
Am Ende siegt der Lehrmeister! Bei der Probsteier SG war Karim Youssef einst Trainer des Verbandsligisten. Damals dabei: Florian Stahl – erst als Spieler, dann als spielender Co-Trainer. Nach dem Rücktritt von Youssef übernahm Stahl die Cheftrainer-Rolle bei den Schönbergern, und auf der Fußball-Landkarte entwickelte sich die PSG zu einem guten Standort. Nun trafen beide in unterschiedlichen Lagern aufeinander im Spiel zwischen Inter Türkspor Kiel und dem Oldenburger SV. 3:2 endete die Begegnung aus der unteren Tabellenhälfte der Oberliga Schleswig-Holstein für die Heimelf, die die drei Punkte unbedingt benötigte. Dabei führte der Gast schon mit 2:0 nach Treffern von Silas Bünning und Finn Severin. Doch der Reihe nach.
Am Ende siegt der Lehrmeister! Bei der Probsteier SG war Karim Youssef einst Trainer des Verbandsligisten. Damals dabei: Florian Stahl – erst als Spieler, dann als spielender Co-Trainer. Nach dem Rücktritt von Youssef übernahm Stahl die Cheftrainer-Rolle bei den Schönbergern, und auf der Fußball-Landkarte entwickelte sich die PSG zu einem guten Standort. Nun trafen beide in unterschiedlichen Lagern aufeinander im Spiel zwischen Inter Türkspor Kiel und dem Oldenburger SV. 3:2 endete die Begegnung aus der unteren Tabellenhälfte der Oberliga Schleswig-Holstein für die Heimelf, die die drei Punkte unbedingt benötigte. Dabei führte der Gast schon mit 2:0 nach Treffern von Silas Bünning und Finn Severin. Doch der Reihe nach.
Die Partie beginnt in der 2. Minute gleich mit einer Riesenchance für den (internen) Blitztransfer Okan Erkocu. Erkocu zog im Sommer 2023 von Inter Türkspor Kiel über den großen Teich und spielt aktuell in den USA bei den BU Bruins an der Bellevue University. Der 27-Jährige wird bis zum Saisonende für die Kieler spielen. Der Offensivspieler läuft nach einem langen Ball über die von der Sonne geblendete Oldenburger Abwehrkette zum Eins-gegen-eins auf Keeper Cedric Cordes zu. Leicht links versetzt geht der Abschluss flach links am Torwart und am Pfosten vorbei.

Nach fünf Minuten deutet der OSV sein außergewöhnliches Potenzial im Umschaltspiel an. Der angeschlagene Daniel Junge (10 Tore) ist nach dem Ausfall von Freddy Kaps (8 Tore) ein wichtiger Baustein in jedem System von Cheftrainer Florian Stahl; er kommt links zum Abschluss. Keeper Mats Lüdtke wehrt ab, den Nachschuss setzt Jan-Eric Kränzke jedoch über das Tor.
In der 8. Minute köpft Finn Severin einen Eckball knapp am Pfosten vorbei. Auf der anderen Seite kurz darauf ein ähnliches Szenario: Serkan Yildirimer köpft den Ball neben das Tor.
Dann ist erst einmal eine Viertelstunde lang Ruhe vor beiden Toren. Dies endet in der 26. Minute: Keeper Lüdtke spielt beim Aufbau einen Ball ins Zentrum. Ein Inter-Spieler ist nicht ganz bei der Sache, Marcel Freund reagiert viel handlungsschneller, schnappt sich den Ball und läuft auf Lüdtke zu. Der Inter-Goalie kann seinen Fauxpas jedoch wieder wettmachen und verhindert das 0:1. „Die machen so viele Fehler, das musst du einfach bestrafen“, sagte ein Oldenburger Fan an der Spielfeldumrandung nach knapp 28 Minuten.
Aber auch Inter hat seine Möglichkeiten. Melih Cerrah, der überragende Spieler am Sonntag, setzt sich im Strafraum durch, doch der Schuss aufs lange Eck hat zu wenig Druck, sodass Cedric Cordes rechtzeitig im bedrohten Eck ist (29.).
