
Der große Hoffnungsträger des TuS Xanten heißt Lars van Schyndel. Seit dem 1. Januar ist der Rückkehrer vom SV Sonsbeck für den abstiegsbedrohten Bezirksligisten spielberechtigt und soll in der Rückrunde mithelfen, den Abstieg der Mannschaft von Marcel Zalewski zu verhindern. Warum der 22-Jährige, der einzige Xantener Winter-Neuzugang, den Oberligisten verlassen hat und wie der Mittelfeld-Antreiber die angespannte sportliche Situation beim TuS einschätzt.
Lars van Schyndel, ihr letztes Pflichtspiel liegt fast neun Monate zurück. Wie sehr brennen Sie darauf, endlich wieder auf dem Platz zu stehen?
Lars van Schyndel Die Vorfreude ist groß. Leider habe ich die erste Trainingswoche inklusive des Testspiels und Hallenturniers krankheitsbedingt verpasst. Für den Test gegen Budberg II am Sonntag wird es auch noch nicht reichen. Danach bin ich auskuriert und werde wieder voll einsteigen.
Nach nur einer Oberliga-Saison in Sonsbeck haben Sie Anfang September 2024 ihre Rückkehr nach Xanten bekanntgegeben. Was waren die Gründe dafür?
Van Schyndel Die Überlegungen kamen schon während der Sommer-Vorbereitung, der endgültige Entschluss reifte dann am Anfang der Saison. Ausschlaggebend waren berufliche und private Gründe. Es ist einfach zeitlich viel zu eng geworden. Mein Leben bestand quasi nur noch aus Arbeit und Fußball. Für den Rest war kaum Platz mehr.
SVS-Trainer Heinrich Losing sprach von einer beiderseitigen, unbefriedigenden Situation. Sie hätten nicht an ihre gute Form anknüpfen können. Wie sind Sie mit dem SVS auseinander gegangen, bereuen Sie den Schritt?
Van Schyndel Nein, absolut nicht. Mir ist die Entscheidung alles andere als leichtgefallen, weil ich gerne auf dem Niveau weitergespielt hätte. Aber es gibt eben Dinge im Leben, die wichtiger sind als Fußball. Als erstes habe ich mit Heiner Gesthüsen (Sportlicher Leiter; Anm. d. Red.) gesprochen und ihm meine Situation erklärt. Es war ein gutes Gespräch, er hatte volles Verständnis.
Durch den Wechsel außerhalb der Transferperiode sind Sie erst seit Januar spielberechtigt. Wie schwer war es, sich fitzuhalten?
Van Schyndel Das war kein Problem. Ich habe seit Herbst in Xanten mittrainiert und hatte genügend Zeit, ins Fitnessstudio zu gehen.
Somit konnten Sie die Negativentwicklungen und den Trainerwechsel von Levin Bardehle zu Marcel Zalewski hautnah miterleben. Wie bewerten Sie die sportliche Talfahrt des TuS Xanten?
Van Schyndel Dass die Situation beschissen ist und sich etwas ändern muss, weiß jeder. Ich habe mir viele Spiele angeschaut und hatte von außen vielleicht einen etwas anderen Blick als die Jungs auf dem Platz. Wir hatten auch Pech und haben viele Spiele unglücklich und knapp verloren, aber auch in den entscheidenden Momenten Fehler gemacht, die sofort bestraft werden. Die müssen wir dringend abstellen. Die Vorbereitung ist kurz. Aber wir habengenügend Möglichkeiten, neben einer verbesserten Kondition genau daran zu arbeiten.
Kann man von einem Kopfproblem sprechen, weil Sie sich, statt wie erhofft im Aufstiegsrennen, tief im Abstiegskampf befinden?
Van Schyndel Wenn man viel verliert, zieht das einen runter. Das ist klar. Viele Spieler kennen die Situation nicht, da sie in den Jahren zuvor oben mitgespielt haben. Aber wenn du nicht daran glaubst, dann kommst du da auch nicht raus. Ich bin mir sicher, dass wir nicht absteigen werden.
Konnte der neue Trainer Marcel Zalewski denn die angekündigten, nötigen, frischen Impulse setzen?
Van Schyndel Ich denke schon. Er und Levin sind zwei unterschiedliche Typen mit verschiedenen Ansichten, die ans Team weitergegeben werden. Ich kann über beide nichts Negatives sagen.
Lautsprecher, Führungsspieler, flexibel einsetzbar im zentralen, offensiven wie defensiven Mittelfeld – die Erwartungen an Ihre Person sind groß. Wie wollen Sie diesen in der verunsicherten Mannschaft gerecht werden?
Van Schyndel Ich sehe mich genau in der Rolle, die ich seit Jahren spiele. Ich kenne viele Jungs noch von damals. Wir haben viele junge Spieler mit dabei, die jemanden brauchen, der Führung übernimmt, damit sie sich besser auf sich und ihr Spiel konzentrieren können. Ich versuche, der Mannschaft zu helfen und sehe das als meinen Job. Den versuche ich jetzt anzugehen.