Mit allzu vielen prickelnden Momenten war eigentlich nicht mehr zu rechnen nach dieser verkorksten Hinrunde. Doch wenn Wormatia Worms am Samstag (14 Uhr) den SV Gonsenheim, Tabellennachbar in der Fußball-Oberliga, empfängt, gibt es durchaus interessante Aspekte.
Sa., 12.04.2025, 14:00 Uhr
Da ist die Rivalität der beiden Teams. Erst gewannen, nach der Pandemie, die Wormser drei Duelle zu Null, dann siegten, samt Pokal, dreimal die Mainzer. Der SVG schien in der Tabelle enteilt, kommt aber seit der Winterpause gar nicht aus dem Quark, während der VfR fünf seiner sechs Spiele gewann. Selten rauschend und glänzend, aber beständig und beharrlich. Deshalb haben die Wormser nun, mit einem Spiel mehr, die Mainzer von Rang fünf verdrängt.
Und dann ist da noch die besonders pikante Note, dass Marco Reifenscheidt auf das Team von Anouar Ddaou trifft. Also der aktuelle Wormser Chefcoach, der gern auch über das Saisonende hinaus weiter gemacht hätte, auf die Mannschaft seines Nachfolgers. Nur ist der gar nicht da. Ddaou ist seit Wochenbeginn im Urlaub und wird auch das Heimspiel gegen den FK Pirmasens am Mittwoch verpassen. „Das war lange geplant“, sagt SVG-Cotrainer Ferhat Gündüz, der einspringen wird. Und den Abwärtstrend seit der Winterpause stoppen will. „Dieses Spiel ist für unsere Spieler etwas Besonderes, daran werden sie sich hochziehen“, ist Gündüz überzeugt.
"Haben uns kleinere Ziele gesetzt"
„Weil das große Ziel Aufstieg nicht mehr realistisch war, haben wir uns kleinere Ziele gesetzt“, erzählt Reifenscheidt. Im tabellarischen Niemandsland tun Motivationshilfen gut. „Wir wollen in der Rückrundentabelle unter die ersten Drei“, erzählt der Trainer. Das wäre, Stand heute, erreicht. „Und wir wollen in der Gesamttabelle so weit wie möglich nach oben. Realistisch ist der fünfte Platz, egal wer da steht.“ Mit dem 2:0-Sieg im vorgezogenen Spiel gegen Eppelborn klappte das, ein Dreier gegen den SVG würde die Position festigen. Ob es eine Extra-Motivation ist, das Team des Mannes zu überholen, der ihm vorgezogen wurde? „Das kann sich jeder selbst ausmalen, ob mir das gefällt oder nicht.“
Die Hinrunde schloss der VfR als Zehnter ab, sogar das Abstiegsgespenst war in Sicht. Einen Mix aus vielen Faktoren für den Aufwärtstrend sieht der scheidende Chefcoach: „Ich glaube, auch von mir ist ein bisschen Druck abgefallen. Der entscheidende Punkt ist, dass die Mannschaft gelernt hat, als Team zu agieren. Die Mannschaft ist fit und hat durch Erfolgserlebnisse gesehen, was es heißt, gemeinsam zu investieren und zu ernten. Wir wurden gescholten, wollten etwas gut machen. Und eine gute Mannschaft haben wir ja.“
"Professionell zu Ende bringen"
Parallel zum Aufwärtstrend wird von anderen, darunter gewiss auch Ddaou selbst, am Kader für die neue Saison gewerkelt. „Es ist eine besondere Situation“, sagt Reifenscheidt. Dass bei vielen die Zukunft noch unklar ist – anders als bei Nik Rosenbaum, der sich Nahe-Landesligist SG Hüffelsheim anschließt – mache sich zumindest nicht negativ bemerkbar. „Wir versuchen es jetzt professionell zu Ende zu bringen.“
Wenn Probespieler sich präsentieren sollen, nimmt der 43-Jährige sie auf, ansonsten hält er sich aus allen Planungen raus. „Natürlich ist viel Enttäuschung mit dabei“, gibt er zu, „ich versuche zu unterstützen.“ Ab Sommer ist dann erst mal eine Pause geplant, während mit Ddaous Verpflichtung neue Hoffnungen verknüpft sind. Bis dahin wollen Reifenscheidt und seine Mannschaft die Messlatte möglichst hoch hängen.