Mustafa Solmaz mit einem schwarzen Lamm, das auf seinem Hof gerade geboren ist.
Mustafa Solmaz mit einem schwarzen Lamm, das auf seinem Hof gerade geboren ist. – Foto: Hauhart, Privat

Mustafa Solmaz: Hobby-Landwirt statt Fußballer

30-Jähriger des TuS Langenheide (Kreisliga B Bielefeld) will im Sommer kürzertreten. Dieser Entschluss ist in der Corona-Krise gereift. Seine Zeit will er in Zukunft anders investieren. Zum Beispiel in die gerade geborenen Lämmer auf seinem Bauernhof.

Die Corona-Zwangspause hat in Mustafa Solmaz etwas ausgelöst. Ihn nachdenklich gestimmt. Der Kreisliga-Torwart will ab Sommer kürzertreten. Seine aktive Karriere langsam austrudeln lassen. Der Sport, über Jahre hinweg ein zeitaufwendiges Hobby im Leben des 30-Jährigen, soll in Zukunft eine weniger wichtige Rolle spielen. Dieser Entschluss ist in den vergangenen Monaten in ihm gereift. In der Pandemie-Zeit hat Mustafa Solmaz gelernt, seinen Alltag anders zu gestalten. „Plötzlich hatte ich mehr Zeit für Dinge, die ich sonst nicht hatte“, sagt er.

Mustafa Solmaz ist hauptberuflich Polizist. Er arbeitet Vollzeit – 41 Stunden die Woche im Schichtsystem. Natürlich auch am Wochenende. Allein deshalb war es für ihn in der Vergangenheit oft schwer genug, Beruf und Hobby zu vereinbaren. Und auch privat hat „Musti“, wie ihn seine Mitspieler rufen, viel zu tun. Vor allem seit er im Jahr 2017 einen Bauernhof in Borgholzhausen erwarb.


Entscheidung für Hof, Familie und Tiere

Für den Hobby-Landwirt ist die tägliche Arbeit, die dort anfällt, der perfekte Zeitvertreib. Es ist schlicht ein Ausgleich zum stressigen Berufsalltag. Geld verdient Mustafa Solmaz mit seinem Hof keines. Und will das auch in Zukunft nicht. Die paar Schafe und die gerade geborenen Lämmer, die mit ihm und seiner Frau auf dem Grundstück leben, dienen in erster Linie als Rasenmäher. Das Holz, das er schlägt, nutzt er nur für den privaten Gebrauch. Schwere Landmaschinen besitzt er derzeit nicht. Hat er aber mal: Einen Oldtimer-Traktor, den er abgeben musste. Weil Mustafa Solmaz und seine Frau den Hof derzeit umbauen, fehlte der Platz, um das Fahrzeug vernünftig unterzustellen. Sobald das Gebäude fertig saniert ist, soll aber ein neuer Traktor her. „Mit dem ich das Holz dann aus dem Wald holen kann“, sagt er.

Dem Fußball ganz den Rücken kehren, will Mustafa Solmaz aber nicht. Noch bis Ende Juni steht er ohnehin beim B-Ligisten TuS Langenheide unter Vertrag. „Dort hab ich viel Spaß. Ich fühle mich sehr wohl“, sagt er. Nächste Saison kehrt er als Torwarttrainer zu seinem Stammverein TuS Solbad Ravensberg zurück. Eine Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen ist. Auch in Langenheide hätte er zukünftig nämlich die Keeper trainieren können. Ein solches Angebot lag ebenfalls auf dem Tisch. Und brachte Mustafa Solmaz stark ins Grübeln. Letztlich fiel die Wahl aber auf Ravensberg. „Weil ich dort meine neue Tätigkeit in einem Umfeld ausführen kann, in dem ich mich etwas besser auskenne“, sagt er. Dennoch kann er sich gut vorstellen, in Zukunft auch nach Langenheide zurückzukehren.: „Es ist ein toller Verein.“

Solmaz befürchtet Saisonabbruch

Als Torwarttrainer hofft Mustafa Solmaz, sich seine Zeit in Zukunft besser einteilen zu können. Der Druck, zweimal die Woche zum Training und sonntags zum Spiel zu müssen, entfällt. Wenn Not am Mann ist, stünde er zwar immer noch parat: In erster Linie will er aber Trainer sein. Die gewonnene Freizeit investiert er dann in Familie, Hof und Tiere. Es ist eine Entscheidung für diese drei Dinge – nicht gegen den Fußball, wie er betont.

Ob er in dieser Saison noch einmal das Trikot des TuS Langenheide tragen wird, weiß Mustafa Solmaz nicht. Er wünscht es sich aber sehr. „Das wäre ein schönerer Abschied“, sagt er. Abhängig ist das aber einzig und allein davon, wie sich die Corona-Pandemie in den nächsten Wochen entwickelt. Gehen die Fallzahlen weiter nach unten oder droht sogar die dritte Welle? Präzise vorhersagen kann das wohl niemand. „Vielleicht können wir die Hinrunde noch zu Ende spielen“, wagt Mustafa Solmaz immerhin eine vorsichtige Prognose zur Saisonfortsetzung. Schiebt dann aber hinterher: „Mittlerweile gehe ich aber eher davon aus, dass die Saison abgebrochen werden muss.“ Ein wohl düsteres Szenario für jeden Amateurfußballer. Aber ein Gutes für die Schafe und Lämmer, die auf dem Hof in Borgholzhausen dann weiter die ungeteilte Aufmerksamkeit des Fußball-Torhüters genießen.

Aufrufe: 4.2.2021, 10:00 Uhr
Dennis Bleck / FuPaAutor

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