Die Angriffe der Oldenburger werden jedoch immer gefährlicher. „Wir haben das Zentrum mehr in den Griff gekriegt, sodass sie ihre Spielzüge nicht mehr nach vorne tragen konnten. Wir gehen dann auch folgerichtig in Führung, weil wir die Umschaltmomente besser ausgespielt haben“, kommentierte Cheftrainer Florian Stahl die starke Phase seines Teams. Nach einer knappen halben Stunde, in der beide Teams intensiven und temporeichen Fußball mit guten Chancen boten, schlug der OSV dann eiskalt zu. Sebastian Witt serviert von rechts einen Ball an den zweiten Pfosten, wo sich niemand für Silas Bünning zuständig fühlt. Der linke Läufer der Gäste nimmt den Ball direkt aus der Luft und trifft zum 1:0 für die Ostholsteiner (34.).

Das 2:0 ist ein schön vorgetragener Angriff über links durch Silas Bünning. Luca Neumann, Abnehmer der scharfen Hereingabe, trifft nur den Pfosten. Doch Severin steht im Zentrum der Inter-Box goldrichtig im Gewühl und schießt zum 2:0 ein (39.).
Doch wer glaubte, die Kieler würden wie ein „angeschlagener Boxer“ endgültig zu Boden gehen, sah sich getäuscht. „Wir taumeln nicht. Wir glauben an diese kleine Chance“, betonte Youssef, der noch vor der Pause reagierte und mit Till Börner eine frische Kraft brachte. Die Maßnahme fruchtete beinahe postwendend: Das schnelle 1:2 durch einen Flachschuss des energisch nachsetzenden Melih Cerrah sorgte sofort für einen Schub bei den Gastgebern (42.).
Inter nutzt den Flow: Okan Erkocu scheitert noch an Cordes (44.), doch in der Nachspielzeit ist der Jubel groß. Die Oldenburger bekommen den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Zuerst versucht es Justin Petersen mit einem abgeblockten Schuss. Das Spielgerät kommt zu Pascal Polonski, der den Ball aus dem Strafraum zum 2:2 ins lange Eck schlenzt. Ein wichtiger Treffer mit einem tragischen Moment: Bei seinem Jubelsprung kommt Polonski unglücklich auf und muss verletzt in der Kabine bleiben.

OSV-Trainer Stahl ärgerte sich maßlos über die Phase vor dem Ausgleich: „Wir müssen vielleicht noch ein Tor mehr machen in der ersten Halbzeit, auch wenn Inter mehr Ballbesitz hatte, weil sie es gut gespielt haben. Aber dennoch führst du 2:0 bei Intertürk, und dann darfst du das Tor vor der Halbzeit nicht mehr so hergeben.“
Den Schock über den Ausfall eines ihrer Eckpfeiler haben die „Interisti“ in der Halbzeit gut verdaut: Gleich mit dem Anstoß zur zweiten Halbzeit übernahm Inter Türkspor die Initiative. In den ersten Sekunden ergab sich direkt eine Großchance. Doch nach und nach verlagerten die Oldenburger das Geschehen wieder einige Meter in die andere Richtung. Vom hohen Tempo und den vielen Möglichkeiten des ersten Abschnitts ist nun weniger zu sehen. Während Oldenburg bei Kontern die letzte Präzision vermissen ließ und laut Stahl „falsche Entscheidungen“ im letzten Drittel traf, blieb Kiel geduldig.
Besonders Kiels Flügelspieler Melih Cerrah wirbelte die OSV-Abwehr immer wieder durcheinander – Stahl adelte ihn später sogar als „Man of the Match“.
Bei der Stahl-Truppe hatte man teilweise den Eindruck, dass man mit einem Punkt zufrieden wäre, um den Abstand von sieben Punkten auf Inter zu wahren. Inter hatte nach dem guten Start in die zweite Hälfte bei ausgeglichenen Spielanteilen eine ruhigere Phase – und das Glück, dass der durchgebrochene Luca Neumann stark von Keeper Lüdtke gebremst wurde (64.). Ein 2:3 zu diesem Zeitpunkt wäre aus Inter-Sicht wohl das Ende aller Hoffnungen auf den Klassenerhalt gewesen.

