
Und diese Frage ist aus Thüringer Sicht immer besonders spannend: Wer will? Wer will nicht? Wer will in welcher Konstellation den Gang in die Oberliga wagen? Wir bringen Licht ins Aufstiegsdunkel der Verbandsliga Thüringen.
Sportlich betrachtet kommen in der Thüringenliga wohl die Top4 für einen Aufstieg in die Oberliga in Frage. Dies sind der SV SCHOTT Jena, 1. SC 1911 Heiligenstadt, FC An der Fahner Höhe und der FC Eichsfeld. Am 27. März gab es die Meldung an den NOFV. Dabei gaben von den Thüringenliga-Spitzenquartett der 1. SC 1911 Heiligenstadt und der FC Eichsfeld ihre Meldung ab. Der SV SCHOTT Jena und der FC An der Fahner Höhe hingegen verzichten auf einen möglichen Aufstieg. Aus Thüringer Sicht gibt es allerdings noch einen dritten Namen auf der Liste. Auch der Tabellensiebte vom FSV Wacker 90 Nordhausen hat für die Oberliga gemeldet.
Pascal Nitschmann (Sportlicher Leiter SV SCHOTT Jena): "Wir als SV SCHOTT Jena haben keine Unterlagen für die Oberliga eingereicht. An sich sind wir ein ambitionierter Verein für den die Oberliga durchaus interessant ist. Aber wir arbeiten erstmal daran die optimalen Rahmenbedingungen und eine nachhaltige Struktur für die Oberliga zu schaffen. Wir entwickeln uns als Verein Schritt für Schritt. Ich hoffe, dass die erste Männermannschaft sich für ihre Saison belohnt. Dann müssen wir es nächste Saison bestätigen und dann ist auch die Oberliga ein Thema für uns."
Christoph Rodenstock (Vizepräsident 1. SC 1911 Heiligenstadt): "Wir haben die Lizenz für die Oberliga beantragt und die Unterlagen pünktlich eingereicht. Jetzt warten wir auf Rückmeldung. Wir gehen definitiv nur als Erster in die Oberliga hoch. Das bedeutet auch nicht als Zweiter, wenn wir beispielsweise nur ein Tor oder einen Punkt weniger haben."
Nick Walter (Vorstandsmitglied FC An der Fahner Höhe): "Der FC An der Fahner Höhe hat nicht für die Oberliga gemeldet. Die Entscheidung hat aber absolut keinen sportlichen Hintergrund, was natürlich ärgerlich ist. Wenn es darum geht, hätten wir ohne Bedenken melden können, vielleicht sogar müssen. Aber aus der Erfahrung heraus wissen wir auch, dass die organisatorische, infrastrukturelle und finanzielle Belastung nochmal eine ganz andere Hausnummer ist. Das hat uns vor allem das Jahr nach dem bitteren Abstieg gezeigt, in dem der Verein ums Überleben kämpfen musste. Davon haben wir uns gerade erst wieder erholt und müssen in den nächsten Monaten weiter an den Basics arbeiten, um Oberliga-Fußball auch in unserer Region wieder möglich zu machen. Aber bis dahin wäre es einfach zu früh und ein viel zu großes Risiko, weil der gesamte Mehrwert der Oberliga leider nicht in dem Maße zunimmt, wie die Kosten und der restliche Aufwand. Nur, um mal ein paar Zahlen zu nennen: unser Zuschauerschnitt im letzten Oberliga-Jahr lag für Heimspiele bei 130! In der Thüringenliga im Jahr darauf lag er bei 150. Man hat also weniger Zuschauer bei doppelt so hohen Schiedsrichter-Kosten und anderen zusätzlichen NOFV-Pflichtabgaben. Das können die Vereine aus den Städten wie Nordhausen, Heiligenstadt, Gera oder Rudolstadt einfach anders abfangen, als wir."
Benjamin Gassmann (Sportlicher Leiter FC Eichsfeld): "Ja, wir haben gemeldet. Wir wollen uns die Option offen halten. Wir prüfen alles, um in den nächsten Jahren mal den Schritt zu wagen. Nun war es die Lizenzierung, die wir durchgeführt haben. Es geht darum ein paar Eckpfeiler kennenzulernen. Was bedarf es? Da geht es bei den Schiedsrichterkabinen beispielsweise schon los. Für uns geht es im Verein darum das "was-wäre-wenn" zu bedenken. Jetzt haben wir eine Frist bis zum 26. Juni. Momentan sind wir sportlich weit weg vom Platz an der Sonne nach den zwei Niederlagen zuletzt. Wir können uns jetzt beruhigt hinsetzen und beobachten was sportlich passiert. Am Ende des Tages werden wir dann eine Entscheidung treffen. Ich werde jetzt keine Aussage treffen, an die wir in irgendeiner Form gebunden sind. Wir lassen es auf uns zukommen und schauen dann, wie es sportlich aussieht. Das lässt ja auch die Frist der Rücknahme der Lizenzierung auch zu."
Torsten Klaus (Präsident FSV Wacker 90 Nordhausen): "Wir als Verein, werden in ersten Linie erstmal unsere Hausaufgaben machen, dazu gehört es auch Lizenzen einzureichen ob bei den Männern oder im Nachwuchs. Man möchte als Sportler und Verein natürlich immer das Beste rausholen, dazu gehört aber auch die Finanzen und Strukturen im Blick zu haben. Auch unsere Baustelle mit dem Stadionumbau und das Umfeld müssen dabei stimmen. Wenn wir aber die sportliche Situation unsere Männer genauer betrachten und auch den Abstand zu eventuellen Plätzen zum Aufstieg müssen wir auch realistisch sein. Ob wir am Ende der Saison vom Aufstiegsrecht Gebrauch machen, lassen wir offen und werden dann nochmal alle Faktoren überlegen und vernünftig und mit Verstand entscheiden."