Der Ligapokal: Niemand in Erding wird ihn vermissen 

Das Sportgeflüster von Dieter Priglmeir

Fuji-, T-Home- oder Telekom-Cup sind Turniere, die nicht mal 90 Minuten Spielzeit spendiert bekommen. Der Ligapokal war dagegen eine nette Idee, doch dann wurde einiges verkehrt gemacht.

Wie bitte? Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat den Ligapokal gestrichen, und es gab keinen ARD-Brennpunkt dazu? Mag sein, dass es wichtiger Themen gibt, aber wir hätten schon gern die Korrespondenten vor Ort gesehen: Annette Dittert live in Finsing, die immer chic frisierte Sabine Rau macht sich auf zum FC Türkgücü („Sorry, ich finde die TG-Arena nicht. Da ist nur eine Hundewiese...“), während sich Moskau-Expertin Ina Ruck im Landkreis-Osten umsieht und Claudia Buckenmaier froh ist, mal nicht wilde Trump-, sondern zivilisierte Fußball-Anhänger interviewen zu dürfen. Im Studio erklärt Jörg Schönenborn am Touchscreen die Quotientenregelung. So souverän er sonst zwischen Torten- und Balkendiagramm hin- und herwischt – hier würde er verzweifeln.

Wie fair ist die Quotientenregelung?

Auch aus diesem Grund sind wir froh, dass der Ligapokal begraben ist. Niemand wird ihn vermissen – zumal ohnehin nur noch weniger als die Hälfte aller Vereine heuer daran beteiligt gewesen wäre. Dafür hatte ja der BFV schon gesorgt, als er ohne Not – und gegen die Ankündigung – schon im Herbst die Vorrunde austragen ließ, die dann wiederum vorzeitig beendet und nach der Quotientenregelung gewertet wurde.

Wie fair ist diese Regelung, wenn zum Beispiel etwa FC Finsing 2 mit nur einem ausgetragenen Spiel in die Playoffs kommt? Vielleicht hätte ja Brennpunkt-Frau Dittert eine Antwort bekommen. Wir können nur mit einer Gegenfrage dienen: Welchen Sinn macht die Auswärtstor-Regel in der Champions League in Zeiten leerer Stadien? Es war halt vorher so ausgemacht.

Lernt daraus, nie wieder Ligapokal

Nochmal: Der Ligapokal als Zusatzwettbewerb für den Fall, dass noch freie Spieltage zur Verfügung stünden, war eine prima Idee. Ohnehin ist es viel zu einfach, dem Verband mit dem Wissen von heute falsche Entscheidungen vorzuwerfen. Aber den Ligapokal haben sie verbockt – zu Lasten der Punktrunde.

Lernt daraus, und begrabt den Ligapokal – für immer! Den brauchen wir auch künftig nicht. Zur Erinnerung: Es gibt schon einen zweiten Wettbewerb: den Totopokal. An dem nahmen viele Jahre lang keine Handvoll Landvereine teil, bis der BFV den Wettbewerb aufwertete. Er lockte mit attraktiven Gegnern (Dorfen durfte gegen die Löwen ran), drohte aber auch damit, dass Vereine, die sich verweigern, schlechte Karten haben, wenn sie sich als Austragungsort für Entscheidungsspiele bewerben.

Es bleibt dabei: Was zählt, ist die Liga. Zusatzwettbewerbe taugen nichts, höchstens zwischen zwei Punktrunden: sozusagen ein Lückenfüller-Cup – Armin Laschet würde es Brücken-Turnier nennen. Wobei: Im großen Fußball gibt’s das ja schon. Da heißt er Fuji-, T-Home- oder Telekom-Cup und hat so einen minderwertigen Rang, dass die Spiele nicht mal genug Zeit spendiert bekommen. Die Partien dauern nur 45 Minuten. Kürzere Spielzeiten? Ups, hoffentlich haben wir da den BFV nicht auf ’ne Idee gebracht.

DIETER PRIGLMEIR

138 Aufrufe10.4.2021, 08:00 Uhr
Erdinger Anzeiger / Dieter PriglmeirAutor

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