2026-06-18T10:39:41.025Z

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"Unfassbar geiles Gefühl": RWE ist wieder im Fußballhimmel angekommen

Rot-Weiss Essen II hat den Aufstieg perfekt gemacht und sich im entscheidenden Spiel mit 4:2 gegen die Sportfreunde Broekhuysen durchgesetzt. Nach dem Abpfiff überwogen aber auch auf beiden Seiten Stolz und Emotionen.

von Markus Becker · Heute, 10:30 Uhr · 0 Leser
RWE II in Siegerpose.
RWE II in Siegerpose. – Foto: Markus Becker

Dass der Jubel bei Rot-Weiss Essen II nach dem Schlusspfiff groß war, überraschte wenig. Schließlich hatten die Essener mit dem dritten Aufstieg in Serie ihr großes Ziel erreicht. Für Trainer Stefan Lorenz fühlte sich der Erfolg unmittelbar nach dem Spiel dennoch noch etwas unwirklich an.

"Aktuell ist es noch gar nicht so greifbar“, gestand der Aufstiegstrainer. Nach einer Hinrunde mit einigen Rückschlägen setzten seine Schützlinge im neuen Jahr zu einer unwiderstehlichen Serie an. 16 Siege aus 17 Spielen reichten zwar nicht für die Meisterschaft, zwei überzeugende Auftritte in der Relegation brachten schlussendlich aber doch noch den hochverdienten Landesliga-Sprung in trockene Tücher. "Was die Jungs in der Rückrunde abgerissen haben, war eine unfassbare Leistung. Wir haben nur ein Spiel verloren.“

Lorenz zeigte sich nach Spielende wie sein gesamtes Team in Feierlaune.
Lorenz zeigte sich nach Spielende wie sein gesamtes Team in Feierlaune. – Foto: Markus Becker

Rückblickend hatte für Lorenz dabei der Umweg über die Relegation noch seinen zusätzlichen Reiz. Während die Aufstiege der vergangenen Jahre frühzeitig feststanden, musste sich seine Mannschaft diesmal bis zum letzten Spiel strecken. "Hinten raus war das viel geiler. Zehn Tage nochmal alles reingeschmissen, volle Kulisse, zu Hause aufsteigen, Top-Wetter.“

Vor dem Spiel habe man die Nervosität trotz aller Lockerheit durchaus gespürt. Schon lange vor dem Anpfiff drängten sich die Zuschauer rund um die Seumannstraße. "Die Jungs haben mitbekommen, was draußen los war. Da wussten sie: Heute passiert etwas Besonderes.“

Im allgemeinen Freudentaumel vergaß Lorenz aber auch den Gegner nicht. Für die Sportfreunde Broekhuysen fand der Essener Coach ausschließlich lobende Worte. "Sie haben alles reingeschmissen. Sympathische Mannschaft, sympathischer Trainer. Schade, dass aus dieser Dreier-Konstellation nur einer aufsteigen konnte.“

Bema schwärmt von der Kulisse und Platzek

Auch Doppelpacker Joel Bema genoss den stimmungsvollen Abend sichtlich. Der Offensivspieler, der insgesamt vier der sieben Essener Relegationstore erzielte, sprach von einem "unfassbar geilen Gefühl“ nach dem Schlusspfiff.

Ein Sonderlob hatte Bema für seinen Sturmkollegen Marcel Platzek übrig, der gegen Broekhuysen ebenfalls doppelt traf. "Mit so einem erfahrenen Spieler zusammenzuspielen, ist brutal geil. Er ist einfach ein Unterschiedsspieler in dieser Liga.“ Die Relegation selbst habe der Mannschaft noch einmal zusätzlichen Schwung verliehen. "Das hat uns einen unfassbaren Push gegeben. Wir haben die beiden Spiele einfach gerockt.“

Auch für ihn sorgte die Atmosphäre an der Seumannstraße mit 2000 Zuschauern für eine besondere Note. "Das gibt dir nochmal ein paar Prozent mehr“, meinte Bema.

Clarke: "Wollen wieder um den Aufstieg spielen"

Auf der anderen Seite überwog nach Spielende nicht unbedingt die Enttäuschung, sondern vielmehr der Stolz auf die eigene Leistung. Dazu gehörte auch die Anerkennung für die Stärke des Gegners. Broekhuysens Spielertrainer Sebastian Clarke erkannte neidlos an: "Essen hat eine brutale Qualität und war heute etwas abgezockter als wir.“

Vor allem der frühe Doppelschlag zum 0:2 habe seiner Mannschaft zugesetzt. Aufgegeben hatten sich die Gäste aber nie. Zweimal kämpften sie sich zurück, verkürzten auf 1:2 und später auf 2:4 und sorgten dafür, dass die Essener ihren Aufstieg erst in den Schlussminuten endgültig feiern konnten.

Für Clarke gab es nach Spielende keinen Grund zum Hadern.
Für Clarke gab es nach Spielende keinen Grund zum Hadern. – Foto: Markus Becker

"Auch nach dem 4:1 haben wir nicht aufgehört und das Spiel bis zum Ende offen gestaltet“, sagte Clarke. Gerade in solchen Spielen muss aber auch alles zusammenpassen. "Wenn wir eine unserer Chancen noch nutzen, wird es vielleicht sogar nochmal richtig spannend.“

Der verpasste Aufstieg soll die Sportfreunde allerdings nicht aus der Bahn werfen. Die Teilnahme an der Relegation zeigte eindrucksvoll, dass den Straelenern nur noch wenig zum ganz großen Wurf fehlt. So war auch die Niederlage kein Grund, sich kleiner zu machen als man ist. "Wir sind Zweiter geworden und waren ganz nah dran. Da kann das Ziel nicht sein, nächstes Jahr Fünfter zu werden. Wir wollen wieder um den Aufstieg spielen.“

Für die Spieler beginnt die Verarbeitung der Enttäuschung ohnehin auf besondere Weise. Während Clarke als Lehrer am nächsten Morgen wieder vor seinen Klassen stehen muss, startet die Mannschaft direkt in den wohlverdienten Urlaub. "Die Jungs fahren morgen nach Malle und werden dort sicher vier schöne Tage haben“, sagte der Coach mit einem Lächeln. An den Perspektiven des Teams ändere die verpasste Landesliga nichts: "Die Mannschaft bleibt komplett zusammen.“