
Als Borussia im Dezember 2020 in der Champions League gegen Real Madrid spielte, mochte sich Uli Stielike nicht festlegen. Er war in seiner Karriere zunächst Borusse, dann vor allem aber war er ein „Königlicher“, noch heute hat der Name Stielike einen großen Klang bei Real. Als „der deutsche Panzer“ firmiert er in der Spielerliste auf der Internetseite des spanischen Superklubs. „Ein kämpferischer Spieler, der nach acht Jahren bei Real Madrid, in denen er sieben Titel gewann, seine Spuren hinterließ“, ist dort zu lesen.
„In Mönchengladbach habe ich gut vier Jahre lang meine fußballerische Ausbildung bei der Borussia getätigt, später dann meinen Meisterbrief in Madrid bei Real absolviert. Insofern verdanke ich beiden Vereinen sehr viel“, sagte Stielike 2020 unserer Redaktion. Beide Klubs werden nun an ihn erinnern, wenn er am 15. November seinen 70. Geburtstag feiert.
Zu Borussia Mönchengladbach kam Stielike als Teenager – und als prominent Gescouteter. Trainer Hennes Weisweiler schickte keinen Geringeren als Berti Vogts nach Ketsch, Stielikes Heimat, um den eleganten Mittelfeldmann zu beobachten. Vogts erkannte das Talent und empfahl Stielike – Anfang 1973 wechselte der zum Bökelberg.
Ein halbes Jahr später war er DFB-Pokalsieger. Beim Finale gegen den 1. FC Köln hatte er einen spannenden Platz – nur Hartwig Bleidick saß auf der Gladbacher Bank zwischen Stielike und Günter Netzer, den Trainer Hennes Weisweiler zunächst außen vor ließ.
So erlebte Stielike als junger Kerl deutsche Fußball-Geschichte – Netzers Selbsteinwechslung nebst Siegtor – hautnah. Es war der erste von fünf Titeln, die Stielike in Gladbach holte, drei Meisterschaften und der Uefa-Cup-Sieg kamen hinzu, bevor er 1977 zu Real ging. Wieder war sein Scout sehr prominent.
„Seine Verpflichtung war einer der letzten Beiträge Santiago Bernabéus zum Verein. Der Präsident reiste nach Deutschland, um eines seiner Team-Mitglieder bei Borussia (Herbert Wimmer) zu verpflichten, änderte jedoch seine Meinung, als er ihn spielen sah. Stielike war ein Spieler, der sich auf dem Feld durchsetzen konnte“, gibt Real eine Anekdote zur Verpflichtung Stielikes preis.
Seine Jahre in Gladbach beschreibt Stielike als „eine intensive, harte und lehrreiche Ausbildungszeit.“ Es sei ein großer Vorteil gewesen, in Weisweiler einen Trainer zu haben, „der die jungen Spieler stark förderte und sich nicht scheute, das Risiko einzugehen, diese Jungs ins kalte Wasser zu werfen, wenn er von ihrem Talent überzeugt war.“
Ein Training war damals jedes Mal wie eine Extra-Schulung. „Ich habe von weiteren ,Trainern‘ profitiert, die dir bei jeder Aktion vermittelt haben, wie sich ein Profi zu verhalten hat. Ob von Berti Vogts in der Defensive, von Günter Netzer im Mittelfeld oder von Jupp Heynckes im Angriff, in jeder Trainingseinheit erhieltest du Tipps, Lob und Tadel. Dadurch wurdest du auf höchstem Niveau geformt und ausgebildet“, sagte Stielike, der mit Deutschland 1980 Europameister und 1982 Vize-Weltmeister wurde. Auf dem Rasen war er enorm flexibel: Zehn Positionen spielte er im Laufe seiner Karriere.
Nach seiner Spieler-Laufbahn war er unter anderem Co-Trainer und Nachwuchs-Coach beim DFB (1998 bis 2006). Kult ist das karierte Jackett, das er trug bei der Vorstellung als Assistent des damaligen Bundestrainers Erich Ribbeck. Stielike war zudem Nationaltrainer der Schweiz, der Elfenbeinküste und Südkoreas. Als Vereinstrainer arbeitete er in Deutschland, Spanien, der Schweiz, Katar und China.
„Uli war ein überragender Fußballer“, sagt „Scout“ Vogts über den früheren Kollegen, seinem „Kumpel“, zu dem er noch immer Kontakt hat. Stielike lebt nach wie vor in Spanien. „In Gladbach hat er die Tür zum großen Fußball für sich aufgestoßen“, sagt Vogts. „Bei Real ist er dann eine Ikone geworden, das sagt alles über ihn als Spieler und Mensch aus“, sagt Vogts.
Dreimal wurde Stielike zum besten Spieler der Primera Division gewählt. Die Basis für alles, was er bei Real erreichte, war, was er in Gladbach lernte. „Es war eine gute Schule“, sagte Stielike.