kopf erneut zu und baute die Führung aus.
Kurz vor dem Pausenpfiff drohte das Momentum zu kippen, als Robert Wagner im Strafraum Ivan Nekic auf den Fuß trat. Schiedsrichter Marc Philip Eckermann entschied nach Eingreifen von Video-Assistent Benjamin Cortus auf Foulelfmeter (45.+3).
Doch Tim Schreiber bewies seine Klasse, ahnte die Ecke und lenkte den platzierten Schuss von Alexander Bernhardsson sensationell an die Unterkante der Latte. Walter resümierte via Pressekonferenz nach dem Spiel: „Trotzdem bin ich sehr, sehr stolz auf meine Truppe. Die Jungs haben auch in den letzten zwei Wochen versucht, alles zu geben, nachdem der Klassenverbleib eigentlich schon gesichert war.“
Im zweiten Durchgang zogen sich die Dresdner weit zurück, sodass Kiel phasenweise dominant agierte, gegen die stabile Defensive aber lange kein Durchkommen fand. Erst in der 81. Minute vertändelte Ben Bobzien den Ball am eigenen Strafraum gegen Leon Parduzi, in dessen Folge Ex-Dresdner Phil Harres aus der Drehung sehenswert in den Winkel traf.
Die SGD brachte den knappen Vorsprung im Anschluss souverän über die Zeit und krönte eine starke Halbserie, in der lediglich der 1. FC Schalke 04, der SV 07 Elversberg und der SC Paderborn 07 noch erfolgreicher punkteten.
Stamm zeigte sich via Pressekonferenz nach dem Spiel erleichtert, besonders in Bezug auf die knappe Tabellensituation: „Du spielst am letzten Spieltag um den Verbleib in der 2. Bundesliga und ich glaube, am Ende sind wir Elfter. Ja, es ist verrückt, wir freuen uns extrem.“
Neben dem sportlichen Erfolg stand der emotionale Abschied von Stefan Kutschke im Mittelpunkt. Der 37-jährige Kapitän und gebürtige Dresdner, der unter anderem für den VfL Wolfsburg, den 1. FC Nürnberg und den FC Ingolstadt 04 aktiv war, beendete nach 182 Einsätzen und 52 Toren für seinen Heimatverein seine aktive Laufbahn.
Vor dem Anpfiff ehrten die Fans ihn mit einer beeindruckenden Choreografie. Stamm betonte via Pressekonferenz nach dem Spiel: „Wir freuen uns, dass mit einem sehr positiven Ergebnis, mit dem Klassenerhalt, Stefan genau das bekommen hat, was er bekommen sollte. Nämlich sich hier so verabschieden kann, wie es sich gehört.“
Laut Vereinsverantwortlichen um Ralf Minge soll Kutschke dem Verein in einer anderen Funktion erhalten bleiben.
Mit dem gesicherten Klassenerhalt richten sich die Blicke auf den Kader der neuen Saison. Der Vertrag von Lukas Boeder läuft entgegen ersten Annahmen doch nicht aus; er bleibt der SG Dynamo Dresden über den Sommer hinaus erhalten.
Auch Jakob Lemmer hat sich allem Anschein nach für eine Vertragsverlängerung entschieden und gehörte nicht zu den verabschiedeten Spielern. Ihm lag bereits seit Monaten ein Angebot vor, wobei der Verbleib in der 2. Bundesliga ausschlaggebend war.
Ebenso scheinen Sascha Risch und Daniel Mesenhöler die Sportgemeinschaft im Sommer nicht zu verlassen.
Eine heiße Debatte kündigt sich daher auf der Torhüterposition an. Elias Bethke kam im Winter vom FC Energie Cottbus, während Lennart Grill aktuell eine schwere Knieverletzung auskuriert. Mit Tim Schreiber als Stammtorhüter der letzten zwei Jahre erheben alle drei Keeper Ansprüche auf die Nummer eins.
Hinzu kommt Daniel Mesenhöler, der ebenfalls seinen Platz im Kader beansprucht. Einer der vier Schlussmänner wird den Verein verlassen müssen, um das endgültige Torwarttrio für die neue Saison zu formen.
Offiziell verabschiedet wurde hingegen Claudio Kammerknecht, der in vier Saisons stolze 118 Pflichtspiele für die SG Dynamo Dresden absolvierte. Auch der Vertrag von Jan-Hendrik Marx wird nicht verlängert.
Darüber hinaus kehren mit Konrad Faber, Julian Pauli, Jonas Sterner, Thomas Keller, Robert Wagner, Jason Ceka und Ben Bobzien vorerst gleich sieben Leihspieler zu ihren Stammvereinen zurück. Wie viele von ihnen fest verpflichtet werden können, ist noch unklar, doch die Chancen bei Robert Wagner (SC Freiburg) und Jonas Sterner (Hannover 96) sollen nicht schlecht stehen.
Konkrete Formen nimmt der Abgang von Kofi Amoako zum Hamburger SV an. Der 1,86 Meter große Defensivspezialist absolvierte in der laufenden Saison 31 Zweitligapartien, davon 28 in der Startelf.
Trotz des Interesses vom 1. FC Köln, dem 1. FSV Mainz 05, dem 1. FC Union Berlin und Leeds United aus der Premier League entschied er sich für die Hanseaten. Während im Winter noch Ablösesummen von sechs bis acht Millionen Euro kursierten, zieht der Hamburger SV nun wohl eine Ausstiegsklausel für deutlich weniger.
Rund 1,5 Millionen Euro werden dabei an Ablöse fällig. Erst im vergangenen Sommer war er für 300.000 Euro nach Dresden gewechselt und soll nun die Mittelfeldzentrale in der Bundesliga verstärken.