Knapp fünf Minuten später ist erneut Fortuna im Spiel. Eigentlich ist Lüdtke der Retter, der gegen den frei vor ihm auftauchenden Silas Bünning zur Ecke abwehrt. Die Oldenburger haben nun leichtere Vorteile, können ihre Offensivaktionen nicht konsequent beenden und erhalten in der 83. Minute die kalte Dusche. Mit einem unwiderstehlichen Solo über die komplette rechte Seite der Oldenburger bereitet Melih Cerrah das 3:2 mit einem Rückpass an die Strafraumgrenze vor. Serkan Yildirimer nimmt Maß. Cerrah, Erkocu und Phil Baumgarn (85., 86., 90.) hätten in der Folge die Spannung aus den restlichen Minuten nehmen können, ließen aber weitere Chancen liegen.
„Ich bin total stolz auf die Mannschaft. Vor allem wie sie fußballerisch und kämpferisch alles reingelegt hat“, konstatierte Karim Youssef. „Ich habe ein sehr gutes Spiel von meiner Mannschaft gesehen. Viele Komponenten, die wir in der kurzen Zeit der Vorbereitung versucht haben reinzunehmen, habe ich heute gesehen.“
„Man hat gemerkt, dass uns komplett die Frische fehlte. Vielleicht waren wir noch ein bisschen belastet vom Todesfelde-Spiel. Aber ja, ich bin hoch enttäuscht. Das habe ich meiner Mannschaft gerade genauso gesagt. Der eine oder andere muss mal wieder auf den Boden zurückkommen“, sah Stahl den herausragenden 5:2-Coup am vergangenen Mittwoch beim Spitzenreiter Todesfelde im Nachhinein als Nachteil an. „Hier bei Intertürk gewinnst du nicht mit so einer Leistung. Jetzt müssen wir wieder richtig Gas geben."
Am Ende war es ein verdienter Sieg des Tabellenvierzehnten gegen den Tabellenzehnten – mit der nötigen Portion Glück zur richtigen Zeit für eine gute Leistung von Inter Türkspor Kiel. Damit sind die Kieler nach dem zweiten Sieg in Folge in einem „Sechs-Punkte-Spiel“ wieder auf Schlagdistanz zum rettenden Ufer. Das Restprogramm mit weiteren drei Heimspielen in Folge (SV Eichede, Holstein Kiel II und VfR Neumünster) sowie drei Auswärtsspielen in Serie zum Saisonende ist anspruchsvoll.
Aber mit Schwung im Rücken ist nichts unmöglich. Zumal man auch nun den Angstgegner schlechhtin besiegt hat. Gegen den Oldenburger SV gab es in bisher neun Begegnungen in der höchsten Landesklasse keinen Sieg. Gleich acht Niederlagen und ein Remis stehen in der Historie. Das 3:2 war somit der erste Dreier gegen den OSV!
Der Oldenburger SV hat am Mittwoch im Nachholspiel zu Hause im Derby gegen den Tabellenvorletzten Eutin 08 erneut eine Möglichkeit, den Puffer zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern. „Da hoffe ich, dass ich da ein anderes Gesicht bekomme. Aber bisher konnte ich mich auf meine Mannschaft immer darauf verlassen, wenn es darauf ankommt“, blickt Stahl optimistisch voraus.
Stimmen zum Spiel
Florian Stahl (Trainer Oldenburger SV)Inter Türkspor Kiel: Lüdtke – Sharba (78. Baumgarn), Polonski (46. Imasün), Haye, Volkers – Schmidtke (39. Börner) – Serkan Yildirimer, Erkocu, Halili – Cerrah, Petersen.
Trainer: Karim Youssef.
Oldenburger SV: Cordes – Robin Bünning, Mielke, Heinrich Lunau – Witt, Kränzke (62. Salke), Marcel Freund, Luca Neumann, Silas Bünning – Severin (77. Wölk), Junge.
Trainer: Florian Stahl.
SR: Khaled El-Rifai (VfL Bad Schwartau).
Ass.: Hendrik Plambeck, Lovis Neumann.
Z.: 250.
Tore: 0:1 Silas Bünning (33.), 0:2 Finn Severin (39.), 1:2 Melih Cerrah (42.), 2:2 Pascal Polonski (45.+1), 3:2 Serkan Yildirimer (83.).