
Das war schon eine ziemliche Überraschung, die Damian Apfeld da bei der Startaufstellung von Ratingen 04/19 gegen den VfB Homberg präsentierte. Normalerweise ist beim Cheftrainer des Spitzenreiters der Oberliga Bo Lasse Henrichs als Rechtsverteidiger gesetzt, ja nahezu alternativlos.
In allen Pflichtspielen dieser Saison stand der 25-Jährige auf dem Rasen, fast immer über 90 Minuten, und nun saß er gegen Homberg zum erst zweiten Mal in dieser Spielzeit beim Anpfiff auf der Bank. Stattdessen übernahm Guiliano Zimmerling die Position rechts in der Viererkette – der 23-Jährige ist eigentlich offensiver Mittelfeldspieler. Und das sah man auch.
Allerdings nicht in einem Sinn, dass Zimmerling nicht gut verteidigt hätte, sondern in seiner Art, das Spiel zu machen – auch von der ungewohnten Position aus. Da spielte er schon den einen oder anderen anspruchsvollen Ball hinten raus, den ein reiner Außenverteidiger so wahrscheinlich nicht spielt. Oder die Szene in der 66. Minute, als er sich hinten rechts den Ball von seinem Gegenspieler holte und sich von dort unaufhaltsam durch das Mittelfeld dribbelte, um aus dem Zentrum vor dem gegnerischen Strafraum seinen Stürmer Sven Kreyer einzusetzen, dessen Schuss dann noch geblockt wurde.
Selbst als Henrichs für Armin Deljkovic eingewechselt wurde, blieb Zimmerling hinten rechts, Henrichs erfüllte seinen Job vor ihm. Nach dem Abpfiff und dem 3:1-Sieg entgegnete Zimmerling auf die Frage, wie es ihm als Rechtsverteidiger gefallen habe, mit einer Gegenfrage: „Ist einer an mir vorbeigekommen? Nein. Also: Super!“ Sein Spielmacher Emre Demircan kam dazu und meinte grinsend: „Er war der beste Spieler heute, der beste Rechtsverteidiger der Liga.“
Ihr Trainer jedenfalls erklärte den Schachzug so: „Wir wollten ein Stück weit das Spiel verändern im Ballbesitz. Mit Bo auf rechts spielen wir ja anders offensiv, er ist unser Longline-Spieler“, sagte Apfeld und meinte damit, dass man den schnellsten Mann im Kader gerne über die rechte Außenbahn schickt, damit er dort Bälle erläuft und sie dann in den Strafraum spielt – so hat Henrichs auch vier Assists zu seinem bislang einzigen Saisontor gesammelt. Mit Zimmerling nun hatte 04/19 einen Rechtsverteidiger, der „andere Wege aus der Position geht“, erklärte Apfeld und ergänzte: „Wir wollten auch für eine kleine Überraschung sorgen und spielstarke Spieler auf dem Feld haben, die den Ball laufen lassen, um Homberg nach hinten zu drücken. Das ist in der ersten Halbzeit auch voll aufgegangen.“
Da führten seine Ratinger nach den Treffern von Rinor Rexha (16. Minute), Ali Hassan Hammoud (24.) und Demircan per Strafstoß nach Foul an Kreyer (38.) souverän 3:0, die Gäste hatten nicht ein einziges Mal auf das Tor geschossen, nur ein Mal drüber. „Wir haben das Spiel in beide Richtungen, offensiv wie defensiv, komplett kontrolliert. So habe ich mir das vorgestellt“, sagte Apfeld, der gleichwohl „kleine Phasen“ gesehen hatte, in denen seine Spieler „ein bisschen lethargisch“ agiert hätten.
Davon gab es in Halbzeit zwei deutlich mehr, 04/19 ließ den VfB immer weiter ins Spiel kommen, der Anschlusstreffer durch Leon Schütz (78.) fiel so auch nicht aus heiterem Himmel. Und Torwart Marvin Gomoluch musste nach einem Konter gegen Marcio Blank schon seinen ganzen Körper in den Schuss werfen, um das 2:3 zu verhindern. Andererseits ließ Eleftherios Vasileiadis in der Nachspielzeit auch die Chance auf das 4:1 liegen, weshalb Zimmerling später von einem „am Ende souveränen Sieg“ sprach.
Sein Trainer wollte diesmal „nicht den Finger in die Wunde legen“, sagte aber doch: „Wir wollten in der zweiten Halbzeit die Intensität halten und das Spiel kontrollieren, aber dann ist es doch zu sehr abgeflacht. Bei uns geht es um etwas, und hier sind inzwischen immer so viele Leute da, die uns so stark unterstützen – das ist nicht normal für Oberliga-Verhältnisse. Und dafür war mir das von uns dann zu wenig in der zweiten Hälfte.“
Apfeld wünschte Hombergs Trainer Tobias Schiek, dass „der Verein in der Liga bleibt. Wir drücken die Daumen. Der VfB Homberg gehört in die Oberliga mit seinem tollen Stadion und als toller Verein.“ Sein Gegenüber, dem zur „verdienten Niederlage die Worte fehlten“, gab zurück: „Drei Spiele habt ihr noch – ich hoffe, ihr macht das.“ Gemeint ist der Aufstieg in die Regionalliga, im Rennen um Platz eins hat 04/19 zwar die Nase vorn vor dem VfB 03 Hilden und dem KFC Uerdingen, aber es ist sehr eng. Zimmerling jedenfalls bekräftigte: „Ich will hoch, wir wollen hoch. Das heißt: siegen, alle Spiele gewinnen.“ Am 32. Spieltag geht es zur Holzheimer SG – vielleicht hat Apfeld auch da eine Überraschung parat.