
Die Gastgeber nutzten drei von fünf Chancen effizient. Der 1. FC Garmisch-Partenkirchen punktete damit zum vierten Mal in Folge nach der Winterpause.
Fußball ist ein simples Spiel. Wer am Ende mehr Tore erzielt hat als der Gegner, gewinnt die Partie. Die Herangehensweise spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Am Ende zählt allein das, was nach Schlusspfiff Bestand hat. Ballbesitz? Spielkontrolle? Vielzahl an Tormöglichkeiten? Wer benötigt das schon, wenn er am Ende in einem exaltierten Pulk von lauter Gleichgesinnten die Mühen der vorangegangenen anderthalb Stunden glorifizieren darf? Beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen niemand. Für die Landesliga-Kicker zählte nur der 3:1-Sieg gegen den Branchenprimus.
Tabelleführer Wasseburg bestach zwar mit reichlich Ballbesitz, doch das Offensivspiel der Gäste entpuppte sich als berechenbar wie unptäzise. Der 1. FC hingegen kreierte zwar lediglich fünf Chancen, nutzte davon aber gleich drei und punktete somit auch im vierten Spiel nach der Winterpause. Zehn Zähler sind unstreitig nicht die Bilanz eines potenziellen Absteigers, aber immer noch nicht genug, um die drohende Gefahr hinreichend zu bannen. Ein kolossal wichtiger Schritt könnte den Werdenfelsern morgen gelingen, wenn der FC Schwabing daheim am Gröben empfangen wird.
Bis dahin dürfen die Kicker des 1. FC das Erreichte genießen. Der Erfolg gegen den Spitzenreiter war keinesfalls ein Duselsieg, sondern ein verdienter. Weil die Mannschaft von Stefan Schwinghammer ihre bislang beste Teamleistung abrief. Wie so oft in dieser Sportart ist Talent dann anfällig, wenn es auf Widerstände wie Hingebung, Leidenschaft und Entschlossenheit trifft. Und als Schiedsrichter Stefan Dorfner nach 95 Minuten einen allerletzten Signalton aussendete, erfuhren die Garmisch-Partenkirchner die Belohnung für ein kompromissloses Miteinander. „Es gibt nichts Schöneres, wenn man befreit aufspielen und als Team auftreten kann“, zog Schwinghammer den Hut vor seinen Mannen. „Das haben wir gemacht, und das ist gut so.“
Jonas Schrimpf brachte den 1. FC dank Wind und gegnerischem Torhüter mit einer direkt verwandelten Ecke in Front. Der alsbaldige Gegentreffer schockte nicht im Geringsten. Der Umstand, dass die Platzherren weitere Offensivaktionen über einen erheblichen Zeitraum aussparen mussten, war Teil eines ausgeklügelten Plans. „Haben wir gewusst“, betont der Coach. Es folgte der tiefe Messerstich ins Herz des Favoriten. Philipp Solleder, nimmermüder Frontmann des 1. FC, wanderte auf die rechte Flanke, inszenierte eine starke Hereingabe zur Mitte, die Robin Reiter, halb durchließ, halb mit der Hacke verlängerte. Jonas Poniewaz nahm den Ball an, schraubte sich noch um einen Gegenspieler, ehe er die Kugel in den Winkel knallte.
Das Verteidigen begann bei den Gastgebern in vorderster Linie. Also auch bei Selvedin Mesanovic, der als Torjäger der Reserve privilegiertes Aufwärmen im Landesliga-Team genoss. Der 30-Jährige beackerte einen Gegenspieler so lange, bis der erst die Nerven, dann den Ball an Schrimpf verlor. Dessen Schlenzer ins lange Toreck sorgte für lange nicht mehr gekannte Euphorie auf dem Platz und der Tribüne. „Sehr disziplinierte, sehr gute Leistung von allen“, lobte Schwinghammer.